Skip to main content Skip to page footer

„López raus!“

Zuspitzung bei Thyssenkrupp

Von RIR

So lautete die Botschaft von vielen der 2500 Kolleginnen und Kollegen, denen der Vorsitzende der Thyssenkrupp AG, López Borrego, am 23. Mai vor dem Eingang zum Hauptquartier in Essen mit „Liebe Kolleginnen und Kollegen“ entgegentrat. Prompt kam die Antwort: „Du bist nicht unser Kollege!“. Laufend von Zwischenrufen und Pfiffen unterbrochen konnte sich der TK-Chef nur mühsam Gehör verschaffen, weil der Moderator der IG Metall das Publikum mehrfach darum bat. So schnell wie López Borrego verlor noch keiner seiner Vorgänger jede Glaubwürdigkeit in der Belegschaft, wie der aufkommende Sprechchor „Lügner!“ deutlich zeigte.

Die Stahlkocher sind aufgebracht. Eine solche Stimmung hat es noch auf keiner der zahlreichen Protestkundgebungen in den letzten zehn Jahren gegeben. Doch auf der Bühne beteiligte sich niemand an den Sprechchören von unten.

Verkauf ohne Plan

Ansonsten verteidigten die meisten Rednerinnen und Redner von Belegschaften und der IG Metall die Mitbestimmung. Am klarsten brachte NRW-Arbeitsminister Laumann sein Anliegen auf den Punkt: „Wir wollen keinen Klassenkampf, sondern Sozialpartnerschaft“.

Die Lage spitzt sich jedoch weiter zu. Um noch eine Schüppe drauf zu legen, überstimmte die Kapitalseite mit dem Doppelstimmrecht des TK-Aufsichtsratsvorsitzenden und Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Russwurm, nachmittags die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat und genehmigte den Verkauf von 20 Prozent des Stahlbereiches an den tschechischen Finanzinvestor Kretinsky.

Der stellvertretende TK-Aufsichtsratsvorsitzende und zweite Vorsitzende der IG Metall, Kerner, ist nicht grundsätzlich gegen den Verkauf. Die IG Metall möchte aber vorher einen Plan für die Zukunft der TK-Steel vorgelegt bekommen. Dieser Plan, so López Borrego, wird zurzeit noch ausgearbeitet. Er liegt also noch nicht vor.

Der Verrat der Krupp Stiftung an ihrem Gründer

Frau Prof. Dr. Dr. h. c. Ursula Gather ist die Vorsitzende des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Die Stiftung besitzt ein Vermögen von 1,2 Mrd. Euro und ist mit 20,93 Prozent die größte Aktionärin der Thyssenkrupp AG. Frau Gather sitzt im Aufsichtsrat der Thyssenkrupp AG und stimmte am 23. Mai für Russwurm. Denn:

„Die Stiftung begrüßt eine Beteiligung der EP Corporate Group am Stahlgeschäft von thyssenkrupp. (…) unterstützen wir Entscheidungen, die zur zukunftsfähigen Entwicklung des Unternehmens beitragen. Die Stiftung hat großes Vertrauen in den Vorstand um Miguel López und ist weiterhin von dem Potenzial des Unternehmens überzeugt, wieder wettbewerbs- und dividendenfähig zu werden.“ (Presseerklärung der Krupp-Stiftung 29.04.24).

Nun hatte der verurteilte Kriegsverbrecher Alfried Krupp sein Vermögen unter folgender Bedingung an die Krupp-Stiftung vermacht, die in deren Satzung zwei Mal angeführt wird. In der Präambel heißt es: 

a) die Einheit des Unternehmens Fried. Krupp dem Willen seiner Vorfahren entsprechend auch für die fernere Zukunft zu wahren; b) mit den ihr aus dem Unternehmen Fried. Krupp anfallenden Erträgnissen nach näherer Bestimmung ihrer Satzung philanthropischen Zwecken zu dienen …“.

Weiter heißt es in § 4, 4 der Satzung: „Die Stiftung und ihre Organe sollen jedoch bei Entscheidungen, die sich auf ihre Beteiligung an der das Unternehmen Fried. Krupp fortführenden Kapitalgesellschaft beziehen, im Geiste des Stifters und seiner Vorfahren und Vorfahrinnen darauf achten, dass die Einheit dieses Unternehmens möglichst gewahrt und seine weitere Entwicklung gefördert wird.“

Frau Gather verrät also den Stiftungszweck. Oder glaubt irgendjemand außer ihr, dass der tote Firmenpatriarch ausgerechnet das Herz aus Stahl aus dem Thyssenkrupp-Konzern ausgegliedert sehen wollte? Deshalb sollte Frau Gather aus der Krupp Stiftung ausgeschlossen werden. In deren Kuratorium sitzt NRW-Ministerpräsident Wüst (CDU). Er kann ja einen entsprechenden Antrag stellen. Oder stimmte er für Gathers Presseerklärung, während Laumann auf der Kundgebung den Arbeiterfreund mimte?

RIR, Duisburg, 25.05.24