Skip to main content Skip to page footer

Leserbrief von Bettina Ohnesorge zur Berichterstattung über das Begräbnis von Jupp Angenfort

Jupp hätte sich im Grabe umgedreht

Jupp Angenfort war ein engagierter Mann, der sein Leben dem Kampf gegen den Faschismus widmete. Er war allseits respektiert und hoch geachtet.

Kein Wunder, dass Jupp von der Linken gebeten wurde, im Kommunalwahlkampf  2009 auf ihrer Liste anzutreten. Das lehnte er jedoch ab.

Seine Begründung war, dass es ihm unmöglich sei, eine Partei zu unterstützen, die in den Wahlbezirken Eller und Gerresheim gegen seine eigene Partei, die DKP, antreten und verhindern wolle, dass seine GenossInnen Christiane Schnura und Uwe Koopmann wieder ins Rathaus einzogen. Dieses Verhalten verurteilte er immer wieder scharf, enttäuscht schließlich, dass die Wahlstrategie der Linken aufging.

Ausgerechnet die Spitzenkandidatin der Linken, Bärbel Beuermann,  ließ es sich jedoch nicht nehmen, sich - ohne vorherige Absprache mit den Angehörigen - aufzuschwingen, eine Rede an Jupps Grab zu halten. Sie wollte wohl nicht bemerken, was für eine Empörung ihr Auftritt auslöste bei Jupps langjährigen Weggefährten seiner Partei und auch bei denjenigen, die Jupps Einstellung zum „Dolchstoß“ durch die Linke kannten. Befremden auch bei denjenigen, die ihren Auftritt, d.h. die Länge ihrer Rede am falschen Ort, schlicht als unbescheiden empfanden.

Wie geschmacklos, sich bei solch einer Veranstaltung in den Vordergrund zu schieben, wie vordergründig die Absicht, auf diese Weise für sich Wahlpropaganda zu machen.

Wie gelungen, wenn man die darauf folgende Berichterstattung in „scharf links“ betrachtet. Gleich zu Beginn des Artikels wird aus Beuermanns Rede zitiert, keine Erwähnung von Rednern aus DKP und VVN-BdA (Heinz Stehr, Vorsitzender der DKP, und Prof.  Heinrich Fink, Bundesvorsitzender der VVN-BdA), deren Worte von tiefer menschlicher Betroffenheit zeugten.
Im Artikel heißt es: „An der Trauerfeier nahmen mehr als 100 Repräsentanten der Linken und der Gewerkschaftsbewegung, darunter der Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Düsseldorfer Stadtrat Frank Laubenburg und Edith Fröse, Mitglied des Landesvorstandes teil.“

Namentliche Erwähnung von Nichtmitgliedern der Linken scheint „scharf links“ nicht für nötig zu halten.Dass „scharf links“ einzig Beuermanns Rede in voller Länge anhängt, legt die Vermutung nahe, dass hier auf übelste Weise  Wahlpropaganda für die Linke betrieben wird.
Traurig, dass Jupps Tod instrumentalisiert wurde.
Gut, dass er das nicht miterleben musste.

Bettina Ohnesorge