„Eine andere Wirtschafts- und Sozialordnung ist nötig“.
von Wolfgang Gerecht
Notizen zur ersten öffentlichen Veranstaltung der Initiative Linke Christen in der Partei DIE LINKE. am 10. Juli 2014 in Frankfurt am Main-Bornheim
Einerseits war die Veranstaltung mit dem Untertitel der Papst Franziskus – Aussage: „Diese Wirtschaft tötet“ mit ca. 60 Personen gut besucht, andererseits ist es schade, daß der weitaus größte Teil die 60 an Jahren bereits (deutlich) überschritten hatte. Die jungen Menschen, die das angesprochene fundamentale Problem primär betrifft, waren nicht anwesend.
Professor Franz Segbers, Janine Wissler und Martin F. Herndlhofer diskutierten nach einem einführenden Vortrag von Franz Segbers unter der Moderation von Ulrich Wilken mit abschließenden Fragen aus dem Publikum.
Prof. Segbers, Theologe und Sozialethiker an der Universität Marburg hielt eine beachtenswerte Einführung in die Kapitalismus-Analyse des neuen Papstes.
Im Ergebnis wurde der Kapitalismus als ein Auslauf-Modell charakterisiert, welches den Menschen und Völkern dieser Welt keine positive Gegenwart, erst recht keine Zukunft mehr bieten kann. Im Gegenteil, ökologische Probleme türmen sich auf (Klimaerwärmung, Naturzerstörung, ökologische Belastbarkeit des Planeten bewegt sich im absoluten Grenzbereich). Hungersnöte in vielen Teilen der Welt, während gleichzeitig Nahrungsmittel-Spekulationen an den Rohstoff-Börsen blühen. Kriege zu führen, ist nicht nur nach wie vor ein Mittel der Politik, sondern die militärischen Optionen und konkreten Operationen werden ganz bewusst eingesetzt, in die „Absicherung“ der so genannten „Rohstoff-Märkte“ und Sicherung der „freien Handelswege und der politischen Einflußspähren“. Bundespräsident Gauck läßt ja keine Gelegenheit ungenutzt, um die gegenteilige öffentliche Meinung in eine Meinung der Kriegs-Akzeptanz zu befördern.
Auch der gravierende Unterschied in der wirtschaftlichen und sozialen Situation zwischen „NORD und SÜD“, aber auch zwischen den „Unterentwickelten“ Ländern, Entwicklungsländern und „Schwellenländer“ gegenüber den „klassischen“ Ländern des „Industrie-Kapitals“ und des „Finanz-Kapitals“ wurde angesprochen.
Konkret die Ausbeutungs-Situation von Arbeitnehmern z.B. in den Ländern Südost-Asiens, wo die so genannten „Marken-Hersteller“ die z.B. Textil-Produkte herstellen lassen, um diese in den klassischen Kapitalismus-Ländern Europas und Nordamerikas teuer zu verkaufen.
Die Frage nach Gründen für das weitgehende „Stillhalten“ der Menschen in den klassischen Kapitalismus-Ländern, insbesondere Deutschlands, wurde gestellt.
Die Krise findet primär „draußen“ statt und die hier lebenden Menschen profitieren gewissermaßen neben „dem Kapital“ noch mit. Der bereits verarmte Teil der Bevölkerung wird per Hartz IV und Sozialhilfe – Regime ausgegrenzt.
Es wurde auch die Bedeutung des Glaubens behandelt.
Die in den kapitalistischen Zentren lebenden Menschen, glaubten doch eher, daß die Welt untergehe, als das der Kapitalismus untergehe.
Dieser Glaube mit der verbundenen „Alternativlosigkeit“ verursache unter anderem die Sprach- und Tatenlosigkeit in den Zentren des Kapitalismus. Wo das Kapital das Sagen hat, sind diese Krisen ökonomisch gewollt und werden politisch von den Politikern mental und rechtlich umgesetzt. Es bestehe eine „strukturelle Habgier“ die grundsätzlich keine Grenzen kenne und nach Herndlhofer zum „Betriebs-System“ im Kapitalismus gehöre.
Zusammenfassend zitierte Prof. Segbers aus der Abschlusserklärung der Ökumenische Weltversammlung 2013 in Südkorea:
„Auf diese Weise droht das vorherrschende globale Wirtschaftssystem (…) dem Leben, wie wir es kennen, eine Ende zu setzen.“
Martin Herndlhofer, bei PAX Christi und Attac engagiert, wies unter anderem auf die wachsende Überwachung und Kontrolle der „ganz normalen Menschen“ hin.
Dies solle auch der „Einschüchterung“ der Menschen dienen und den Aufbau einer „Gegenwehr“ verhindern.
Guten Anklang bei den Besuchern fand seine Erklärung zur „Schuld“ bzw. „Verantwortung“ im System des Kapitalismus. Dem Grunde nach gibt es keine persönliche „Verantwortung“ und keine moralische Kategorien. Es sei einem „Betriebssystem“ im Computer-Bereich vergleichbar, in die Handelnden immer wieder zu den gleichen Handlungen und/oder Unterlassungen „gezwungen“ werden.
So wurde auch der amerikanische Hedgefond NML Capital des US-Milliadärs Paul Singer angesprochen, der die Argentinische Staatsanleihen für einen Restwert kaufte, vor einem US-Gericht auf Zahlung klagte, Recht bekam und jetzt mit 1500% Profit rechnen kann, während der Insolvenz-Vergleich mit den größten Gläubigern von Argentinien nicht mehr erfüllt werden kann.
Janin Wissler, Landtagsabgeordnete der PdL Hessen wies unter anderem auf die extremen Unterschiede zwischen Arm und Reich weltweit und in diesem Land hin, deshalb sei ja auch DIE LINKE als Partei auch eine antikapitalistische Partei.
Zur Kriegs- und Friedensfrage erinnerte sie an den Aufruf der evangelische Ost-Pfarrer im Streit um Auslandseinsätze der Bundeswehr. Die „Ost-Pfarrer“ warfen dem Bundespräsident und früheren Pfarrer Gauck vor, von Idealen der christlichen DDR-Friedensbewegung Abstand genommen zu haben. Diese Kritik an Gauck stehe grundsätzlich im Einklang mit der Position DER LINKEN und sei, da von den ehemaligen Kollegen Gaucks kommend, noch viel wirkungsvoller als die Kritik der LINKEN.
Abschließend wurden noch etwa 10 Fragen bzw. eigene Stellungnahmen aus dem Publikum gestellt und nach ca. 2,5 Stunden eine interessante Diskussion beendet.
Benno Pörtner, langjähriger Vors. der Mitarbeiter-Vertretung im Bistum Limburg hielt ebenfalls noch eine kurze Ansprache und nannte den nächsten Veranstaltungs-Termin der Initiative Christen in DER LINKEN mit Sa., den 06.12.2014.
Es bestand im Saal Einvernehmen in der Analyse, viele angesprochene Sachverhalte waren mehr oder weniger bekannt.
Neu war, das öffentliche und offensive Auftreten der Initiative Christen in der Linken.
Kriftel, 11.07.2014
Wolfgang Gerecht