Chris Sedlmairs Antwort auf zwei Leserbriefe zu seinem Artikel: 'Programmdiskussion abbrechen!'
Lieber Peter, lieber Bernd,
es sind auch meine Beobachtungen, daß sich viele nicht für diese Diskussion wirklich interessieren. Jedenfalls nicht genug um sich einzubringen. Man läßt diskutieren, und zwar immer die üblichen Verdächtigen aus den Strömungen und Gremien. Für mich ein klares Indiz dafür, daß es kein wirkliches Bedürfnis nach einer Programmdebatte gibt.
Natürlich werde ich mich positionieren, und jeder kann sich selber denken in welcher Tendenz. Das ist nicht mein Problem. Ich habe den Sinn der Programmdebatte der PDS schon nicht verstanden und trotzdem den Alternativentwurf unterstützt um genau das zu verhindern, was 2002 bei den Bundestagswahlen passiert ist. Eine qualitative Änderung des objektiven, oder subjektiven Faktors bedarf eines neuen Programms. Ich kann keine nennenswerten Änderungen erkennen. Die Verhältnisse sind noch weit davon entfernt zu tanzen. Viel langweiliger als eine Programmdebatte ist es hingegen, weiterhin das zu tun, womit DIE LINKE. bisher Erfolg hat und diese Bemühungen zu verstärken.
Lieber Bernd, da haben wir eine unterschiedliche Auffassung. Ohne gelebte Solidarität gibt es keinen stabilen Widerstand, keinen Zusammenhalt. Die propagierte Theorie muß eine beschränkte Manifestierung im persönlichen Handeln der Aktivisten mit sich bringen, bei uns im Kreis hat sich die persönliche Bekanntheit von aktiven Linken in Stimmenzugewinnen von über 100% niedergeschlagen. Gelebte Solidarität zahlt sich aus für DIE LINKE. Die gelebte Solidarität brachte die Novemberrevolution hervor, obwohl die sozialistischen Revolutionäre nur eine kleine Minderheit ausmachten. Die gelebte Solidarität brachte Menschen in der Wirtschaftskrise zusammen und gelebte Solidarität ermöglichte es den Sozialisten die faschistische Diktatur zu überleben. Gelebte Solidarität war der Kern jeder linken Widerstandsbewegung gegen Kapitalismus und Krieg. Wie man jetzt sieht, reicht die Verelendung nicht aus um Widerstand hervorzubringen, es ist im gleichen Maße eine Frage des Bewußtseins der Leute. Mit 12% im Rücken müssen wir uns jetzt den Menschen zuwenden und nicht unserem ideologsichen Bauchnabel.
Wer Programmdiskussion haben will, kann gerne von mir eine bekommen. Aber wenn Ihr mich nach der Sinnhaftigkeit fragt, kann ich nur mit den Schultern zucken. mir kommt es wie ein junges Ehepaar vor, daß vor dem Schaufenster eines Möbelhauses um die neue Einrichtung streitet, die es sich eh nicht leisten kann.
Lieber Bernd, natürlich kann ich sagen, welche Einrichtung mir besser gefällt. Aber wer bezahlt sie mir?
Solidarische Grüße
Chris