Jeder Tropfen zählt… Soll Berlin „Blue community" werden?
Von Berliner Wassertisch
Auf Initiative der Wasseraktivistin Dorothea Härlin vom Berliner Wassertisch fand am 29.3. 2017 im Berliner Abgeordnetenhaus ein Podium mit der weltweit bekanntesten Wasseraktivistin, Maude Barlow statt.
Eingeladen hatten dazu alle drei Fraktionen der neuen Berliner rot-rot-grünen Koalition, ihre erste gemeinsame öffentliche Veranstaltung der Legislaturperiode, wie sie bekanntgaben.
Maude Barlow, Trägerin des Alternativen Nobelpreises und Präsidentin der größten kanadischen NGO „Council of Canadians“ setzt sich überall für Wasser als öffentliches Eigentum ein und wirbt mit Erfolg auf beiden Seiten des Atlantiks für „Blue Communities“, d.h. Kommunen, die ihre Wasserpolitik im Sinne des von der UN proklamierten Menschenrechts auf Wasser ausrichten. Die drei Kernforderungen sind die Anerkennung des Wassers als Menschenrecht, Verbleib der Wasserdienstleistungen in öffentlicher Hand und Verpflichtung zum Konsum von Leitungswasser statt Flaschenwasser .
Anstoß für diese Initiative ist, wie Maude Barlow sagt, die Tatsache, dass wir vor einer „Wasserkrise von angsteinflößender Größe“ stehen.
„Die Probleme, die wir in den wassereichen entwickelten Ländern wie Kanada und Deutschland für weit entfernt hielten, stehen nun auch vor unserer Tür.“ Insbesondere warnte Barlow auch vor den Folgen der geplanten Freihandelsabkommen CETA (EU – Kanada) und TTIP (EU – USA) in Bezug auf irreversible und schädliche Wasserprivatisierung. Auch wenn Wasser in der EU von Privatisierung ausgenommen sei, könne mit CETA doch erneut auch beim Wasser Privatisierung drohen. Sie würdigte in diesem Zusammenhang auch noch einmal den international bekannt gewordenen Fall der Rekommunalisierung der Berliner Wasserbetriebe, die der Berliner Wassertisch 2011 durch Volksentscheid in Gang gesetzt hatte.
Ihre Vorschläge trafen beim Publikum auf einhellige Zustimmung und vielfältige Vorschläge zur Umsetzung in Berlin. Gerade dieser Gedanke wurde von allen drei Parteien aufgegriffen in der Form, dass Berlin als „Blue Community“ in Zukunft ein Zeichen setzen kann für einen anderen Umgang mit Wasser in allen Dimensionen. Sowohl der Vertreter der Berliner Wasserbetriebe (BWB) Herr Feddern als auch die zahlreich erschienen VertreterInnen von Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen waren – in seltener Einmütigkeit - für die grundsätzliche Annahme des Projekts „Blue Community“ für Berlin. Viele teilweise sehr konkrete Vorschläge wurden in der Diskussion schon angeschnitten, so dass es für die Moderatorin Heidi Kosche klar war, dass weitere Treffen zu dem Thema stattfinden müssen. Eine Webseite wurde von einer Initiative schon
vorgestellt: www.bluecommunityberlin.de.
Die Vertreter der einladenden drei Regierungsfraktionen schlossen sich dem in der Abschlussrunde an: grundsätzliches Einvernehmen mit dem Plan, dass auch Berlin zu einer „Blue Community“ wird.
Maude Barlow im Resümée: „Ich bin sicher, dass mit der Veranstaltung heute eine neue Wasserbewegung in Berlin angestoßen wurde.“