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Leserbrief von Willi Übelherr: Die Verirrung der "Linken" zu den Montagsdemos

von Willi Übelherr

Liebe Freunde,

auf www.scharf-links.de habe ich zwei Artikel zu den Montagsdemos gelesen:

[1] 'LechtsStattRinks – Montagsdemos – Brauner Sumpf vereint?' - 21.04.2014
[2] 'Montagsverschwörung – Heil Dir Quer­front!' - 26.04.2014

Es wird viel Unsinn über die Montagsdemo geschrieben und gesagt. Aber daß 'Scharf-Links' nun vereint mit den rechten gekauften Journalisten der grossen Medienkonzerne gegen diese Protestaktionen in den Kampf zieht, kann ich nicht zulassen. Dafür ist mir dieses Portal zu wichtig.

Wir finden überall, auch in diesen beiden Artikeln, haarsträubende Argumentationen. Und immer gemischt mit einer völligen Verunstaltung von Begriffen.

1) Anti-Semitismus

Wir wissen, oder sollten wissen, dass die letzten Semiten die Palästinenser sind. Und nicht die eurasischen Siedler, die sich in Palästina ausbreiten.
Wir wissen, oder sollten wissen, dass Israel nichts mit jüdischer Kultur zu tun hat. Es ist ein zionischtes Landraubprojekt in Palästina. Ursprünglich organisiert unter Wladimir Zeev Jabotinsky als Fronttruppe im Dienste des britischen Imperialismus.
Wir wissen, oder sollten wissen, dass für die jüdische Kultur ein jüdischer Staat undenkbar ist, weil er notwendig den Rassismus gegen nicht-jüdische Menschen beinhaltet. Aber damit organisiert er den Faschismus, weil Rassimus immer Faschismus ist.
Wir wissen, oder sollten wissen, dass für die jüdische Kultur ein wesentlicher Grundsatz gilt: "Tue deinem Nächsten nicht an, was dir selbst verhasst ist".

Auf dieser Grundlage wird klar, dass Isräl mit Judentum und jüdischer Kultur nichts zu tun hat. Es ist ein zionistisches Kolonial-Projekt und steht dem Christentum viel näher als allen anderen Religionen und weit entfernt von jüdischer Kultur.

Insofern ist jede Person, die das Konstrukt Isräl akzeptiert und unterstützt, Anti-Semit, weil gegen die Palästinenser gerichtet, die Semiten. Und jede dieser Personen ist anti-jüdisch, weil sie die Prinzipien der Gleichberechtigung und der Solidarität der jüdischen Kultur brechen.

Und wenn wir uns nun die Mühe machen, die Aussagen der Menschen, die an diesen Protesten sich beteiligen und derjenigen, die dort über Mikrofon sprechen, dahingehend zu untersuchen, dass sie die gewaltorientierte Behandlung der PalästinenserInnen unterstützen, finden wir nichts. Wir finden aber eine klare und entschiedene Haltung für das Recht auf lokale Selbstbestimmung, gegen jegliche Form des kolonialen Landraubs, gegen Ausgrenzung von Menschen auf der Grundlage religiöser Überzeugungen.

2) Faschismus


Faschismus ruht auf "Bündelung" und "Ausgrenzung". Er geht zurück auf die Gründungs- zeit des römischen Staates und seiner theoretischen Grundlagen, des römischen Staatsrechts. Er ist ein Produkt der Eliten für die Eliten gegen die Bevölkerung.

Wir finden den Faschismus primär in christlichen Regionen. Das soll nicht heissen, dass er nur dort verwurzelt ist. Er existiert überall dort, wo Herrschaftsstrukturen existieren und um Erhaltung kämpfen. Also auch in Familien, in zwischen-geschlechtlichen Beziehun- gen, in Organisationen jeder Art. Insbesondere auch in "linken" Organisationen oder solche, die sich als solche begreifen. Wie z.B. die Attac.

Aber kennzeichnend sind die katholischen Regionen. Dort sind seine Zentren. Das hat mit der Übereinstimmung katholischer Prinzipien und den Prinzipien kapital-orientierter Eliten zu tun. Und deswegen war auch die Inquisition offen organisierter Faschismus im Interesse der herrschenden Klassen.

In seiner offenen Form wird er notwendig, wenn die herrschenden Klassen unter Druck geraten. Deswegen wurde Benito Mussolini wie Adolf Hitler mit der NSDAP von der Indu- strie finanziert. Aber die Zeiten haben sich etwas geändert. Die herrschenden Klassen versuchen heute in den Zeiten der Bedrängnis die offene Form zu verhindern und agieren verdeckt. Mit EZB und ESM ist die Sklaverei viel einfacher und effektiver zu organisieren als mit offener Gewalt.

Ausserdem haben wir eine Verschiebung aus der industriellen, materiell orientierten Kapitalverwertung hin zur indirekten, immateriellen Form: dem Finanzkapitalismus. Die Kontrolle der Geldsysteme macht es für sie viel einfacher.

3) Geldsysteme und Silvio Gesell

In den verschiedenen Artikeln finden wir durchwegs das Unverständnis des Geldsystems. Aus dieser Unwissenheit folgt dann, sich über andere lustig zu machen, wenn sie über Zins und seinen kaskadischen Ketten sprechen. Ja, die Dummheit ist unser grösster Feind. Wir sprechen von Dummheit dann, wenn wir wissen könnten, aber nicht wissen wollen. Ein gutes Beispiel ist auch 9/11, der 11.09.2001 in New York, Washington und Pennsylvania.

Das Geld ruht auf einer spekulativen Wertabbildung mit eingebauter Wertspeicherfunktion. Vom 12. bis 15. Jahrhundert hatten wir in Mitteleuropa die regelmässige Abwertung der Geldmengen am Jahresende. Es wurde ungültig und musste neu geprägt werden. Damit war ein Horten unmöglich, weil bei jeder Neuausgabe des Geldes die Wertmenge vermindert wurde.

