Leserbrief von Rainer Schäfchen zu: "Die AG Politik- und Medienanalyse Sachsen stellt ihre Aktivitäten ein."
Hei, Ihr Lieben,
warum hört Ihr auf? An dieser Stelle fängt es doch eigentlich erst an!
Ihr habt eine Istaufnahme/Bestandsaufnahme gemacht von den Verhältnissen, wie sie sind (das "Ist") und was alles besteht (den Bestand). Dann habt Ihr schon schön analysiert, die Lehre vom Schließen/Schluß/Erkenntnis, ihr schließt und habt erkannt ... wie's ist. Die Lehre vom Schluß ist Aussagenalgebraisch. Mehrere Schlüsse ergeben können in neue Erkenntnisse münden. Leider hört Ihr da auf ... (wo's interessant wird) ...
Eure "Bilanz" kann sich sehen lassen. Hier müßt Ihr Eure Arbeit aufsetzen.
Zunächst einmal zu Euch selber. Ihr habt viele Fehler gemacht. Fehler kommt von "fehlen", es fehlen die Kontaktdaten von Euch, auch auf der Sächsischen Linke-Seite. Typisch auch für die vielen AGs und LAGs; manfrau erfährt nix von denen. Vielleicht aber machen die ja auch nix. Auch Googeln bringt so gut wie nix. Es fehlen auch die Berichte von Euch, was habt Ihr im Einzelnen die 6 Jahre lang gemacht?
Ich bin in "großen Teilen" schon weiter. Ich zähle einfach mal auf: die Beratungsresistenz in der Linken, gruppendynamische Prozesse mit ihren Führern, die die Bälle flachhalten, um keine Konkurrenz aufkommen zu lassen, deren hörigen Hofstaat (Eigenes Stimmvieh mitbringen!), die Linken Rituale wie Abstimmungen, in der Mehrheiten Minderheiten unterdrücken, die meist die Betroffenen sind und/oder Lösungsansätze kommen immer zuerst von Individuen, dann Minderheiten ... Unterdrückung der Intelligenz, die Spirale zur Verflachung des Niveaus, die Verhaltensmuster, die Plenen als Redearenen, das Aufschnappen von Reizwörtern und das Einschnappen in persönliche Befindlichkeiten wie Beleidigtsein, die Kämpfe um zu Siegen und "Erfolg" zu haben, nach Erich Fromm ist Erfolg nur "trügerisches Glück", das Ritual des Linken Babbelns, die Mitglieder entmündigen sich vor den machtgeilen Funktionären, die Funktionäre sollen als Vorstände die "Aufgaben" der Mitglieder ausführen, so jedenfalls nach Satzung, können aber nicht, weil die Mitglieder Babbeln, die Kakophonie, sie ist auch das Problem in Gruppen größer 6 Teilnehmer, aber auch weniger können sich gegenseitig fertigmachen, das Jeder-gegen-Jeden des bürgerlichen Kleinfamiliendenkens, die bürgerliche Beschränktheit auf Burgmauerndenken ... weiter geht's einfach nicht, das "Normale" in der Normierung der industriellen Hegemonialgesellschaft (nach Gramsci mal nicht "Vorherrschaft", sondern aus der Hege heraus (was lesen die "Gramsci-Kenner" eigentlich aus ihm heraus?)), die Abrichtung der Menschen durch die Jahrhunderte, Vererbung der Unterdrückungstechniken durch die Schule und Kultur (Paolo Freire zur Schule des Abendlandes: "Lerndressur"!), die Karrieresucht als Überlebenstechnik mit den Folgen der Menschenverachtung ... kein Wunder, daß die Linke wendehalst was geht, was soll da sonst rauskommen?
Die Linkspartei ist laut Bundessatzung übrigens eine Diktatur, gell:
"§ 18 Aufgaben des Parteivorstandes
(1) Der Parteivorstand ist das politische Führungsorgan der Partei. Er leitet die Partei."
Allerdings "Aufgaben", gell, Aufgaben sind genau das Gegenteil von "Führungsorgan". Sind wir hier beim Führer? Absatz a) übrigens ist von der Mitgliedertätigkeit gedeckt, die steht in § 1. Der Zweck des Vereins, der Partei ist nämlich die Mitgliedertätigkeit und im Folgenden - noch lange vor § 18 - kommen erstmal die Organe der Mitglieder, nicht die Organe des Vorstandes, falls man bei einem Vorstand von Organen sprechen könnte.
Die Bundessatzung ist einfach dummer sich selbst widersprechender Quatsch.
Die Vorstände sollen auch über ihre Arbeite berichten, die Rechenschaftsberichte. Stattdessen liest man meist irgendwas von "politischen Landschaften" oder sonstwas frei Erfundenes. Der Vorstand hat nicht über Politisierung zu berichten, sondern über die Ausführung seiner Aufgaben! Welcher Vorstand macht das schon? Und so wissen die Mitglieder garnicht, was der Vorstand eigentlich in der Hauptsache macht, er erfährt nur Nebenplätze ... und das soll "demokratisch" oder sowas sein. Der Bericht zum Rostocker Bundesparteitag, soll das ein "Bericht" des Vorstandes sein, es steht "Tätigkeitsbericht" drüber? Dadrin wird dann was erzählt, soll das das sein?
Habt's Ihr Euch mal die "Bewerbungen" näher angeschaut, was da für die "Aufgaben" eines Vorstandes nützlich wäre? Der Erweiterte, nein nicht Erheiterte! Die bekommen Ihre Ressorts erst hinterher, vorher brauchen die noch nich' mal Interesse für ihr späteres Ressort zu bekunden. Was iss'n da "Demokratie" dran? Das "gewählt" wird? Eine Wahl von/zwischen was? Was keiner der Kandidaten überhaupt weiß? Das kann man runterbrechen bis zu den Kreis- und Ortsverbänden. Gibt es eine Liste der Aufgaben eines Vorstandes? Nööö! Die machen beratungsresistenz und konkurrenzausbeißend vor sich hin. Und so sieht die "Pachtei" (Tucholsky) denn ja auch aus. Sozialverhalten? Achwas!
Übrigens: Die Abgeordneten sind laut Grundgesetz ja nur ihrem "Gewissen" verantwortlich, die fallen ganz aus der Partei raus - manfrau kriegt nie mit, daß eine Partei die mal rausschmeißt, wenn die wendehalsen, das müßte doch erste Parteipflicht sein, odder was?!
"Politik" kommt übrigens von "Polis", die Einwohner. Das stellt auf die Daseinsvorsorge zum Wohle der Einwohner ab ... aber die wird ja "privatisiert" (ein Unwort des Klassengegners!).
Die Arbeit mit Medien habt's Ihr ja erkannt, aber was ist damit, sie selber zu nutzen, mer sieht ja nix von Euch?!
Habt Ihr keine Fachzeitschrift herausgegeben? Nein, das hat nichts mit "Wer soll das bezahlen?" zu tun, es gibt heute viele fast kostenfreie Möglichkeiten zu publizieren. Wo sind Eure Arbeiten? Eure Mailaktionen? Kammer was vorzeigen, sehen?
Lieber Rene, lieber Claudius, Ihr seid's erst am Anfang von's Jantzen.
Ob die liebe Redaktion meinen Brief an Euch weiterleiten kann?
Eure Arbeit war also superb, bis zur Bilanz. Weitermachen nicht vergessen und: nicht aufhalten lassen!
Soligruß, Rainer Schäfchen