Fahrpreis-Gutachten bringt keine Wende zum Besseren:
Für Berufstätige weiter drastische Preissteigerungen – keine Schritte hin zu echtem Sozialticket vorgesehen
Von Bündnis gegen Fahrpreiserhöhungen
Als halbherzig und inkonsequent bewertet das Bündnis gegen Fahrpreiserhöhung den von der Beratungsfirma Probst & Consorten vorgelegten Vorschlag für die Fahrpreisgestaltung der VAG in Nürnberg. Trotz einzelner sinnvoller Komponenten des Vorschlags werde die Strategie, ohne Rücksicht auf soziale und umweltpolitische Zielsetzungen der Stadt Nürnberg bei den ÖPNV-Fahrgästen maximal abzukassieren, fortgesetzt.
Das Bündnis kritisiert insbesondere, dass der Vorschlag für Berufstätige, die mit Bussen und Bahnen zur Arbeit fahren, nochmals eine drastische Preissteigerung bedeuten würde: der Preis für das VAG-Jahresabo soll Anfang 2016 erneut um ca. 8% auf dann knapp 60 € im Jahr steigen. Um den gleichen Prozentsatz würde sich auch der Preis für das VAG-Firmenabo erhöhen. Eine Jahreskarte wäre dann in Nürnberg genau doppelt so teuer wie in Wien – angesichts dessen von einem „fränkischen Wiener Modell“ zu sprechen, sei ein schlechter Witz.
Auch beim vergünstigten Ticket für Nürnberg-Pass-Inhaber sieht das Gutachten keinen Fortschritt in Richtung auf ein echtes Sozialticket vor. Nach dem Gutachter-Vorschlag wäre dieses Ticket künftig sogar teurer als das normale Jahresabo mit Ausschlusszeit vor 9 Uhr. Um dieses Missverhältnis zu beseitigen, fordert das Bündnis die Abschaffung der Ausschlusszeit beim Ticket für Nürnberg-Pass-Inhaber sowie eine Absenkung des bisherigen Preises von 30,80 € .
Das Bündnis fordert vom Stadtrat den Mut zu einer echten Tarifreform mit bezahlbaren Fahrpreisen für alle. Die Fahrgeldeinnahmen seien von 2002 bis 2013 von 80 Millionen Euro auf 131 Millionen Euro gestiegen, während die städtischen Zuschüsse bei 66 Millionen Euro geblieben, also inflationsbereinigt deutlich gesunken seien. Wer eine solidarische und ökologische Stadtgesellschaft anstrebe, müsse auch entsprechende finanzielle Schwerpunkte setzen.