Neuerscheinungen Sachbuch
Buchtipps von Michael Lausberg
Buch 1
Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration, Propyläen, Berlin 2021, ISBN: 978-3-549-10029-5, 35 EURO (D)
Dieses Buch ist nur mit einem Blick auf die Vorgeschichte zu begreifen. Es gibt seit langen Jahren einen Rechtsstreit über Entschädigungsforderungen an den Staat BRD von Seiten der Vertreter des Adelsgeschlechtes. Im Auftrag des Landes Brandenburg erstellte Malinowski 2014 ein Gutachten zur Frage, ob der ehemalige Kronprinz Wilhelm von Preußen dem nationalsozialistischen System „erheblichen Vorschub geleistet“ habe. Dies würde nach dem Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz zu einem Ausschluss von Entschädigungsleistungen an die Nachfahren führen. Malinowski bejahte die Frage in weiten Teilen und wurde von den Hohenzollern daraufhin wegen einer Nichtigkeit verklagt, um so Druck auszuüben.
In ihrer Hoffnung auf die Wiedererrichtung der alten Größe paktierte das Haus Hohenzollern mit allen zeitgenössischen demokratiefeindlichen Strömungen, auch mit den Nazis. Dies passierte nicht nur fernab der Öffentlichkeit, sondern in Verlautbarungen und inszenierten Parteinahmen, wie der öffentlicher Aufruf des Kronprinzen im April 1932, bei der anstehenden Reichspräsidentenwahl die NSDAP zu wählen.
Strategisch suchte die neu gegründete Splitterpartei NSDAP die Nähe zu den Verlierern der Revolution und der neuen Ordnung. Konservative Eliten, die Angst hatten vor dem Sozialismus, enttäuschte Militärs, rechte Kapitalisten und auch Adeligen, die viele Verbindungen besaßen und eine Steigbügelhalterfunktion einnehmen konnten. So entstand eine wechselseitige Symbiose aus alter vormoderner Zeit und den neuen rechten Massenbewegungen.
Die Ablehnung von Demokratie und Pluralismus und der Revanchismus der Abdankung waren auch gepaart mit Wiedererlangung von einstiger Macht und Größe. Es war nur ein Zweckbündnis, wobei es auch ideologische Verbindungen gab. (Elitenherrschaft, Soldatentum, Heroismus und die Sehnsucht nach Weltmacht).
Und natürlich sollten die Nazis auf dem Weg zur Wiedereinrichtung der Monarchie hilfreich sein. Dies weist der Autor beim Kronprinzen, beim Kaiser und bei anderen Angehörigen nach. Wichtig ist auch die antisemitische Grundhaltung des Geschlechtes: Hitler war da ein Bruder im Geiste.
Der gemeinsame Hass auf die Republik führte zum Schulterschluss.
Die Kapitel führen durch einhundert Jahre der Kommunikation zwischen den politisch relevanten Mitgliedern der Familie und der jeweiligen Öffentlichkeit, beleuchten ihre Bewegungen innerhalb der republikfeindlichen Milieus, ihr Verhältnis zur NS-Bewegung, ihr Arrangement mit dem NS-Staat und ihre Versuche, nach 1945 sich davon reinzuwaschen und eine eigene Version der Geschichte zu erzählen.
Malinowski zeichnet dabei ein vielfältiges Bild dieser Mitglieder der alten Elite und ihrer Motive, es ist ein kritischer Blick jenseits aller Klischees auf das Adelsgeschlecht und seine dunklen Dienste für die Diktatur. Das Buch ist gut strukturiert und bietet auch für den Laien eine profunde Einführung in das Thema.
Ein sehr spannendes Buch auch über den Revanchismus der alten Eliten nach der Revolution 1918/1919.
Wobei das Haus Hohenzollern beileibe nicht die Ausnahme war, große Teile des alten Adels waren demokratiefeindlich.
Buch 2
Werner Oswald: Mercedes Benz. Lastwagen & Omnibusse 1896-1986, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-613-04157-3, 49,90 EURO (D)
In dieser Enzyklopädie behandelt der Automobilhistoriker Werner Oswald die Lastwagen- und Omnibus-Baureihen, die die Daimler-Benz AG und ihre Vorgängerfirmen von 1896 bis 1986 auf den Markt gebracht haben. Dabei stützte er sich auf das Archiv der Daimler-Benz AG und auf seinen Vorgängerband aus den 1970er Jahren.
