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Neuerscheinungen Sachbuch

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Judy Batalion: Sag nie, es gäbe nur den Tod für uns. Die vergessene Geschichte jüdischer Freiheitskämpferinnen, Piper, München 2021, ISBN: 978-3-492-05956-5, 25 EURO (D)

Nach dem Einmarsch der Nazis in Polen 1939 wurden Jüd*innen in den Städten in beengte Ghettos verbannt, in denen Wohnraum, Nahrung, Medikamente, Kleidung, sanitäre Einrichtungen und Arbeitspapiere Mangelware waren. Eines der bekanntesten war das Warschauer Ghetto.

In diesem Buch erzählt Judy Batalion die Geschichten jüdischer Frauen in Polen erzählt, die während des Zweiten Weltkriegs den Nazis Widerstand leisteten. Dabei werden Dutzende unbekannte Kämpferinnen, die meist zwischen 15 und 25 Jahren alt waren, und ihre Leistungen vorgestellt. Diese Frauen waren Kurierinnen, Schmugglerinnen und Kämpferinnen, insbesondere in B?dzin, Krakau, Warschau und anderen Städten mit relativ großen jüdischen Gemeinden, ohne an ihr eigenes Leben und an die Folgen zu denken. Dazu gibt es viele zeitgenössische Bilder.

Batalion, selbst eine Nachfahrin aus einer Familie polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebenden, forschte für diese Arbeit jahrelang in Archiven und besuchte auch Nachkommen der hier vorgestellten jüdischen Frauen, um Fotos und Briefe zu sichten und zu erfahren, wie es nach dem Krieg für sie weiterging.

Ab 1939 leisteten die jüdischen Frauen zunächst passiven Widerstand in Form von heimlichen Tagebüchern, dem Erteilen von Unterricht oder der Gründung und Betrieb einer eine Untergrundbibliothek.

Die Nazis urteilten oft nach dem Aussehen, ob es sich um „Arier“ oder nicht handelt. Gefundene Pässe wurden für die eigene Identität angeeignet oder gefälschte Dokumente benutzt. Gehüllt in Bauerntüchern schmuggelten sie illegale Veröffentlichungen, Waren oder Geld nach Wilna, Bialystok oder Lemberg. Auf ihren gefährlichen Missionen wurden sie oft durchsucht, verhört oder verhaftet. Bei Entdeckung kam oft vor, dass Kurierinnen von Nazis vergewaltigt, ausgehungert, in Konzentrationslager gesperrt oder gleich getötet wurden. Perfide wird es, wenn sie mit ihren Mördern flirteten. Sie schafften es auch manchmal durch Bestechung mit Wein oder Gebäck, für sich zu gewinnen, um zu überleben.

Manche von ihnen nutzten Gelegenheiten zur Flucht, oft kam es aber vor, dass sie aus Verbundenheit mit anderen Jüd*innen auch zurückkehrten und im Untergrund weiter aktiv sein wollten.

Sie nahmen auch an bewaffneten Aufständen teil. Zum Beispiel kämpften sie paramilitärisch während des Aufstandes im Warschauer Ghetto 1943. Sie schlossen sich auch ausländischen Widerstandseinheiten an. Einige Frauen gingen in den Untergrund, um anderen Jüd*innen zu helfen, sich zu verstecken oder zu fliehen, druckten Flugblätter und kümmerten sich um Logistik des versteckten Widerstandes im Untergrund. Sie führten auch Spionagemissionen für die Sowjetunion durch. Wichtig waren auch die mündliche Weiterverbreitung der Lage in den Ghettos und der planvollen Ermordung von Jüd*innen.

Es waren in der Regel keine isolierten Aktionen, sondern es entstanden eigene Organisationseinheiten wie Zydowska Organizacja Bojowa (ZOB).

Ihre Leistungen im Widerstand spielen zwar die Hauptrolle im Buch, es werden aber auch andere Facetten deutlich. Die Kämpferinnen feierten auch Schabbat oder andere jüdische Feste, sie verdrängten das Leid durch gemeinsames Singen und Zusammenhalt.

Viele der Frauen litten nach Ende des Zweiten Weltkrieges an der „Schuld“ des eigenen Überlebens, an psychischen Erkrankungen, einige begingen Selbstmord.

