Anti-Atom- und Klimaproteste zur RWE-Hauptversammlung
Von BBU
Die Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Münsterland und Emsland beteiligten sich heute ab 9 Uhr an den Protesten aus Anlass der heutige Jahreshauptversammlung von RWE. Unter dem Motto "RWE – jetzt ist Schluss" fordert ein Bündnis aus Klima-, Anti-Kohle- und Anti-Atomkraft-Initiativen vor der RWE-Zentrale in Essen einen radikalen Kurswechsel. Die Anti-Atomkraft-Initiativen fordern dabei insbesondere die umgehende Stilllegung des alternden AKW Lingen sowie einen Ausstieg aus der Urananreicherung in Gronau und einen Verzicht auf sämtliche AKW-Neubaupläne des Urananreicherers Urenco, an dem RWE zusammen mit EON beteiligt ist. In Zusammenarbeit mit dem Dachverband der Kritischen Aktionäre haben die Anti-Atomkraft-Initiativen rund 60 detaillierte Fragen an den Vorstand von RWE eingereicht zur Atompolitik sowie zur Zukunft der Steinkohlekraftwerke Ibbenbüren und Hamm-Uentrop. Insgesamt gibt es 115 Fragen an den RWE-Vorstand.
In Lingen monieren die Anti-Atomkraft-Initiativen, dass es in 2019 und 2020 erste Rissefunde an den Heizrohren im Primärkreislauf des Atomkraftwerks gab. Dennoch wurden bei den jeweiligen Revisionen nur rund 25% der Heizrohre untersucht und das AKW wurde ohne ausreichende Datengrundlage einfach wieder ans Netz gelassen. "Wir fordern deshalb von RWE, den Reaktor jetzt vom Netz zu nehmen. Es ist unverantwortlich, das schwächelnde AKW noch bis zur gesetzlich erlaubten Frist Ende 2022 weiterlaufen zu lassen. Die Sicherheit der Bevölkerung muss absolute Priorität haben. Schon ein einziger Riss kann zu einem Bruch führen, der wiederum einen GAU auslösen kann. Das Risiko ist zu hoch," forderte Alexander Vent vom Bündnis AgiEL – AtomkraftgegnerInnen im Emsland.
Auch die Beteiligung am Urananreicherer Urenco macht große Sorgen: Zum einen möchte Urenco in den Niederlanden, Großbritannien und Kanada nach Auskunft der Bundesregierung an fast 300 Standorten sogenannte "Modulreaktoren" errichten. In Großbritannien ist Urenco darüber hinaus einem Konsortium zum Bau des Atomreaktors Sizewell C beigetreten. Doch Atomkraft löst keine Klimaprobleme. In den USA gibt es zudem nach US-Medien Gespräche mit dem Pentagon zur Beteiligung an militärischen Atomprojekten. Völlig ungelöst ist auch der tatsächliche Verbleib des Gronauer Uranmülls, der in den letzten Jahren rechtswidrig unter Verstoß gegen Dual-Use-Sanktionen der EU nach Russland gebracht wurde.
"RWE nimmt den Atomausstieg nicht ernst. Im Gegenteil: Die Neubaupläne für Atomkraftwerke in den Nachbarländern und die Kontaktaufnahme zum US-Verteidigungsministerium sind verhängnisvoll. Über den Urananreicherer Urenco setzt RWE auf eine gefährliche Zukunft der Atomenergie. Gronau soll ein Zentrum der weltweit operierenden Uranindustrie bleiben – mit Billigung und Förderung durch RWE. Wir fordern den Ausstieg aus der Urananreicherung und das sofortige Ende aller Neubaupläne für Atomkraftwerke. RWE muss im Urenco-Direktorium endlich ein Veto einlegen," so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.
Tschernobyl-Gedenken in Gronau und Lingen
Zum 35. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl fanden am Montag sowohl in Gronau wie auch in Lingen Mahnwachen zum Gedenken an die Opfer des Super-GAUs statt.