Zunächst werden die Benz-Motor-Lastwagen und Omnibusse von 1896 bis 1926 präsentiert. Passend dazu folgen die Daimler Motor-Lastwagen und Omnibusse für denselben Zeitraum. Nach der Fusion werden Lastwagen und Omnibusse der Daimler-Benz AG von 1925 bis 1945 vorgestellt- Die Mercedes-Benz-Nutzfahrzeuge bis 1945 sind dann das Thema. Weiter geht es mit dem Rennwagen-Schnelltransporter, dem Unimog-Programm, dem Einstieg bei den Transportern, die mittelgroßen Kurzhauber- und Frontlenker-Lastwagen ab 1958 sowie die Kurzhauber- und Frontlenker-Schwerlastwagen.
Die leichten Lastwagen der LP-Reihe zwischen 1965 bis 1985, die ersten leichten Mercedes-Transporter bis 1977, die leichten Transporter ab 1977 und die leichte Klasse von 1984 kommen dann zur Sprache. Die mittleren und schweren Lastwagen der „Neuen Generation“ ab 1973, der MB-trac und die Varianten des Unimog werden dann vorgestellt. Die Darstellung der modernen Omnibusse seit 1958 rundet das fast 600 Seiten umfassende Werk ab.
Das Werk hat einen Schwerpunkt auf der bildlichen Darstellung: Ca. zwei Drittel sind Abbildungen (historische Bilder, Prototypen, Werbemittel usw.) und technische Daten für jedes Modell, der Rest ist einordnender Text auch über die Firmengeschichte und Modellgeschichte der Daimler-Benz AG und ihrer Vorgängerfirmen.
Das Buch überzeugt durch eine vollständige Erfassung aller im genannten Zeitraum hergestellten Typen und ist mit seinen technischen Angaben und Informationen eine wahre Fundgrube für jeden Automobilfan. Es ist sehr informativ und viel Detailwissen gespickt.
Es dürfte ein Standardwerk für die nächste Zeit werden. Einzig ein Literatur- und Quellenverzeichnis und Links fehlen.
Buch 3
Uso Walter mit Lucia Schmidt: Zu viel um die Ohren. Wie Stress das Hören verändert, Ecowin, Wals bei Salzburg 2021, ISBN: 978-3-7110-0292-1, 22 EURO
Uso Walter ist einer der bekanntesten Tinnitus Spezialisten. In diesem Buch beschreibt er zusammen mit Luica Schmidt, welche Folgen Lärm und andere Stressfaktoren auf Gefühle haben, warum man eine Schwerhörigkeit frühzeitig behandeln sollte und wie sich ein chronischer Tinnitus gut behandeln lassen kann.
Um die vielen akustischen Informationen, die jeden Tag auf uns einprasseln, verarbeiten zu können, hat die Hörverarbeitung Mechanismen entwickelt und ist mit großen Teilen unseres Gehirns eng verbunden. Entsprechend weitreichend sind die Folgen, wenn die Hörverarbeitung überlastet ist.
Es wird erklärt, wie der Hörsinn funktioniert und was ihn bei permanenter Überbelastung krank macht. Das Buch ist so angelegt, dass man die überwiegend unbewusst ablaufenden Prozesse der Hörvorgangs besser zu verstehen, um sie beeinflussen zu können. Es will Personen, die bereits an Schwerhörigkeit oder Tinnitus leiden, Mut geben und wirkungsvolle Behandlungsmethoden aufzeigen.
Am Ende des Buches gibt es eine Auflistung von effektiven Maßnahmen in Form von Antworten auf häufige Fragen. Es wird empfohlen, bei Konzerten, Feiern oder beim Heimwerken einen professionellen Hörschutz zu besorgen. Die Auswahl reicht von Ohrstöpseln aus der Apotheke bis zum individuell angepassten Lärmschutz vom Akustiker. Oder Lärm-Apps oder Dezibel-Messer im Internet. Dabei gibt es auch Hinweise, wie man unnötigen Stress vermeiden kann oder unvermeidlichen Stress durch Entspannungstraining ausgleichen kann. Ab dem 50ten Lebensjahr sollte man spätestens zu einem Spezialisten gehen und sich beraten lassen.