Dies sind die Geschichten von heroischen jungen jüdischen Frauen in Polen erzählt, die die Unterdrückung und den anschließenden Holocaust mit Selbstlosigkeit, Mut und Tapferkeit bekämpft haben. Es sind viele junge Frauen, die alles geopfert haben, sogar ihre eigene Sicherheit im nahenden Exil, um weiter zu kämpfen und Freiheit für andere zu ermöglichen.

Das Buch stellt die vielfältigen Handlungs- und Vorgehensweisen jüdischer Widerstandskämpferinnen dar und analysiert berührend, wie sie in einer Situation der brutalen Entwürdigung und einer schier ausweglosen Massenvernichtung ihre Würde bewahrten und Solidarität, Beistand Fürsorge und Widerstand leisteten. Es bricht die einseitige Opferzentrierung auf und zeigt eindrucksvoll, dass entgegen dem Stereotyp des hilflosen Abfindens mit diesem Schicksal des eigenen Todes Juden und Jüdinnen vielfältigen Widerstand.

Ein ergreifendes Buch. Es ist dennoch schwer zu lesen, weil Batalion in aller schrecklichen Offenheit die Gräueltaten der Nazis und mitunter auch Pol*innen, das Leid in den Ghettos und den animalischen Charakter der Nazi-Okkupation in Polen beschreibt.

Lesenswert ist zum Thema jüdischer Widerstand in Polen ist auch das Buch: Franziska Bruder: Das Schicksal selbst bestimmen. Fluchten aus Deportationszügen der „Aktion Reinhardt“ in Polen, Unrast Verlag, Münster 2019, ISBN: 978-3-89771-826-3, 29,80 EURO (D)


Buch 2

Ilka Brühl: Anders schön. Wie ich lernte, mich selbst zu lieben, Patmos, Ostfildern 2021, ISBN: 978-3-8436-1255-5, 20 EURO (D)

Ilka Brühl kam mit einer Gesichtsspalte zur Welt, einer Fehlbildung von Nase, Stirn und Augen. In der Kindheit wurde sie als Hexe beschimpft, in ihrer Jugend zog sie sich zurück und haderte mit ihrem Aussehen. Heute hat sie ihr besonderes Aussehen zum Markenzeichen gemacht und zeigt sich als Model in den Medien und sozialen Netzwerken. Sie kämpft dafür, dass Schönheit als Vielfalt wahrgenommen wird.

In diesem Buch erzählt sie ihre Lebensgeschichte, um anderen Mut zu machen, sich selbst so zu akzeptieren, wie sie sind.

Schon als Kind wurde sie Ziel von Spott, Häme und sozialer Isolation. Sie erzählt, dass sie früher „um alles in der Welt ein normales Gesicht“ gehabt hätte. (S. 10)

In der Pubertät probierte sie viele Sachen aus, um auszusehen wie Models oder Frauen aus der Werbung. Sie wollte einfach nur „ideal“ sein. Sie erzählt von Selbstzweifeln, Selbstverletzungen als „Schrei nach Aufmerksamkeit“, von Beziehungen zu Jungs, Besuch bei Ärzten. Als einer ihrer Rettungsanker gibt sie die Liebe ihrer Eltern an.

Im Laufe der Zeit entwickelte sie etwas mehr Selbstbewusstsein. Und ihrem ersten Fotoshooting 2014 und der neu gewonnenen Gefühlen für ihr Aussehen. Ihr ständiges Ringen um Selbstakzeptanz auch mit Rückschlägen bis sie sagen konnte: „Ich als Gesamtpaket bin gut wie ich bin“. (S. 109)

Ihre Message lautet: „Für eine Welt, in der jeder Mensch so sein kann, wie er möchte. (…) Nach dem Motto „Leben und leben lassen, setze ich mich dafür ein, dass unsere Vielfalt als Bereicherung wahrgenommen wird.“ (S. 146)

Dieses Buch zeigt ganz gut, wie Othering anhand physischer Merkmale und damit verbundene soziale Ausgrenzung funktioniert. Es dauerte lange bis sie ihren „Makel“ zu einem Merkmal ihrer Persönlichkeit umdeutete.

