Neuerscheinungen Tiere und Ernährung
Buchtipps von Michael Lausberg
Buch 1
Georgina Hayden: Nistisima. Traditionell, mediterran, vegan, DK, München 2023, ISBN: 978-3-8310-4685-0, 29,95 EURO (D)
Zypriotisches Koulouri-Brot, ägyptische Ful Medames oder jordanischer Hareesh: Beim orthodoxen Fastenessen (Nistisima) wird traditionell auf Fleisch und Milchprodukte verzichtet, wodurch über Generationen hinweg köstliche vegane Gerichte entstanden sind. In diesem veganen Kochbuch gibt Georgina Hayden Einblicke in die Fastengerichte der Mittelmeer- und Levante-Küche und stellt 120 vegane Rezepte aus dem Mittelmeerraum, dem Nahen Osten und Osteuropa vor.
Georgina Hayden hat selbst griechisch-zypriotische Wurzeln und schildert in der Einleitung verschiedene Gründe zu fasten, Regeln und den Rahmen und wie das Fasten abläuft.
Danach beginnen die Rezepte mit Frühstückskreationen, die nicht nur Brot beinhalten. Dazu werden Rezepte wie Pfannkuchen mit Tahin, Zimt und Carobsirup oder Makdous (Mini-Auberginen mit Walnüssen und Chili) präsentiert. Weiter geht es mit Salaten, Dips und Pickles wie Buchweizensalat mit Wildpilzen und Kirschen, Tsakistes (marinierte Oliven) oder Moungra (fermentierter Blumenkohl mit Senf).
Danach folgen Rezepte auf der Basis von langsam gegarten Gemüse wie scharfe Okraschoten mit Granatapfel und Kräutern, Röstkartoffeln mit Koriander und Oliven oder Kolokassi (geschmorter Taro mit Tomaten und Sellerie). Rezepte mit Hülsenfrüchte und Getreide wie Fava mit Zwiebeln und Kapern oder Maghmour (geschmorte Auberginen und Kichererbsen) kommen dann zur Sprache.
Kuchen, Kekse und Desserts wie Milopita (Apfelkuchen mit Zimt und Zucker), Pivcici (Aprikosenhörnchen mit Walnüssen) oder Milchreis mit Rosenwasser und gebackenen Erdbeeren. Eingemachtes wie Dattel-Kardamom-Aufstrich und Getränke wie Sharbat (Rosenlimonade mit Minze) bilden den Abschluss der Rezepte.
Im Anhang gibt es zuerst ein Glossar für nicht so bekannten Produkten aus der Speisekammer, spezielle Informationen zu Kichererbsen, Bezugsquellen im deutschsprachigen Raum mit Link und empfehlenswerte Adressen in London. Danach gibt es noch ein Register und Informationen über die Autorin.
Dies ist eine bunte Zusammenstellung aus verschiedenen Länderküchen, die natürlich auch übergreifend benutzt werden. Die kleinen Geschichten zu all den Rezepten sind zur Einordnung informativ. Auch als Nicht-Veganer können diese Gerichte als Beilagen zubereitet werden, da sie gut zu Fleisch oder Fisch passen. Oder als Vegetarier mit einer Platte Fetakäse. Die Besorgung einiger Zutaten könnte allerdings mit etwas mehr Aufwand verbunden sein.
Buch 2
Willi Kremer-Schillings: Satt und unzufrieden. Bauer Willi und das Dilemma der Essensmacher, Westend, Frankfurt/Main 2023, ISBN: 978-3-864-89395-7, 24 EURO (D)
Auf seinem Blog „Bauer Willi“ klärt der promovierte Agrarwissenschaftler Willi Kremer-Schillings seit 2015 Verbraucher über die Realitäten der Landwirtschaft auf und wirbt für mehr Wertschätzung für Lebensmittel und die Arbeit der Bauern.
In diesem Buch geht er ein auf den „Wandel im gesellschaftlichen Klima, der mir den Spaß an der Arbeit immer mehr raubt und mich fragen lässt, ob wir unseren Kindern guten Gewissens noch empfehlen dürfen, auch Bauer zu werden.“ (S. 12)
Er will eingehen auf Themen, die besonders kontrovers diskutiert werden. Außerdem „möchte ich auch die zahlreichen Widersprüche und Zielkonflikte aufzeigen, die sich rund um Landwirtschaft und Ernährung auftun. Zielkonflikte, die uns Bauern betreffen, die wir aber nur gemeinsam mit ihnen lösen können.“ Dazu brauche es ein gegenseitiges Verständnis, von daher stellt er seine praktische Sicht als Bauer vor, damit sich „Essensmacher und Gesellschaft“ einig werden. Dies zeigt sich besonders in den Kapiteln „Die Stimmen der Essensmacher – oder – Das Artensterben der bäuerlichen Landwirtschaft“ und „Die kritischen Themen, die Zielkonflikte und eine andere Sicht“.