Der Umgang mit einem Tinnitus wird auch beschrieben. „Mit den Mitteln einer kognitiven Verhaltenstherapie kann man sich allerdings die schädlichen Vorstellungen, Gefühle und Erfahrungen bewusst machen und lernen, den Tinnitus nach und nach zu akzeptieren. Die Chancen, dass er dadurch immer weniger stört und zeitweise auch gar nicht mehr gehört wird, stehen sehr gut.“ (S. 261)
Diese Einblicke in die physischen und psychosomatischen Befindlichkeiten des Hörsystems sind sehr informativ und helfen, zu verstehen, wie Strategien zur Bewältigung der Krankheiten funktionieren. Gut sind auch die Zusammenfassungen am Ende der Kapitel. Die gewählte Sprache ist zu großen Teilen verständlich, ansonsten gibt es ein Glossar. Ein lohnenswertes Buch für Schwerhörigkeit und chronischem Tinnitus.
Buch 4
Michael Willmann/Eberhard Kittler: High-Tech Motoren von Volkswagen. G-Lader, Direkteinspritzer, VR- und W-Motoren, Motorbuch, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-613-04428-9, 29,90 EURO (D)
In diesem Buch werden Hochleistungsmotoren von Volkswagen des letzten halben Jahrhunderts vorgestellt. Michael Willmann und Eberhard Kittler begeben auf Spurensuche über die erste Generation von VW-Reihenmotoren nach der Käfer-Ära und schildern die Geschichte vom Aufladern und Direkteinspritzern sowie von den sehr speziellen VR- und W-Motoren.
Grundlagen des Buches sind neben Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, zu Fachkongressen, Produkt- und Presseinformationen als auch Zeitzeugen aus der Motorenentwicklung.
Im ersten Kapitel geht es um die Technik der Aufladung, die Ende der 1970er Jahre Einzug hielt. Für die Aufladung eigneten sich Verdrängungsmechanismen, Kompressoren- und Strömungsmaschinen, meistens als Abgas-Turbolader. Die Entwicklung hin zu diesem neuartigen Ladegerät von ersten Prototypen bis in die Serie mit verschiedenen Fahrzeugen wird dabei beschrieben.
Danach gibt der Ingenieur Winfried Oppermann Einblick die Entwicklungsschritte hin zum GDI-Motor. Anschließend zeichnen Hermann Krüger und Hermann Deutsch die Etappen der Entwicklung des VR-Motors von der Weiterentwicklung des RV6-Motors bis zum VR-Motorrads in Serie nach. Die Bauform des W-Motors ab den 1990er Jahren bildet den Abschluss. Dies wird auch an verschiedenen Modellen und Marken deutlich gemacht. Zum Abschluss gibt es noch eine Übersicht über Leistungsdaten der VR- und W-Serienmotoren.
Das Buch ist zur Hälfte informative Darstellung der Geschichte der Hochleistungsmotoren, die andere Hälfte besteht aus großformatigen Abbildungen, Werbeplakate und Zeichnungen, die zahlreiche Details erkennen lassen.
Der Vorteil an dem Buch liegt darin, dass nicht nur technische Entwicklungen im Vordergrund stehen, es werden auch Zeitzeugen der Motorenentwickung befragt, so dass der Band authentisch aus erster Hand stammt. Die technischen Zusammenhänge sind bisweilen etwas kompliziert zu verstehen, man sollte schon ein gewisses technisches Verständnis mitbringen.
Leider fehlt ein Anhang mit Literaturtipps oder Links zur weiterführenden Lektüre.