Diesen langen Weg haben andere Menschen, die aus irgendeinem Grund abseits von Normen und (Schönheits-)Vorstellungen unter Selbstzweifeln und Vorurteilen leiden, noch vor sich. Wahrscheinlich mehr als man denkt. Mit ihrer sehr persönlich gehaltenen Erzählung macht denjenigen Mut und zeigt, dass Diversität ein erstrebenswertes Element der heutigen Gesellschaft darstellt.


Buch 3

Freya Klier: Unter mysteriösen Umständen. Die politischen Morde der Staatssicherheit, Herder, 2021, ISBN: 978-3-451-03306-3, 26 EURO (D)

Freya Klier begibt sich in diesem Buch auf Spurensuche nach Anschlägen der Staatssicherheit gegen Dissident*innen und Bürgerrechtler*innen in und außerhalb der DDR. Sie listet engagiert verschiedene Fälle auf, die von den 1950er Jahren bis in die Zeit nach der Wende reichen. Und sie berichtet von den Folgen für die Opfer, die bis heute reichen. Sie schildert verschiedene Todesumstände von Gegnern des SED-Staates, die mysteriös sind und viele Zweifel an der verlautbaren Todesursache lassen.

Die große Schwäche des Buches wird aber schon gleich in der Einleitung deutlich. Es gibt starke Indizien, die auf geplante politische Morde hinweisen. Und jeder mit gesundem Menschenverstand kann sich seinen Teil dabei denken. Aber es fehlen letztendlich exakte Beweise und Beweisketten, die zweifelsfrei an jedem einzelnem Fall klären, ob es sich um einen Anschlag oder Mord der Stasi handelt oder nicht.

Um dies zu klären, braucht es eine juristische Aufarbeitungsinstanz, die sich damit auseinandersetzt und zu einem abschließenden Urteil gelangt. Im Rechtsstaat braucht es Beweise und keine Vermutungen. Dies gilt gerade in der Gegenwart, wo Verschwörungstheorien jenseits von Fakten en vogue sind.

Es bleibt zu hoffen, dass Klier mit ihrem Buch die Schaffung einer fälligen Aufarbeitungsinstanz beschleunigt. Sonst bleiben Zuschreibungen, Vermutungen und Spekulationen über dieses brisante Thema bestehen.


Buch 4

Elisabeth Dießl/Veronika Hombacher: Das Kranzerlbuch. Natürlich schmücken mit Kränzen, Sträußen und Gestecken, Servus, Wals bei Salzburg 2021, ISBN: 978-3-7104-0282-1, 25 EURO (D)

Rund ums Jahr ziert Naturschmuck verschiedenste Feste und ist aus den vielen traditionellen Bräuchen nicht wegzudenken. In diesem Buch findet man Anregungen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Kränze, Sträuße und Gestecke aus Naturmaterialien.

Zunächst werden die Ursprünge des Kranzerlbindens im alten Ägypten und das Sammeln von Naturgütern behandelt. Danach wird das notwendige Zubehör und verschiedene Techniken kurz vorgestellt.

Die einzelnen Kränze, Sträuße und Gestecke aus Naturmaterialien werden im Lauf der Jahreszeiten präsentiert. Dies beginnt mit der Knospenzeit Anfang des Frühlings. Die Naturmaterialien wie Mimose, Buchs, Weidenkätzchen, Korkenzieherhasel, Moos, Weide, Hyazinthe und Stechpalme werden zunächst – wie auch in den folgenden Kapiteln- vorgestellt. Danach werden Produkte wie der Efeukranz, der Ranunkelkranz oder das Mimosenherz skizziert.

Der Blütenhöhepunkt im Sommer bietet Materialien wie Hortensie, Mutterkraut, Rotklee, Pfingstrose, Margarite, Frauenmantel und Dahlie. Daraus können ein farbenfroher Dahlienkranz, ein romantischer Sommerkranz oder ein Gartenkranz entstehen. Produkte aus Kräutern zu fast allen Jahreszeiten kommen dann an die Reihe. Dazu können Salbei, Rosmarin, Ringelblume, Dost, Schafgarbe, Lavendel oder Bohnenkraut benutzt werden. Es werden ein Kräuterherz, ein würziger Kräuterkranz oder das Aromabündel vorgestellt.

Die Herbstzeit und Produkte zu Erntedank folgen danach. Materialien sind Liguster, Pfaffenhütchen, Weissdorn, Eichel, Erle, Vogelbeere, Schlehe, Lampionblume, Kastanie und Hagebutte. Daraus können zum Beispiel ein dekorativer Brombeerkranz, ein Boha-Kranz oder ein Gretelkranz entstehen.