An einigen Stellen gibt es auch Selbstkritik an Bauern und ihren Verbänden, zum Beispiel beim Thema Kommunikation.
Zum Schluss gibt es einen Ausblick, wie die Landwirtschaft und Ernährung in zehn oder zwanzig Jahren aussehen könnte, drei Empfehlungen für die Zukunft und ein Plädoyer für mehr Miteinander statt Gegeneinander.
Zum Schluss gibt es noch einige wenige Anmerkungen und Belege.
Einiges von den hier vorgestellten Beispielen zeigt tatsächlich die Doppelbödigkeit auf, wie dass Verbraucher hohe Ansprüche stellen und dann zu wenige Konsumenten es auch bezahlen wollen. Auch andere Dilemmata sind richtig. Es ist aber auch gleichzeitig eine wütende Replik an Politik, NGOs, Verbraucherschutzorganisationen, Wissenschaft und auch Medienschelte, die manchmal mit seltsamen Vergleichen und Fakten aufwartet und viele Argumente und Vorwürfe an Vertreter*innen der Landwirtschaft nicht entkräften kann.
Buch 3
Bertram Georgii: Rothirsch wohin? Gegenwart und Zukunft eines faszinierenden Wildtieres, Müller Rüschlikon, Stuttgart 2022, ISBN: 978-3-275-02266-3, 32 EURO (D)
Der Wildbiologe Bertram Georgii beschäftigt sich in diesem Buch mit den Rothirsch und gibt Einblicke in dessen heutige Lebensbedingungen auf dem Gebiet der BRD.
Der wachsende Druck auf die Lebensräume, die zunehmende Fragmentierung der Natur durch Siedlung und Verkehr und der behördliche Ausschluss des Rotwildes aus potentiell geeigneten Lebensräumen stellen für die Integration dieser Tierart in die Landschaft eine große Herausforderung dar. Einer möglichen Wiederausbreitung begegnen Land- und Forstwirtschaft aus Angst vor Schäden mit Skepsis und Widerstand.
Der Autor behandelt zunächst die Evolution der Hirsche, den Zyklus ihres Geweihs und das besondere Raumverhalten der Art, Lebensgewohnheiten und Vorlieben. Probleme wie die Zerschneidung der Landschaft und die Notwendigkeit von ökologischen Korridoren und der damit verbundenen Wiederherstellung von Biotopvernetzungen werden dann angesprochen. Danach werden Grundsätze der Jagd, Jagdrecht und das Argument der Bestandsregulierung kritisch beleuchtet. Danach wird ausgeführt, wie durch waldbauliche Konzepte und eine störungsarme Jagd die Anwesenheit von Rotwild mit den Interessen der Forstwirtschaft vereinbaren ließen.
Anschließend werden Leitlinien, bisherige Konzepte und Erfahrungen des Rotwildmanagements vorgestellt. Dies sind unter anderem eine neue Abgrenzung oder die Aufhebung der Rotwildgebiete und des Abschussgebots außerhalb von ihnen, eine Verkürzung der Jagdzeiten und die Einrichtung von ganzjährigen Ruhezonen und ein Monitoring.
Der hohe Jagddruck hat zu einer Scheu vor Menschen geführt, die aber durch eine ausgeprägte Lernfähigkeit überwunden werden kann. Außerdem wird gefordert, dass Rotwild sein Verbreitungsgebiet selbst wählen und alle dafür geeigneten Lebensräume besiedeln sollte.
Am Ende des Buches werden Empfehlungen und Forderungen für ein künftiges Management von Rotwild nochmals zusammengefasst.
Im Anhang gibt es noch ergänzende Literatur und ein Stichwortverzeichnis.
Wie kann ein besseres Zusammenleben zwischen Mensch und Tier bzw. Rotwild aussehen?
Dieses Buch bietet eine gute Bestandsaufnahme für eine veränderte Sicht auf den Rothirsch mit vielen Abbildungen, Skizzen und Verbreitungskarten. Es werden notwendige Maßnahmen des Managements für eine artgerechte Verbreitung vorgestellt und dies an verschiedenen Beispielen erläutert.
Die Forderung, den Rothirsch dem Naturschutzrecht beizufügen, ist sicherlich richtig.
Beim Thema Jagd geht es aber nicht weit genug, es sollten restriktivere Beschränkungen als hier vorgeschlagen erhoben werden.
Buch 4
Michael Geitner/Alexandra Schmid: Dualini. Pferdewissen für clevere Kids, Müller Rüschlikon, Stuttgart 2022, ISBN: 978-3-275-02249-6 24,90 EURO (D)
Mit Dualini® haben Michael Geitner und sein Team ein Programm geschaffen, das Kindern die Welt der Pferde eröffnet. Ihnen wird neben Geitners blau-gelbem Trainingsprogamm eine Menge wertvolles Basiswissen vermittelt. Die Kids lernen die Bedürfnisse der Pferde kennen, ihre Sinne, ihr Verhalten und vieles mehr. In einem Praxisteil werden sie an das Führen eines Pferds sowie an Reit- und Longierübungen herangeführt.