Buch 5
Martina Winkelhofer: Sisis Weg. Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeths erste Jahre am Wiener Hof, Piper, München 2021, ISBN: 978-3-492-07051-5, 24 EURO (D)
Martina Winkelhofer ist Expertin für die Geschichte der Habsburgermonarchie und der Familiengeschichte europäischer Herrscherhäuser. In diesem Buch wird erstmals wird das Erwachsenwerden Kaiserin Elisabeths aus der Perspektive ihres Alltags betrachtet. Dabei greift die Autorin auf die Analyse unveröffentlichter Originalquellen, vornehmlich der Hofakten, zurück. Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt.
Wie war ihre Kindheit? Welche gesellschaftlichen Normen und Ideale beeinflussten ihr Fühlen, Denken und Handeln? Und wie unterschied sie sich von anderen Frauen ihres Standes?
Zuerst wird ihre Leben als Kind in Bayern beschrieben. Die Beziehung zu ihren Eltern, der weit verzweigten Verwandtschaft, ihre weiteren Bezugspersonen und das Leben am Hofe. Die spätere Kaiserin Elisabeths hatte natürlich keine materiellen Sorgen oder kämpfe uns Überleben wie viele der Untertanen, dennoch verlebte sie keine romantische zufriedene Kindheit wie mancher Mythos erzählt.
Aus heutiger Sicht sind die Praktiken, dass ein junges Mädchen schon früh von anderen Leuten praktisch verheiratet wird und nach geeigneten blaublütigen Kandidaten Ausschau gehalten wird. Auch das streng durchgeplante Leben am Hof mit seinen Etiketten ist eher traurig.
Die Umstände ihrer unerwarteten frühen Heirat mit erst fünfzehn Jahren sind abenteuerlich. Im August 1853 feierte Kaiser Franz Joseph seinen Geburtstag in Ischl Zu diesem Ereignis waren viele Verwandte eingeladen, darunter auch Herzogin Ludovika in Bayern mit ihren beiden ältesten Töchtern Helene und Elisabeth. Der österreichische Kaiser verliebte sich noch an diesem Abend in seine 15-jährige Cousine Elisabeth und ließ bereits zwei Tage später, an seinem Geburtstag, über seine Mutter bei Herzogin Ludovika anfragen, ob diese ihn heiraten wolle. Am 24. April wurde das Paar in der Wiener Augustinerkirche vor 70 Bischöfen und Prälaten durch Erzbischof Joseph von Rauscher getraut. Diese fast märchenhafte Wendung in ihrem Leben wird detailliert beschrieben.
Mit also fünfzehn Jahren war sie nun Mitglied am Wiener Hof, eine für sie anfangs fremde Welt, mit der sie nicht gut zurechtkam. Sie war fast selbst noch ein Kind, vielleicht auch ihrer gewohnten Umgebung entrissen. Sie war unsicher, darum bemüht, ihre Pflichten zu erfüllen, denen sie nicht immer gewachsen war. Sie benahm sich aber auch „normal“, eben wie eine Jugendliche, was mit vielen Dingen am Hof nicht vereinbar war. Die älteren Mitglieder der Familie besaßen wenig Empathie für das Seelenleben der Jugendlichen.
Die sie umgebenden Personen werden in Porträts vorgestellt. Vor allen natürlich das Verhältnis zu Kaiser Franz Joseph, der auch unsicher ist und noch nicht das Selbstvertrauen besitzt, um ein entscheidungsstarker Monarch zu sein. Dennoch ist er ein liebevoller Ehemann, der ihr so gut es geht zur Seite steht.
Dann wurde sie auch schon schwanger. Ein knappes Jahr nach der Hochzeit brachte die junge Kaiserin ein Mädchen zur Welt, das nach Franz Josephs Mutter Sophie Friederike getauft wurde. Im folgenden Jahr wurde Tochter Gisela geboren. Auf einer Reise durch Ungarn erkrankten beide Töchter an Durchfall und Fieber, an dem die zweijährige Sophie Friederike starb. Sie war oft frustriert wegen der Grabenkämpfe am Hof und der ständigen Bevormundung.
Ihre Reisen wirkten wie eine Flucht aus dem engen Korsett am Hof und wie eine Befreiung. Hier konnte sie sie selbst sein. Sie suchte sie Zufluchtsorte, die ihre Phantasie anregten. Die längere Reise nach Madeira ist dafür ein Beispiel.
