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Zur Kinderarmut (nicht nur in Bremen)

von Britta Littke-Skiera

Bei allen richtigen Forderungen der Linksfraktion darf eins nicht übersehen werden: Die Armut der Kinder ist verknüpft mit der Armut der Eltern, und die Armut der Eltern ist verknüpft mit der Armut ihrer (jugendlichen) Kinder.

Nicht nur, dass die Leistungssätze im ALG II-Bezug ohnehin nicht reichen, diese Armut wird von außen teils noch drastisch verschärft. Stichwort sind die Sanktionen, die alle Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft treffen. Wird ein Elternteil sanktioniert, trifft dies unweigerlich auch die Kinder und eine Vollsanktionierung eines jugendlichen oder erwachsenen Kindes unter 25 Jahren trifft auch umgekehrt die Eltern und eventuelle Geschwister in der Bedarfsgemeinschaft. Zwar können Lebensmittelgutscheine vom voll sanktionierten Familienmitglied beantragt werden, aber nicht alle Supermärkte nehmen diese auch an. Und eine „Tafel“ gibt es auch nicht an jeder Ecke. Oft fehlt schon das Geld für die Fahrkarte zur „Tafel“. Die Lebensmitteltafeln sind ohnehin ein zweischneidiges Schwert, erleichtern sie doch wieder das Verhängen von Sanktionen, weil ja die Betroffenen zur Tafel gehen können.

Wer Kinderarmut bekämpfen will, kommt also nicht darum herum, sich über Sanktionen der Jobcenter Gedanken zu machen, diese auf´s Schärfste zu verurteilen und in der Öffentlichkeit zu skandalisieren. Denn es ist ein Skandal, wenn z.B. Jugendliche, die in in einer Umbruch- und Orientierungsphase sind, für die Abgrenzung und Ablösung von Eltern und Elternfiguren zu einem notwendigen Entwicklungsprozess gehört, gnadenlos totalsanktioniert werden, weil sie nicht so spuren wie es manch Angestellte/r in den Jobcentern gerne hätte. Genauso skandalös ist es, wenn Eltern ohne Rücksicht auf ihre Kinder sanktioniert werden, denen möglicherweise das Trauma der gewaltsamen Fremdunterbringung durch die Jugendämter droht.  Wer sich also völlig zu Recht (nicht nur in Bremen) gegen Kinderarmut wendet, wird sich dem Thema „Sanktionen“ sehr klar öffentlich entgegenstellen müssen.