Neuerscheinungen Sachbuch
Buchtipps von Michael Lausberg
Buch 1
Stephanie Hauschild: Stefan Lochner. Erster deutscher Meister, Greven Verlag, Köln 2024, ISBN: 978-3-7743-0935-7, 32 EURO (D)
Stefan Lochner hat kein einziges seiner Werke signiert, dennoch sind seine Bilder weltberühmt. Wer war dieser Maler, der kostbare Bilder für Gottesdienst und Gebet, für Kölner Kirchen und Klöster malte? Was ist das Besondere an Stefan Lochners Kunst? Wie hat er gearbeitet? Wer waren seine Auftraggeber? Das sind die zentralen Fragen, die in diesem Buch auf einem Rundgang durch das mittelalterliche Köln beantwortet werden.
Stephanie Hauschild gibt „Meister Stefan“ in der Stadtgesellschaft des 15. Jahrhunderts ein Profil und lässt die große Epoche der Kölner Malerei – mit ihren eindrucksvollen Meisterwerken und delikaten Buchmalereien – lebendig werden.
Im ersten Teil geht es um die großen Altarbilder wie das „Weltgericht“, das Altarretabel für St. Katharinen oder der Altar der Stadtpatronene.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit drei Gebetsbücher, für dessen künstlerische Ausstattung Lochner und seine Werkstatt verantwortlich waren. Es wagt einen neuen Blick auf Lochners Tätigkeit als Maler von Miniaturen. Außerdem geht es um Lochners Arbeitsweise, Arbeitsteilung, die Materialien und die Arbeit in den Werkstätten der Großen Bruderschaft und am Quartiermarkt.
Der dritte Teil führt unter dem weitgefassten Begriff „Andachtsbild“ jene Werke zusammen, die religiöse Bedürfnisse ihrer Auftraggeber außerhalb des Gottesdienstes bedienten. Dies sind zum Beispiel die „Muttergottes in der Rosenlaube“ und die „Muttergottes mit dem Veilchen“. Zum Abschluss werden die Blumendarstellungen, die Lochners gesamtes Werk durchziehen, angesprochen.
Im Anhang gibt es noch die Anmerkungen, Katalogangaben, eine Bibliografie und den Bildnachweis. Eine Zeittafel zum Leben und Wirken Lochners fehlt leider.
Das Buch will Lochners Werke gezielt auf ihre Verwendung hin befragen und den Rahmen skizzieren, für die sie ursprünglich einmal geschaffen wurden. Dies gelingt durch informative Texte und Interpretationen von theologischen Bildaussagen sowie die Erstellung von Harmonie in einem Werk. Dies wird begleitet von hervorragenden Aufnahmen und visueller Gestaltung.
Buch 2
Ulrich Schneider: Krise. Das Versagen einer Republik, Westend, Frankfurt/Main 2024, ISBN: 978-3-864-89454-1, 20 EURO (D)
Die Bundesrepublik stand mit Corona, Energiekrise und explodierenden Lebenshaltungskosten vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte, es wurden unvorstellbare Summen in zahllosen Entlastungspaketen ausgegeben. Trotzdem gelang es nicht, die Gesellschaft in ihrer Krise zusammenzuhalten.
Das Ergebnis ist ein sozial noch tiefer in Arm und Reich gespaltenes Land als zuvor. Der Sozialexperte und Autor nimmt eine schonungslose Abrechnung mit einer Krisenpolitik von Großer Koalition und Ampel vor, die das Auseinanderdriften dieser Gesellschaft nicht nur hingenommen, sondern sogar noch gefördert hat.
Im ersten Teil geht es um die Versäumnisse der Regierungen in den letzten Jahren von der Pandemie bis hin zum Kuschelkurs gegenüber der FDP in der Ampel. Das Ausbleiben einer außerparlamentarischen Bewegung im Herbst 2022 und deren Gründe werden dann ausgebreitet. Warum es wenig Lobby für Arme gibt, kommt dann zur Sprache.
Die Krise der Solidarität, Mythen und Zuschreibungen, das gefährliche Anwachsen der sozialen Ungleichheit und die damit verbundene Ausgrenzung sowie Arbeitszwang sind dann die Themen. Kritik an der Kampagne von CDU/CSU gegen das Bürgergeld, die unzureichende Umsetzung der geplanten Maßnahmen gegen Kinderarmut bei den Grünen und die Gründe dafür folgen danach.
Schneider kritisiert die Ungleichheit und Ausgrenzung und erläutert sein damit verbundenes Verständnis von Menschenwürde. Wie die Gesellschaft in diesem sozialen Klima auseinanderfällt, wird dann angesprochen. Die Angst vor dem sozialen Absturz, die Straffung des sozialen Netzes, die Erhöhung des Mindestlohns, das Schaffen einer Bürgerversicherung, Klimageld, Schutz von Mieter*innen, Umverteilen in Form von Steuern.
Zum Abschluss gibt es noch ein Plädoyer: „Es geht um eine konsequent linke Steuer-, Finanz- und Sozialpolitik, einer Politik, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, auf Gemeinwohl statt Profitorientierung setzt, auf solidarisches Miteinander statt Wettbewerb.“ (S. 151)
Dies ist eine scharfe Abrechnung von Schneider mit der Politik der letzten Jahre in Bezug auf soziale Ungleichheit und Teilhabe. Die Kritik ist gerechtfertigt, weil sie nicht nur das Soziale betrifft.
Keine Gesellschaft kann es auf Dauer aushalten, wenn die materiellen Lebensgrundlagen so ungleich verteilt sind.
