Leserbrief von Jürgen Noffz zum Artikel "Großdemo in Berlin"
Der Verfasser schildert die Vorkommnisse auf der Demo in Berlin. So weit, so gut. Was mich an diesem Artikel, wie auch teilweise an anderen stört, ist die Wortwahl. "Bullenterror", "Bullerei", "Bullenlust". Ich finde es als nicht besonders weiterführend, wenn wir PolizistInnen als Bullen bezeichnen, es ist diskriminierend und wird der Sache nicht gerecht. Die meisten PolizistInnen sind als Arbeitnehmer von den sozialen Schweinereien der Herrschenden ebenso betroffen, wie wir alle. Wenn man sich die Mühe macht, mit einzelnen PolizistInnen ins Gespräch zu kommen, wird man schnell feststellen, daß etliche von Ihnen das erkannt haben. Es sind für mich völlig unpolitische Sichtweisen, unsere Gegner bei einzelnen PolizistInnen zu suchen, ebenso Feindbilder z.B. in ARGE-SachbearbeiterInnen zu sehen. Unser Feindbild ist die unsoziale, inhumane, auf Ausbeutung der Mehrzahl der Menschen gerichtete herrschende Klasse, die sich natürlich der Repressionsorgane bedient. Ich denke, es wird unter PolizistInnen und anderen Personen der staatlichen Organe sicherlich Angehörige geben, die aufgrund politischer oder persönlicher Einstellungen Freude am repressiven Verhalten haben und die Verhaltensweisen dieser Personen sollten von uns dargestellt werden. Ich lehne es jedoch ab, alle Personen dieser Berufsgruppen verbal und pauschal zu diskriminieren. Also lasst uns mit der Wortwahl differenzierter umgehen.
P.S. Ich kann den Wahrheitsgehalt der Nachricht, dass PolizistInnen bei einem Angriff mit hochexplosiven Materialien schwer verletzt wurden, nicht überprüfen. Sollte es sich jedoch als richtig herausstellen, müssen wir uns von solchen Aktionen klar distanzieren.Diese Form der Auseinandersetzung kann nicht unsere sein und sollte nicht zu unserem Verständnis von politischem Widerstand gehören.