Leserbrief von Frank Braun zu "Tabus im Programmentwurf der Linkspartei"
Liebe/r B.B.,
liebe GenossInnen des rsb,
der von B.B. am 24.04.10 auch in ‚scharf-links' platzierte Artikel zum Programmentwurf der Partei ‚Die Linke.' ist aus meiner Sicht recht schwach ausgefallen - ich hätte da Qualifizierteres erwartet.
Die bloße Vergabe des Attributs ‚reformistisch' oder der bloße Hinweis, dass im besagten Programmentwurf nicht von Klassengesellschaft und entsprechend nicht von Arbeiterklasse die Rede ist, kann doch allen Ernstes nicht ausreichen, um diejenigen, die sich von der Partei ‚Die Linke.' etwas versprechen, vom Sinn ihres Tuns abzuhalten.
Von GenossInnen, die sich als marxistisch orientiert begreifen, sollte doch erwartet werden können, dass sie sich offensiv in einen Meinungsstreit begeben, indem sie konkret aktuelle Erscheinungsformen des Reformismus der PDL, z.B. die Phrase von ‚Wirtschaftsdemokratie' oder Formen des Mitregierens im bürgerlichen Parlaent, aufs Korn nehmen und es nicht bei der Vergabe genannter Attribute belassen.
Gleiches gilt für die Rolle der Arbeiterklasse. Hier ist auch den ‚Nicht-Gläubigen'stets konkret nachzuweisen, wie sich diese Rolle darstellt, welche Bündnisperspektive programmatisch zu erschließen ist.
Geht doch praktischerweise davon aus, dass es sich bei der PDL um eine spezielle linke Einheitsfront aus mehreren verschiedenen, im Durchschnitt wohl eher sozialdemokratischen, Strömungen handelt, wo argumentiert werden muß und nicht nur Labels aufgeklebt.
Da lobe ich ausdrücklich die ausgezeichneten und v.a. überzeugenden Darstellungen von Dagmar Henn in ‚scharf-links' vom 27.04.10 zuletzt unter ‚Alles stiften oder was ?'. Das ist eine lebendige Kritik in diesem Fall am lebendigen Reformismus und einer lebendigen bürokratischen Verkommenheit, nämlich der des designierten PDL-Sprechers Klaus Ernst.
Frank Braun, Köln, 29.04.10