Weiter geht es mit der Zapfenzeit im Winter. Neben Zweigen bieten sich verschiedene Zapfen, Stechpalme, Wacholder und Mistel als Naturmaterialien an. Ein weihnachtlicher Türkranz, ein Winterstrauß oder ein Nussknacker können daraus entstehen. Produkte für Festtage oder festliche Anlässe wie der Johannikranz, ein Muttertagsherz oder ein Rauhnachtkranz bilden den Abschluss.

Zwischen den einzelnen Kapiteln wird noch gezeigt, wie man einen Weidenkranz biegt und windet, einen Strauß bindet, einen Kranz flechtet und bindet, Naturmaterialien andrahtet und auffädelt, einen winterlichen Basiskranz bindet, Naturmaterialien anklebt, einen Tegernseer Palmbuschen bindet, Kränze steckt, einen Haarkranz bindet und Kerzen anbringt.

Im Anhang gibt es noch ein Pflanzenregister, weiterführende Literatur und Informationen über die Autorinnen.

Das Buch ist für experimentierfreudige Personen zu empfehlen, die Dekorieren und Entwerfen von DIY-Produkten als Hobby haben. Es enthält viele hochwertige und ansprechende Bilder der fertigen Produkte. Kreativ sind die unterschiedlichsten Kranzprojekte, die alle Jahreszeiten abdecken. Blumenkränze im Frühling, als Tischdekoration, oder kleine Kränze als Geschenkutensilien sind dabei hervorzuheben.

 

Buch 5

Patrizia Patz: Ich mach mein Ding. Wie du Beruf und Berufung vereinst, Business Village, Göttingen 2021, ISBN: 978-3-86980-599-3, 19,95 EURO (D)

In der Arbeitswelt geht es in erster Linie nicht darum, die eigene Berufung zu leben, sondern um Sicherheit und Status und funktional eine Aufgabe zu erfüllen. In diesem Buch lotet die Profi-Trainerin Patrizia Patz die Machbarkeit zwischen Wunsch und Wirklichkeit aus und liefert verschiedene Möglichkeiten, unserer Passion und unseren Talenten auf die Spur zu kommen und einen Beruf zu finden, der erfüllt und auch finanziell absichert.

In ihrer Coachings erlebte sie immer wieder, dass trotz einem klaren Plan, die eigene Vision Schritt für Schritt umzusetzen, viele in ihrem bisherigen Leben steckenbleiben statt den Schritt zu wagen. Sie stellt hier die häufigsten Faktoren dar, die hinderlich sind, eine Sehnsucht nach einem sinnerfüllten Leben und Wirken in die Tat umzusetzen. Dies geschieht anhand von hinderlichen Sätzen und Vorstellungen, die jeweils in einem eigenen Kapitel beschrieben werden.

Dies ist erstens eine Art Grundprogrammierung, mit der wir auf die Welt kommen, deren übergeordnetes Ziel das physische Überleben ist. Weiterhin sind es Glaubenssätze zur Art und Weise, wie wir über die Welt denken. Die Vorstellung, dass im Arbeitsleben Gefühle nichts zu suchen haben und der zugedachten Rolle entsprechend zu reagieren, wird entkräftet und auf emotionale Kompetenz eingegangen.

Die Angst vor Angst, also der Versuch, Angst so gut wie möglich zu vermeiden, hält davon ab, das zu tun, was wirklich wichtig ist. Dies wird danach skizziert. Die Illusion, wir hätten immer noch viel Zeit für die Erfüllung unserer Wünsche, Bedürfnisse und Träume, hemmt ebenfalls. Die Entscheidungen vor sich her zu schieben, weil sich nicht ganz sicher ist, und die Vorstellung von Vertrauen, das langsam wächst und durch Erfolgserlebnisse entstehen kann, werden auch hinterfragt. Eine Voraussetzung dafür, seine Berufung zu verwirklichen, liegt auch darin, die dunklen Seiten der eigenen Person zu identifizieren und das Wissen zu erlangen, wozu man wirklich in der Lage ist. Das Verrennen in eine spirituelle Odyssee auf der Suche nach der eigenen Bestimmung ist ebenfalls ein Schwerpunkt. Die Kraft des Wählens muss nicht immer darauf beschränkt sein, was von außen angeboten wird.