Diesen Trend zu wachsender Ungleichheit zu brechen, hat die Ampel nicht geschafft, sondern ihn sogar noch verstärkt. Die Erosion in der Gesellschaft und Verteilungskämpfe nützen nicht nur autoritären und rassistischen Parteien mit simplen Antworten, sondern befördert eine Krise der Politikverdrossenheit und der Demokratie im Allgemeinen.
Die hier vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen sind zwar nicht neu, wären aber dennoch effektiv. Dies wäre aber nur der Anfang, dem viele weitere Schritte folgen müssten.
Buch 3
Felix Zumstein: Python für Excel. Eine moderne Umgebung für Automatisierung und Datenanalyse, O’ Reilly, Heidelberg 2022, ISBN: 978-3-96009-197-4, 39,90 EURO (D)
Excel ist nach wie vor ein unverzichtbares Analysetool und hat in den letzten Jahren viele neue Funktionen hinzubekommen, doch die Automatisierungssprache VBA hat sich nicht parallel weiterentwickelt. Viele Excel-Poweruser nutzen daher bereits Python, um Routinearbeiten zu automatisieren. Felix Zumstein zeigt in diesem praktischen Leitfaden erfahrenen Excel-Benutzerinnen und -Benutzern, wie sich Python als Skriptsprache für Excel effizient verwenden lässt.
Das Buch besteht aus vier großen Teilbereichen. Im ersten Teil geht es um eine Einführung in Python. Python als Skriptsprache für Excel, Entwicklungsumgebung sowie erste Schritte mit Python (Datentypen, Indizieren und Slicing, Datenstrukturen, Steuerungsfluss, Codeorganisation, PEP 8) werden dort behandelt.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit einer Einführung in pandas. Schwerpunkte sind NumPy-Grundlagen, Datenanalyse mit pandas, Zeitreihenanalyse und Grenzen.
Der dritte Teil stellt vor, wie Excel-Dateien ohne Excel gelesen und geschrieben werden können. Wie man Excel-Dateien mit pandas und Excel-Dateien mit Reader- und Writer-Paketen manipulieren kann, wird dort gezeigt.
Der vierte Teil dreht sich um die Programmierung der Excel-Anwendung mit xlwings. Dort geht es um Excel-Automatisierung, Python-basierte Excel Tools, den Python Package Tracker und benutzerdefinierte Funktionen.
Im Anhang finden sich noch Informationen zu Conda-Umgebungen, zur erweiterten Funktionalität von VS Codes und erweiterte Python-Konzepte sowie einem Index zum Nachschlagen.
Zumstein bietet in diesem Buch einen grundlegenden Überblick über verschiedene Methoden zur gemeinsamen Verwendung von Python und Excel. Die effektive Nutzung von Python mit Excel wird anhand von Beispielen illustriert.
Dass er sich im wesentlichen auf sein selbst entwickeltes xlwings, einem Open-Source-Paket zur Automatisierung von Excel mit Python bezieht, ist nachvollziehbar. Ein wenig hinderlich ist die zu kleine Schrift bei Datensätzen oder Tabellen.
Buch 4
Maximiliano Contieri: Clean Code Kochbuch. Rezepte für gutes Code-Design und bessere Softwarequalität, O’Reilly, Heidelberg 2024, ISBN: 978-3-96009-243-8, 39,90 EURO (D)
Entwickler, Software Engineers und -Architektinnen, die mit einer umfangreichen Codebasis arbeiten, müssen ihren Code effektiv pflegen und erweitern. In diesem Kochbuch vermittelt Maximiliano Contieri das Konzept des Clean Code, geht aber noch einen Schritt weiter. Er zeigt, wie Sie Verbesserungspotenziale identifizieren und deren Auswirkungen auf den Produktionscode beurteilen. Mithilfe der vorgestellten Techniken kann die Zuverlässigkeit und Entwicklungsfähigkeit der Systeme deutlich verbessert werden.
Anhand von Beispielen in JavaScript, PHP, Python, Java und vielen anderen Programmiersprachen bietet dieses Kochbuch bewährte Rezepte, die Sie bei der Erweiterung und Wartung größerer Systeme unterstützen. Contieri beschreibt grundlegende Konzepte wie Lesbarkeit, Kopplung, Testbarkeit, Sicherheit und Erweiterbarkeit sowie Code Smells und Rezepte zu deren Beseitigung.
Im ersten Kapitel geht es um die Funktion und Vorteile für Clean Codes, Hinweise zu verwendeten Begriffen und Veränderbarkeit. Nach der Festlegung der Axiome werden anämische Modelle, primitive Obsession, Metabilität, deklarativer Code, die Namensgebung, die Entfernung und Ersetzung von Kommentare, Codestandards und komplexe Handlungen wie den Zustand der Eigenschaften oder den wiederholten Code entfernen vorgestellt.
Danach geht es um den aufgeblähten Code, die Verwendung des YAGNI-Prinzips, des Fall-Fast-Prinzips, den Umgang mit If-Anweisungen und die Erstellung von Nullwerten. Es folgen die vorzeitige Optimierung, Kopplungen, Globale Funktionen, Hierarchien und das Testen. Technische Schulden, Ausnahmen und Ausnahmeblocks, Metaprogrammierung, Datentypen und sicherheitstechnische Aspekte.
Alle Kapitel beginnen mit einer Einführung zu den folgenden Inhalten.
Im Anhang finden sich noch ein Glossar und ein Index zum Nachschlagen.
Das Buch ist gut strukturiert und enthält einige Beispiele zur Anwendung. Der Leitfaden kann viele Anregungen zum Nachdenken geben Es kann professionellen Softwareentwickler, die sich auf einen höheren Standard heben möchte, empfehlen.