1858 kam Kronprinz Rudolf Franz Karl Joseph zur Welt. Von der Geburt erholte sich Elisabeth nur schwer. Auch zeigte sie nach dem Tod der erstgeborenen Tochter nur noch wenig Interesse an Gisela und Rudolf. Ihre Schwiegermutter veranlasste, dass der Kronprinz schon von Kindesbeinen an eine militärische Ausbildung erhielt. Elisabeth setzte sich dafür ein, diese Art der Ausbildung zu beenden, konnte sich jedoch zunächst nicht durchsetzen, später dann doch.
Im Laufe der Zeit lernte auch Elisabeth, sich einigermaßen durchzusetzen und sich persönlich weiterzuentwickeln. Dies zeigte sich an ihrem Verhältnis zur Schwiegermutter und die selbständige Erziehung der Kinder und auch an ihrem launenhaften Verhalten.
Der Hof um sie herum bestand aus älteren Damen, denen ihre Jugendlichkeit fremd war. Der Kampf um Selbstbestimmung war prägend für ihr weiteres Leben. Durch die detaillierte Analyse der Autorin lernt man, sich in die junge Kaiserin hineinzuversetzen, die Ansprüche an sie besser zu verstehen und lernt ihr Umfeld näher kennen. Gut ist auch der Stil, es wird kein Psychogramm entworfen. Dabei wird jedoch die Sicht auf Frauen gerade in adeligen Kreisen und die patriarchalischen Machtverhältnisse etwas vernachlässigt.
Buch 6
Jan Philipp Burgard: Mensch Amerika. Unterwegs in einem Land im emotionalen Ausnahmezustand, Piper, München 2021, ISBN: 978-3-492-07105-5, 20 Euro
Der Journalist Jan Philipp Burgard bietet in diesem Buch Innenansichten aus Amerika, ein tief gespaltenes Land, wie er herausgefunden hat. Er begegnete Menschen aus allen Bevölkerungsschichten aus verschiedenen Gegenden und unterschiedlichen Alters.
Zu sehen ist ein Land, das mehr denn je gespalten ist zwischen Arm und Reich, Stadt- und Landbevölkerung, afroamerikanischen, lateinamerikanischen und „weißen“ Bürgern. Amerika ist ein Land voller Widersprüche. Es kämpft mit Herausforderungen wie Armut, Rassismus, Strukturwandel und Klimawandel. Die Zukunftsängste wachsen.
Wirtschaftlich gesehen berichtet er von der Deindustrialisierung und dem Aushöhlen der Mittelklasse; Gut bezahlte und geschützte Jobs gingen verloren, die Macht von Gewerkschaften wurde gebrochen, diese wurden durch Zeitarbeit, prekäre Auftragsarbeiten und schlecht bezahlte Dienstleistungen
Die Masse von Arbeitern gehörte zu den Verlierern, es gab aber auch Gewinner bei Wirtschaftseliten und spezialisierten Fachkräften. Diese konzentrieren sich geografische auf große, zentral gelegene Stadtkomplexe.
Viele mittelgroße und kleinere Städte geht es deutlich schlechter, was zu einer Spaltung innerhalb von Bundesstaaten und Regionen geführt hat.
Viele solche einzelne Geschichten ergeben ein Puzzle, aus dem sich herauskristallisiert, wie sich Amerika in den letzten Jahren verändert hat - und wie es sich weiter verändert. Alleine aufgrund der Steuerreform sparten die Reichen zig Millionen an Steuern, die die Sozialleistungen weiter gekürzt.
Der „amerikanische Traum“, eine Fikion, ist weitestgehend ausgeträumt, so erfährt der Autor bei seinen zahlreichen Interviews. Der Autor schreibt gut, flüssig, kann gut die verschiedenen Situationen beschreiben.
Die Stärke des Buches liegt in der detaillierten Beschreibung der besuchten und interviewten amerikanischen Bürger. Dennoch bleibt es ein nicht repräsentativer Querschnitt.
Ob diese Einblicke jedoch auch Rückschlüsse auf die BRD geben, erscheint mehr als fraglich, dafür sind die Länder doch zu unterschiedlich.