Neuerscheinungen Literatur
Buchtipps von Michael Lausberg
Buch 1
Constantin Schreiber: Kleopatras Grab. Ägypten-Krimi, Hoffmann und Campe, Hamburg 2024, ISBN: 978-3-455-01763-2, 24 EURO (D)
Dies ist der Beginn einer neuen Krimi-Reihe, die in Ägypten spielt, und das Alte Ägypten mit dem modernen vereint. Der erste Fall spielt in Alexandria.
Als der Priester der Sankt-Nicholas-Kirche in Alexandria tot aufgefunden wird, herrscht nicht nur in der Gemeinde heller Aufruhr: Alles deutet auf Mord hin. Doch wer oder was steckt dahinter – die Mafia, ein Familienstreit oder doch der erfolgshungrige Archäologe, der in den Gotteshäusern der Stadt etwas zu suchen scheint und vielen ein Dorn im Auge ist?
Die junge Kommissarin Theodora Costanda wird mit dem Fall betraut und stößt auch durch ihre Außenseiterrolle – als Frau, als Angehörige der griechischen Minderheit, als Christin – bei ihren Ermittlungen auf eine Mauer des Schweigens. Die Zahl der mysteriösen Mordfälle häufen sich, das heizt die Spannung an.
Dabei dreht sich vieles um Rätsel der Antike. Der französische Archäologe will unbedingt das Grab von Königin Kleopatra VII. finden und scheint dafür alles tun zu wollen.
Theodora Costanda ermittelt auch im Umfeld des sakralen Orden Crata Repoa, die in sich abgeschlossen ist und an dem antiken Isis-Kult festhält. Dabei geht Schreiber weit in die griechische Mythologie zurück: Isis war die Gemahlin des Osiris, der als Gott der Magie galt. Diese obskure Glaubensgemeinschaft gibt dem Krimi etwas Unheimliches und Phantastisches.
Neben dem Fall wird auch die Hauptfigur, die junge Kommissarin, als Person näher vorgestellt. Sie ist es gewohnt, sich überall durchbeißen zu müssen, hat aber einen sympathischen Charakter und Selbstbewusstsein.
Schreiber zeigt in diesem Buch viel Detailwissen zur ägyptischen Geschichte und Kultur. Das Buch ist spannend geschrieben und in einer geschichtsträchtigen Location angesiedelt. Nicht nur für Ägypten-Fans empfehlenswert und ein guter Auftakt für die Serie.
Buch 2
Eva Almstädt: Ostseefinsternis. Pia Korittkis neunzehnter Fall, Lübbe, Köln 2024, ISBN: 978-3-404-19317-2, 12,99 EURO (D)
Dies ist der neunzehnte Fall in der Krimireihe um Kommissarin Pia Korittki.
In einem kleinen Dorf an der Ostsee gibt es eine alte Fehde zwischen den verfeindeten Familien Böttcher und Hagendorf. Als der junge Benno Hagendorf tot am Strand gefunden wird, stellt die Polizei Gift im Blut des Toten fest.
Die blinde Helmgard Böttcher regiert ihre große Familie an der Ostsee mit fester Hand. Ihre Enkelin wurde ein paar Tage vor dem Mord auf dem Heimweg überfallen. Benno Hagendorf war mit ihr liiert. Gibt es da einen Zusammenhang mit dem Mord?
Kommissarin Pia Korittki, die eigentlich ein entspanntes Wochenende mit ihrem Sohn Felix und ihrem Freund Marten in dessen neuem Haus an der Ostsee verbringen wollte, stößt bei den Ermittlungen in einen tödlichen Morast aus Hass, Lügen und alter Feindschaft.
Die Spannungen zwischen den Familien werden ausführlich geschildert und machen die Ermittlungen zu einer Geduldsprobe. Als bekannt wird, dass eine eine Pflanze, die auch in Böttchers Garten wächst, für den Mord an Benno Hagendorf verwendet wurde, verdichten sich die Ermittlungen auf diese Fehde. Aber auch andere Spuren werden verfolgt.
Neben den Ermittlungen gibt es auch mal wieder private Einblicke in das Leben der Kommissarin, ihrer Familie und etwas Urlaubsfeeling an der Ostsee.
Der Schreibstil ist gut zu lesen und besticht durch eine einfache und klare Sprache. Man diesen Band auch ohne Vorkenntnisse der bisherigen Bände gut lesen kann. Die Schauplätze werden bildhaft beschrieben, ebenso wie die Charaktere.
Dieser Fall ist spannend gestaltet und gibt viel Raum zum Rätseln für die Leser*innen.