Es folgt die Identifizierung, welche Geschichten, Erwartungen und Gefühle von anderen übernommen wurden, die hinderlich sind, einen Beruf zu finden, der erfüllt und auch finanziell absichert. Das Übernehmen der Verantwortung für die eigene Vergangenheit durch das Aufarbeiten traumatischer Erlebnisse oder emotionaler Verletzungen kommen dann an die Reihe. Weiter geht es mit dem Überprüfen der eigenen kulturellen und familiären Prägung in Bezug auf Erwachsensein. Verantwortung für das eigene Leben und die eigene Berufung rundet die Kapitel ab.

Am Ende der jeweiligen Kapitel gibt es immer ein Kapitel: So machst Du Dir den Weg frei. Dazugehörige Mind-Change-Übungen ebenfalls.

Nach einem Mut machenden Schlusswort gibt es noch eine Literaturliste und ein Abbildungsverzeichnis.

Das Buch macht Mut und widerlegt auf überzeugende Weise Hemmnisse auf dem Weg zur sinnstiftenden beruflichen Entwicklung. Gleichzeitig auch zur persönlichen Weiterentwicklung. Das Buch betont, dass man nicht Dingen oder Lebenssituationen hilflos ausgeliefert ist, sondern es in der Hand hat, Dinge selbst zu erkennen und zu verändern. Viele Dankanstöße zur Veränderung von Glaubenssätzen werden gegeben.


Buch 6

Käptn Peng/Melanie Garanin: Der Habicht und der Hahn, Mairisch Verlag, Hamburg 2021, ISBN: 978-3-948722-12-8, 15 EURO (D)

Das queere Kinderlied „Der Habicht und der Hahn“ des alternative Musiker Käptn Peng über die Liebesgeschichte zweier eigentlich „natürlicher Feinde“ wurde zu einem Erfolgsprodukt. Zwei unterschiedliche Vogelarten sind einander zugetan und empfinden gleichgeschlechtliche Liebe. Die weder vom Bauern noch von den Hühnern verstandene Liebe zu einem Habicht, der eigentlich Hühner tötet, überwindet alle festgelegten Grenzen. Ihre Gemeinsamkeit liegt darin, dass beide Vögel sind. Zum Ende geben die beiden Vögel ihre ursprüngliche Identität auf und veschmelzen zu einem Hahnicht.

Die Illustratorin Melanie Garanin ist vor allem durch das autobiografische Graphic Novel „Nils“ bekannt, in dem sie ihr persönliches Verarbeiten und das ihrer Familie des Todes des kleinen Nils, das vierte Kind von Melanie Garanin und ihrem Mann Georg, der mit drei Jahren verstarb, verarbeitete.

Nun erscheint ein ganz anderes Werk von ihr. Auf der Basis des Textes des Kinderliedes verfasste sie in Zusammenarbeit mit Käptn Peng entstand ein Kinderbuch zu „Der Habicht und der Hahn“. Auf 32 Seiten wird diese spezielle Geschichte für Kinder ab fünf Jahre ausgearbeitet und erzählt.

In einem großen Format herausgebracht stehen die Bilder stehen klar im Mittelpunkt, der Text ist zwar groß geschrieben, nimmt aber nicht so viel Raum ein. Es gibt viele doppelseitige Zeichnungen, die durch eine mannigfaltige Kolorierung auffallen. Die Zeichnungen sind berührend, eindringlich und schaffen Emotionen.

Es wurde viel Platz für die Kreativität und Interpretation für Garanin gelassen. Dennoch wird die Botschaft des Liedes von Käptn Peng nicht verwässert oder nicht sichtbar gemacht.

Das Überwinden von dogmatischen, scheinbar natürlichen Grenzen, die Möglichkeiten der Liebe, die alle Grenzen des Umfeldes überwindet und die Toleranz wird mit viel gefühlvollen und viel Detail zeigende Zeichnungen unterfüttert.

Es erfüllt auch den notwendigen kindgerechten Charakter, es ist nicht überfrachtet mit zu viel Input. Nicht nur als Vorlesebuch ist es zu empfehlen, sondern auch als eine der bislang wenigen pädagogischen Werke zur frühkindlichen Erziehung zu Toleranz und Pluralität.