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Leserbrief zur einfachen Wiedergabe der BNN-Nachricht "EU schafft Zweiklassengesellschaft durch Öko-Revision"

Von Thomas Warnken

Da hat diese Nachricht nun auch den Lebensnerv der Linken getroffen, die leider das brainwashing nicht merkt.
Worum geht es?
Vor über zwanzig Jahren hat Europa ein wirklich weitsichtiges Gesetz geschaffen. Der Begriff "bio" bzw. "öko" wurde gesetzlich geschützt und klar definiert, was "bio" ist, wie es kontrolliert wird und das eine Falschkennzeichnung und Betrug keine Ordnungswidrigkeit sondern eine Straftat ist. Die Staatsanwaltschaft MUSS also bei Betrug(-sverdacht) ermitteln! Anders als im Fall "Neuland" - was ein privates Label ist.

Trotzdem hat es inder Vergangenheit diverse Betrugsfälle auch im Bio-Markt gegeben und wurden 'Schlupflöcher' ausgenutzt. Diesem will die Europäische Kommission nun nachgehen und zieht Konsequenzen daraus:
- keine Teilbestriebsumstellung mehr
- nur noch EINE Kontrollstelle je Betrieb
- keine Ausnahmegenehmigungen mehr
- gemeinsame Zertifizierung kleiner Betriebe
- u.v.m.

Die deutsche Bio-Lobby stand von Anfang diesen Vorschlägen ablehnend gegenüber.
Warum? Ein Grund: die Verbandsrichtlinien werden in einigen Bereichen obsolet (Teilbetriebsumstellung) und Ausnahmegenehmigungen wurden von den Verbänden weitreichend ausgenutzt.
Ist es nicht merkwürdig, dass ausgerechnet die Bio-Lobby gegen die Regelungen, die sie früher immer selber gefordert - und in den Werbeaussagen immer noch suggeriert - gegenangeht?
Und zwar ohne wenn und aber!
Es wird also ein Bild erzeugt - und diesem seid Ihr auf den Leim gegangen - bei "Bio" sei alles in Ordnung. Das ist Mitnichten der Fall. Natürlich müssen wir auf Fehlentwicklungen in der Vergangenheit reagieren - und unerwünschte Entwicklungen verhindern (Massentierhaltung in Bio-Ställen), Verbraucherschutz stärken (statt schwächen. wir brauchen eine Produktkontrolle neben der bisherigen Prozeßkontrolle).
Die Zweiklassengesellschaft hat im Bio-Bereich längst begonnen: große vom Kapital gestütze Betriebe, die zu Preisen erzeugen können mit denen der (altruistisch orientierte) Familienbetrieb nicht auskommt.

Die Stoßrichtung der Bio-Lobby: 'wir wollen keine Produktkontrolle' (und wollen damit gar nicht wissen, was wir essen) ist kontraproduktiv. Auch die konventionellen Lebensmittel sind auf Kontaminaten und Rückstände 'streng' zu kontrollieren. Belastete Lebensmittel dürfen weder auf den Tisch noch in den Futtertrog!
Warum also nicht Vorkämpfer sein sondern rückwärtsgewand?

Also Vorsicht mit dem blinden Folgen 'mißbrauchter' Begriffe!!