Buch 3
Rob Delaney: Die Bedeutung eines Lebens. Über den Tod meines kleinen Sohnes, Allegria, Berlin 2024, ISBN: 978-3-793-42458-1, 22,99 EURO (D)
Rob Delaney, Komiker und Autor, erzählt in diesem Buch von der schmerzhaften Reise seines dritten Sohnes Henry, bei dem im Alter von einem Jahr ein Gehirntumor diagnostiziert wurde. Er und seine schwangere Frau zogen von Amerika nach London, um mit ihren beiden kleinen Söhnen zu arbeiten. Als Henry geboren wurde, hatten sie ihre Familie und ein neues Zuhause in England. Bis er eines Tages, kurz vor Henrys erstem Geburtstag, anfing zu übergeben. So begann eine Reise voller medizinischer Diagnosen und schmerzhafter Erfahrungen, Henry stirbt eineinhalb Jahre später nach vielen Operationen und Chemotherapie.
Delaney berichtet intim und schonungslos, was passiert ist und lässt die Leser*innen an seinen Gefühlen teilhaben. Diese Form der öffentlichen Trauer erfordert auch viel Mut.
Delaney durchläuft die Skala menschlicher Emotionen - Liebe, Glück, Angst, Traurigkeit, Wut, Verzweiflung, Akzeptanz - und er tut es mit schwarzem Humor und Anmut.
Delaney gelingt es hervorragend, das tägliche Leben seiner Familie zu erzählen, während sie unbekanntes Terrain durchquerten. Seine Erfahrung liefert Einblicke in den Umgang mit traumatischen Ereignissen, nicht nur in Bezug auf seinen eigenen Verlust.
Das Buch ist nicht nur eine Hommage an seinen Sohn, es gibt gleichzeitig einen Einblick in eine Familie, die sich um Liebe in all ihren Formen bemüht. Und man kann einen besseren Einblick in den Menschen Delaney gewinnen, als die Lektüre jeder Biografie über ihn.
Das Buch ist auch eine bewegende und intelligente Reflexion über das Leben und den Tod im Allgemeinen und das Schicksal, das uns alle irgendwann erwartet.
Buch 4
Alexander Oetker/Yanis Kostas: Zyprische Geheimnisse. Kriminalroman, Hoffmann und Campe, Hamburg 2024, ISBN: 978-3-455-01746-5 18 EURO (D)
Dies ist der dritte Fall der Reihe um die Ermittlerin Sofia Perikles auf der Mittelmeerinsel Zypern.
Im beschaulichen Bergdorf Kato Koutrafas auf Zypern geht das Leben einen ruhigen Gang. Hin und wieder müssen Police Officer Sofia Perikles und ihr Kollege Kostas Karamanlis ausrücken, wenn übermütige Jugendliche mal wieder den Zaun zur griechisch-türkischen Pufferzone aufgeschnitten haben, doch ansonsten herrscht Frieden im Dorf.
Bis zu dem Tag, an dem in der Zone zwischen dem griechischen und türkischen Teil der Insel ein Mord an einem Deutschen mit mysteriöser Vergangenheit passiert. Die ersten Ermittlungen ergeben viele Ansätze für ein Motiv und dem dazugehörigen Täterkreis. Als bei den Ermittlungen eine ebenso beliebte wie illegale zyprische Tradition in Sofia Perikles Visier rückt, werden sie und Kostas überraschend von dem Fall abgezogen. Sofia Perikles gibt sich damit nicht zufrieden, sondern ermittelt auf eigene Faust. So entwickelt sich ein spannender Krimi mit einigen Wendungen.
Kulinarische Sequenzen gibt es genauso wie Strand, Sonne und Meer für eine Kopfkino mit Urlaubsfeeling. Es gibt also eine Menge schöner, atmosphärischer Szenen mit vielen liebenswürdigen Charakteren. Kostas und Sofia ergänzen sich trotz ihrer unterschiedlichen Persönlichkeit immer besser.
Neben dem Fall entwickeln sich die Charaktere auch privat weiter.
In dem Roman ist neben authentischen Bräuchen auch die Politik auf Zypern mit der Teilung in eine griechische und türkische Zone seit einem halben Jahrhundert auch Thema. Eine Grenzziehung, die nicht nur willkürlich ist, sondern auch einem zusammenwachsenden Europa mit angeblich offenen Grenzen nichts zu suchen hat. Durch den Mordfall erfahren die Leser gleichzeitig etwas über die Geschichte und politischen Situation der Insel.
Alles in allem ein gelungener Krimi auf Zypern.