Das Buch besteht aus vier großen Kapiteln, die unterschiedliche Farben haben. Im ersten (Blau-Gelb für Kids) werden zunächst die drei Säulen (Konzentration von Menschen und Pferd, Farben und Gassen und der Aufbau) vorgestellt, danach wird das Zeitsystem, das Equipment, das Führen des Pferdes und etwas Reitersprache behandelt.
Anschließend folgen praktische Übungen (Gelb), die in Führübungen, Longierübungen und Stellung und Biegung unterteilt sind. Dazu gibt es Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Zeichnungen und Bilder.
Danach werden die Supersinne der Tiere (grün) behandelt: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen. Unterstützende Zeichnungen, etwas Anatomie und Farbabbildungen gibt es dazu.
Danach gibt es eine weitreichende Anatomie (rot). Dort werden die einzelnen Teile, Knochen, Muskeln und Sehnen des Pferdes in verschiedenen Schemata gezeigt und in Kurzform erklärt. Das Sitzen auf einem Pferd in tiergerechter Haltung, Spezialwissen über Muskeln und Gelenke sowie dicke Pferde und das Gehirn des Pferdes werden ebenfalls skizziert.
Ein kleines Quiz zu den vorherigen Kapiteln mit Lösungen folgt danach. Ein Link für Unterricht bei Dualini-Trainer*innen und der Quellennachweis schließen das Buch ab.
Dieses Buch ist verständlich für Kinder geschrieben, hat schöne Bilder, gute Erklärungen zu allem rund um diese beeindruckenden Tiere. Die Sprache ist altersgerecht und auch sonst ist das Buch didaktisch gut aufgemacht mit vielen Abbildungen, motivierenden Tipps und farbenreicher Aufmachung.
Ein Register fehlt leider, ebenso hätte ein Link zu ergänzendem Videomaterial hinzugefügt werden können, um das Buch noch anschaulicher zu machen.
Es ist besonders für Kinder geeignet, die gerade mit dem Reiten beginnen oder für Kinder, die sich zusammen mit den Eltern überlegen, Reitstunden zu nehmen oder sich ein Pferd zulegen wollen.
Buch 5
Kiran Millwood Hargrave/Tom de Jresten (Illustrationen): Julia und der Hai, Loewe, Bindlach 2023, ISBN: 978-3-7423-1377-7, 20 EURO (D)
In der Geschichte bricht die Hauptfigur Julia zusammen mit ihren Eltern und ihrer Katze Noodle in den Sommerferien nach Unst im Norden auf die Shetlandinseln auf. Ihr Vater soll das Licht in einem Leuchtturm reparieren. Ihre Mutter, eine Meeresbiologin, will nach dem Grönlandhai suchen, einer bemerkenswert langlebigen Art, die sie erforscht, in der Hoffnung, Hinweise auf die menschliche Langlebigkeit zu finden - eine Sache, die ihr nach dem Tod ihrer eigenen Mutter an Demenz am Herzen liegt.
Julia freundet sich dort mit Kin an, einem südasiatischen Jungen, dessen Familie den Inselwaschsalon mit Bibliothek betreibt. Sie beobachten gemeinsam Sterne und müssen sich aber auch mit einer Gruppe von mobbenden Personen auseinandersetzen.
Das Buch wechselt oft zwischen den Emotionen, die durch die Illustrationen von Tom de Jresten noch deutlich visualisiert werden.
Während auf der einen Seite eine Welt der Erkundung, des Staunens und des Abenteuers im Buch offenbart wird, gibt es auf der anderen Seite auch die Risse in Beziehungen ihrer Eltern, deren Streitigkeiten Julia unweigerlich miterlebt.
Im Laufe des Buches stellt sich heraus, dass das größte Problem der psychische Zustand ihrer Mutter ist. Sie leidet wohl an Bipolarität, betroffene Personen leiden allerdings unter enormen Stimmungsschwankungen und plötzlicher Veränderung ihrer Gefühlslage.
Julia denkt, dass, wenn sie selbst den Hai findet, könnte das ihrer Mutter helfen.
Nebenbei ist das Buch auch sehr informativ. Man lernt viele interessante Fakten über Grönlandhaie und über ihr Leben im Meer, es gibt auch einen Fokus auf Weltraum und Sterne.
Es ist eine toll erzählte Geschichte über komplexe Themen wie Familie, Freundschaften, Entdeckungen und psychische Erkrankungen, die sensibel vermittelt werden. Ein tiefgreifendes Buch, das viele Emotionen weckt.