Wohnungsbau in Mittelfranken rückläufig - Öffentliche Hand baut nicht
MdB Weinberg: „Soziale Wohnungsbauförderung neu beleben“
Erlangen und Fürth besonders betroffen: Einbrüche um 31 und 39 Prozent
Entgegen dem bayerischen Trend ist das Entstehen von neuem Wohnraum in Mittelfranken 2014 spürbar zurückgegangen. Dies vermeldet aktuell das statistische Landesamt (https://www.statistik.bayern.de/presse/archiv/2015/37_2015.php). Während im Freistaat insgesamt 4,9 Prozent mehr Wohnungsbaugenehmigungen als im Vorjahr ausgestellt wurden, ging diese Zahl in Mittelfranken um 6,8 Prozent oder 7.052 Baufreigaben zurück. Damit entstanden 44.500 m² weniger Wohnraum als im Vergleichszeitraum (s. beiliegende Tabellen).
Besonders betroffen sind demnach Fürth und Erlangen. In der Kleeblattstadt steht der landesweit stärkste Rückgang um 38,7 Prozent oder 33.700 m² zu Buche; im ohnehin von Wohnungsnot geplagten Erlangen brach die Zahl der freigegebenen Wohnfläche um 31,3 Prozent oder 17.100 m² ein. Etwa im Bezirksschnitt sanken die Baugenehmigungen in Nürnberg: um 11.600 m² (minus 6,2 Prozent im Vergleich zu 2013). In Schwabach blieb die Wohnflächenzahl stabil; Ansbach verzeichnet einen Anstieg um 24,8 Prozent. Unter den bayerischen Großstädten bilden die mittelfränkischen Ausnahmen: In München bleibt das Entstehen neuen Wohnraums stabil, in Würzburg steigt dieser leicht, in Regensburg deutlicher, Ingolstadt weist eine Vervierfachung auf.
Derweil ist der Wohnungsbau durch die öffentliche Hand nahezu zum Erliegen gekommen: Der aktuellste statistische Bericht des Landesamts (s. Anhang) weist bayernweit für Dezember 2014 Baugenehmigungen für 382.000 m² aus. Davon entfällt auf die öffentliche Hand lediglich 0,4 Prozent, weitere 1,2 Prozent auf gemeinnützige Bauträger. Hingegen machen gewinnorientierte Unternehmen inzwischen 40,6 Prozent des Wohnbauvolumens aus. Die restlichen 57,7 Prozent verteilen sich auf private Haushalte.
Die Schieflage kommentiert der Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg (DIE LINKE): „Der Rückzug des kommunalen Wohnungsbaus ist auch Folge der Unterfinanzierung durch den Bund. Die Mietpreisbremse in ihrer jetzigen Form reicht bei weitem nicht aus, Wohnungsnot und Mietwucher in den Großstädten zu bekämpfen. Wir brauchen eine Offensive für das Entstehen von bezahlbarem Wohnraum – gerade in den Ballungszentren. Die soziale Wohnraumförderung gilt es auch vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Stadtflucht rasch auszuweiten. Dabei soll insbesondere die Rolle der Kommunen als Akteure im Wohnungsmarkt neu belebt werden. DIE LINKE will die Städte zudem befähigen, das Quartiersmanagement aktiver zu gestalten: Wir fordern daher die Wieder-Aufstockung des Programms „Soziale Stadt“ auf zunächst 105 Millionen Euro.“