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Leserbrief von Ralf Knocke zum Artikel "Parteiräson versus Erwerbsloseninteressen"

Lernprozess

von Ralf Knocke

Liebe Genossinnen, liebe Genossen, lieber Werner, wie schrieb einmal Erich Fried in seinem Gedicht Lernprozess:

Ich bin nichts
ich bin der letzte Niemand
in unserer Revolution
rief begeistert
ein Künstler

Sie sprachen ihm nach
Du bist nichts
du bist der letzte Niemand
in unserer Revolution
Da war er enttäuscht

Wenn WIR ALLE wirklich gewillt sind im Kampf für soziale Gerechtigkeit und für ein menschenwürdiges Leben ein entscheidendes Stück weiter zukommen, dann haben wir noch VIEL zu lernen. Der EINE mehr und der ANDERE weniger. Dies kann man insbesondere an der Reaktion auf den Artikel von Scharf Links erkennen. Hier hat sich Edith Bartelmus-Scholich sicherlich nicht "vor den Karren" einiger Mitglieder der BAG Hartz IV "spannen lassen", vielmehr wurden in diesem Artikel Fehler aufgezeigt, die das Agieren und das Nichtagieren bzw. das politischen Aussitzen in Teilen des BAG-Sprecherrats herausstellte.

Es geht hier, mein lieber Werner, nicht um Erbsen zählen, ob die Gründung der BAG einzig und allein auf Initiative der LAG Hartz IV Berlin oder ob Auseinandersetzung im Sprecherrat 4, 8 oder 12 Wochen nach der Gründung stattgefunden hat. Es kann, nach meinem politischem Verständnis nur darum gehen, wie und in welcher Art und Weise setze ich politische Inhalte fest und wer sind meine politischen Bündnispartner, mit denen ich die Ziele, die wir u.a. auf der Gründungsversammlung diskutiert wurden, umgesetzt werden. Und da liegt das eigentliche Problem. So hatten u.a. Harald, Jürgen, einige andere und ich u.a. Wochen vor und auf der Delegiertenversammlung Essen/Mülheim die Probleme benannt, doch von Dir Werner, aber auch von einigen anderen des Sprecherrates, wurde dies nicht aufgegriffen, vielmehr wurden verbale Attacken geritten. Wer meint so Politik zu machen, der wird früher oder später erkennen müssen, dass er gescheitert ist.

Wer dann noch glaubt OBRIGKEITSHÖRIG sein zu müssen, und Aktionen, wie u.a. die "Checkpoint-Carly-Akton" Aktion auf "nachdrückliches Abraten" diese Aktion abbläst und dies obwohl wir uns im BUNDESTAGSWAHLKAMPF befanden, der hat sich nach meiner Auffassung politisch selbst ins Abseits gestellt.
 
Ich kämpfe seit über 30 Jahre für eine Veränderung dieser Gesellschaft; ich kämpfe seit 1988 auf verschiedenen Ebenen (in sozialen Bewegungen oder der GEW) auf der Seite von Erwerbslosen und in Armut lebenden Menschen, doch habe ich mich nie von den Karren von "Funktionären" spannen lassen. Wer glaubt so sein Ziel zu erreichen, der brauch nur die letzten 100 Jahre Revue passieren zu lassen und er muss erkennen, dass alle Systeme, die auf Obrigkeitshörigkeit ausgerichtet waren, gescheitert sind.

Liebe Genossinnen und Genossen, wem es uns wirklich ERNST IST, wenn wir wirklich für RADIKALE VERÄNDERUNGEN in dieser Gesellschaft stehen, dann müssen wir zielorientiert arbeiten und geschlossen mit den SOZIALEN BEWEGUNGEN (dies beinhaltet auch die außerparlamentarischen Bewegungen) dafür kämpfen, aber dies nicht auf den Rücken der Betroffenen austragen.

Resümee und Frage: Warum haben nur so wenig Erwerbslose und Arbeiter etc. DIE LINKE bei den Landtagswahlen in NRW gewählt? Warum haben wir so wenig NICHTWÄHLER motivieren können zur Wahl zu gehen? Den Einzug ins Parlament haben uns die Menschen mit Migrationshintergrund verschafft - daran sollten wir auch denken. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, denn vielleicht kommt die Genossinnen und Genossen, die den Artikel von Scharf Links insbesondere auf einer unsachlichen Art und Weise kritisieren nach genauerer Betrachtung zu einem anderen Ergebnis.
Mit solidarischen und kämpferischen Grüßen
Ralf