Stellungnahme von Bernd Kudanek zu Bernd Irmlers Beitrag: "Schon wieder Neuwahlen in Bayern?"
von Bernd Kudanek
Lieber Bernd Irmler,
in Deinem flammenden Appell hast Du viele Dinge angesprochen, die auch größtenteils meine volle Zustimmung haben! Es sind insbesondere die von Dir aufgestellten klaren sozialen Forderungen, die Du im Programm der Partei, die sich DIE LINKE. nennt, zu Recht vermißt. Es fehlt nicht etwa an IdealistInnen innerhalb dieser Partei, nur werden diese von den sogenannten PragmatikerInnen spätestens dann belächelt und untergebuttert, wenn um Posten und Einflußnahme gerangelt wird.
Das Ergebnis sind dann z. B. Landessprecher wie der derzeitige bayerische GröLaZ (Größter Landessprecher aller Zeiten).
Das mag beklagt werden, aber Menschen, insbesondere Parteimenschen sind nun mal so. Wer am lautesten trommelt und/oder für wen am lautesten getrommelt wird, erhält die meisten Stimmen (leider auch in einer linken Partei). Schaffen es doch mal diejenigen, welche die lautersten Ziele haben, an die Spitze von Parteiorganisationen, werden sie entweder weggemobbt oder korrumpiert (siehe die Grünen). Auch in DIE LINKE sind mehr und mehr entsprechende Tendenzen erkennbar, nicht nur in Bayern.
Zurück zu Deinem Beitrag, Du schreibst: "Aus verschiedensten Gründen wurden GenossInnen aus der Partei ausgeschlossen, meist, weil sie Kritik übten an Maßnahmen von Parteiorganen oder aus anderen, meiner Meinung nach nicht immer zutreffenden Gründen. ( ... ) ein Versuch, die Angelegenheit zu bereinigen, wurde erst gar nicht unternommen. Eine der aktivsten Antifaschistinnen aus Weiden, Luise Nomayo, wurde aus der Partei ausgeschlossen, weil sie die Partei scharf kritisierte und dazu aufrief, nicht DIE LINKE zu wählen."
Lieber Bernd Irmler, wie Luise Nomayo wurde ja auch ich als ihr damaliger Mitstreiter mit einem Ausschlußverfahren seitens des damaligen Vorstands des Keisverbands Weiden überzogen. Gleich vorweg, die Landesschiedskommission Bayern lehnte den Parteiausschluß gegen uns als unbegründet ab. Der damalige Kreisvorsitzende legte dann bei der Bundesschiedskommission Berufung ein. Zwischenzeitlich hatten Luise Nomayo und ich, weil wir die unwürdigen Querelen satt hatten, bei der Landesgeschäftsstelle in München unseren Parteiaustritt zum Jahresende schriftlich mitgeteilt. Trotzdem hat die Bundesschiedskommission beide Verfahren mit Termin zu Anfang Dezember!!! eröffnet. Die Verfahrenseröffnung noch im letzten Monat unserer Partei-Mitgliedschaft ist schon bezeichend für das Rachestreben gewisser Apparatschiks. Möglicherweise wurden sie ja auch bloß von Gregor Gysis überaus dämlicher Sprechblase >> DIE LINKE "will nicht jeden Spinner" << na sagen wir mal, besonders motiviert?
Wie auch immer, weil ich meinen Austritt "nur" aus der bayerischen Landespartei erklärt hatte, fürchteten die BundesschiedsgenossInnen offenbar, ich könne ja dann eventuell doch noch in einen anderen Landesverband eintreten. Dem mußte ein Riegel vorgeschoben werden, mir wurde quasi auf Lebenszeit verboten, wieder in DIE LINKE eintreten zu dürfen, also etwas, was ich ohnehin ganz gewiß nie vorhatte. Dieser Racheakt zeigt geradezu beispielhaft, wie "qualifiziert" die Bundesschiedskommissions-GenossInnen arbeiten und wie sie ticken. Der Parteiaustritt von Luise Nomayo wurde meines Wissens kommentarlos angenommen.
Nun zum eigentlichen corpus delicti: Weil das Kandidatenangebot 2008 aller Parteien - also auch der Linkspartei - in Weiden und den Landkreisen Neustadt/WN und Tirschenreuth uns einfach zu miserabel war, beschlossen Luise Nomayo und ich über unser damaliges Monatsmagazin "WISP-spezial" den interessierten WählerInnen intelligente Alternativen aufzuzeigen. Wir erstellten im September 2008 u. a. ein Flugblatt als "Sonderbeilage Wahlen" und empfahlen darin, ungültig zu wählen, wem das Kandidatenangebot der Parteien zu miserabel ist. Dieses Flugi wurde mehrtausendfach in Weiden und den Landkreisen durch Luise Nomayo und weitere MitstreiterInnen verteilt, unter anderem auch direkt neben dem Infostand von DIE LINKE auf dem Weidener Marktplatz.
Klar, daß jene 'not amused' waren und auf Rache sannen - letzteres übrigens als einzige Partei der 9 von uns benannten Parteien mit nach unserer Meinung miserablem Kandidatenangebot für Weiden!
Ich selber war übrigens - entgegen anderslautender Meldung in "Der Tagesspiegel" unter http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/linke-will-nicht-jeden-spinner/1425740.html - an keiner dieser Flugi-Verteilaktion in Weiden oder in den Landkreisen beteiligt. Als Herausgeber des mittlerweile eingestellten Monatsmagazins "WISP-spezial" und des Sonderbeilage-Flugis "Wahlen" sowie als Ein-Mann-Redakteur, Layouter und Drucker war ich schließlich in Berlin mehr als ausgelastet.
Der Vorwurf, wir hätten dazu aufgerufen, speziell DIE LINKE nicht zu wählen ist hanebüchener Unsinn. Wir hatten das KandidatInnenangebot aller Parteien in Weiden als zu miserabel angesehen. So steht's auch in der Kopie des Flugis "Sonderbeilage Wahlen", also dem corpus delicti, und ist unter http://www.carookee.com/forum/freies-politikforum/19/23673572.0.30115.html im Eingangsbeitrag des Threads "Glosse zur Glosse" einsehbar.
Kämpferische Grüße
Bernd Kudanek
http://freies-politikforum.carookee.com