Silvio Gesell hat nun dies zur Grundlage seines Freigeldes gemacht. Allerdings ist damit noch nicht die Wertabbildungsfunktion selbst enthalten. Weil nach wie vor ruhte sie auf spekultiver Basis. Aber wesentlich war, dass die Geldvermögen selbst nicht über den Zins wachsen können.

Wir haben also zwei Aufgaben. Erstmal dafür zu sorgen, dass der Preis als abstrakte Wertfunktion nicht beliebig definiert werden kann. Und zweitens, dass das Geldvermögen nicht wächst, sondern schrumpft. Von daher der Name "Schrumpfgeld".

Die Kritik der heutigen Geldsysteme mit den kaskadischen Zins-Ketten bezieht sich auf die exponentielle Vermehrung von Geldvermögen über den Zins. Die positive Antwort sind nun das Modell des "Freigelds" (Schrumpfgeld) von Silvio Gesell oder die direkte Selbstorganisation der Geldmenge entsprechend der Nationalökonomie von Adam Smith.

Was wir nirgends finden ist die Äquivalenzökonomie von Arno Peters, wo der Tausch grundsätzlich auf dem Eigenwert, der Zeit, ruht. Weil nur so die Spekulation in der Preisgestaltung aufgelöst werden kann. Aber dieses Thema wäre für diese heutigen "Budenschreiber" eine wirkliche intellektuelle Überforderung.

4) Links und Rechts

Was verstehen wir denn eigentlich darunter. Ich nenne es die Polarität: Egoismus oder Kommunismus. Das ICH oder das WIR. In Verbindung mit dem Satz von Karl Marz aus den Grundrissen zur Kritik der politischen Ökonomie "das Sein bestimmt das Bewusstsein" verstehen wir sofort die heutige Verirrung. Wenn das eigene Dasein sich auf parasitäre Grundlagen stützt, dann kann sich das Denken nur im Rahmen der Erhaltung der parasitären Existenzbedingungen bewegen.

Für die Journalisten in den grossen Medienkonzernen ist das leicht zu erklären. Dass sich dies auch im "linken" Spektrum breit macht, hat viel mit der sozialen Herkunft und den sie definierenden sozialen Konditionierungen zu tun. Sie kommen überwiegend aus der parasitären Mittelklasse und biedern sich an.

Die Akteure der Protestkundgebungen formulieren die Aufkündigung dieser trivialen Sortierung. Sie konzentrieren sich auf "Unten" oder "Oben" und sind damit den realen Verhältnissen viel näher als alle "linken" Schreiberlinge zusammen.

Señor Hugo Chavez hat einen Satz von einem argentinischen Philosophen verwendet: "Die Einheit in der Vielfalt". Die Einheit bezieht sich auf unsere materiellen Lebensgrundlagen. Da wir alle Afrikaner sind mit fast gleichen biologischen Systemen liegt es nahe, dass unsere grundlegenden Lebensanforderungen sehr ähnlich, oder gleich sind.

Die Vielfalt bezieht sich auf unsere persönliche kulturelle Ausprägung. Und wie für alle Lebewesen ist sie auch für uns entscheidend für unsere Evolution und Entwicklung. Die Monotonie ist der organisierte Tod. Dies gilt in allen Lebensbereichen.

Albert Einstein hat oft einen alten jüdischen Satz verwendet:
"Wenn Ideen sich verbreiten, dann werden sie zur Wirklichkeit".

In dem offenen Prozess zu den Fragen unser Zukunft entstehen die grossen Ideen und dort finden wir die Wege hin zu unseren Visionen. Das setzt aber den freien Diskurs voraus.

Eine Zusammenfassung


So betrachtet finden wir heute die Reorganisation der Inquisition der katholischen Kirche: den Faschismus. Die Ausgrenzung des anderen Denkens. Die Dogmatik soll installiert werden. Der Ideenraum soll eingeschränkt werden.

Diese beiden Artikel in Scharf-Links vereinen sich mit den vielen Beiträgen in junge Welt, indymedia, Faz, Taz, Spiegel, Zeit, SZ, Bild, ARD, ZDF und alle sonstigen Medien. Ein Haufen parasitärer, prostituierter und sonstwie gekaufter Pseudo-Journalisten, die nichts anderes können, als ihre Dummheit feil zu bieten. Sie sind nicht in der Lage, die Wirklichkeit zu erkennen. Also müssen alle anderen, die ihren Verstand benutzen, zerstört werden.

Die gleichen pöbelhaften Reaktionen hat auch Wilhelm Reich erlebt. In seiner "Rede an den kleinen Mann" können wir es lesen. Ein Haufen gekaufter Lügner werden eingesetzt, um die monopolen Informationsflüsse zu organisieren und eine massive Polarisierung im Freund/Feind-Schema zu installieren.

Den gleichen Dreck finden wir in Venezüla. Die Boli-Bourgeoisie (Polit-Bourgeoisie) streitet sich mit der privaten Bourgeoisie um den besten Zugang zu den Petro-Dollars. Und propagandistisch wird es dann einem Links/Rechts-Schema unterworfen. Nach dem Motto: "wer nicht unser Freund ist, ist unser Feind". Reinster Faschismus.

[1] www.scharf-links.de/46.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=44091&tx_ttnews[backPid]=3&cHash=cd655f70ac
[2] www.scharf-links.de/46.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=44196&tx_ttnews[backPid]=3&cHash=4455750ef2

Mit lieben Grüssen,
Willi Übelherr
Qützaltenango - Guatemala

willi.übelherr@gmail.com