Neuerscheinungen Sachbuch
Buchtipps von Michael Lausberg
Buch 1
Große Kunst von Frauen, DK, München 2021, ISBN: 978-3-8310-4293-7, 49,95 EURO (D)
Dieser voluminöse Band versammelt die Werke von über 400 Künstlerinnen aus über 50 Ländern und fünf Jahrhunderten. Es ist „eine Hommage an die bis heute ungebrochene Kreativität von Frauen auf der gesamten Welt“. (S. 8) Es wurden Kunstschaffende aufgenommen, die weiblich geboren wurden, später aber zwischengeschlechtliche Identitäten annahmen. Außerdem solche, die männlich geboren wurden und die weibliche Geschlechtsidentität annahmen, es wurden aber Kunstwerke nicht berücksichtigt, die von gemischtgeschlechtlichen Duos oder Gruppen gemeinsam geschaffen wurden.
Er zeigt alle Bereiche der bildenden Kunst angefangen von der Architektur über die Bildhauerei, Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie bis zur Performance. Außerdem werden inspirierende Geschichten über das Leben der Künstlerinnen erzählt.Viele von ihnen betrachten dabei ihr Geschlecht nicht als primären Aspekt ihrer künstlerischen Praxis.
Der Band erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für die Auswahl kamen unterschiedliche Kriterien zum Tragen: das Hauptziel lag darin, eine möglichst breit gestreute Darstellung von Kunst zu erreichen: Werke verschiedener Epochen, hergestellt von Künstlerinnen weltweit, unter Verwendung verschiedener Materialien.
Die Porträts werden meist auf einer Seite, manchmal auf zwei Seiten präsentiert. In alphabetischer Reihenfolge zeigen die Beiträge jeweils ein ausgewähltes Schlüsselwerk jeder Künstlerin. Die ausgewählten Kunstwerke gehen in vielen Fällen über Genderthemen hinaus und dienen dazu, die enorme Vielfalt unterschiedlicher Ansätze im Hinblick auf Materialien, Methoden, Form und Thematik aufzuzeigen. Das Kunstwerk steht im Mittelpunkt des Porträts.
Dazu gibt es kurze Essays zu Biografie und Werk. Einige der Texte verweisen auch auf weitere wichtige Kunstwerke. Dazu gibt es noch die Lebensdaten der Künstlerin.
Am Ende gibt es noch ein Glossar, das viele der Künstlernamen im Zusammenhang mit Stilen und Strömungen in der Kunst präsentiert. Dazu kommt ein Register, kursive Seitenzahlen verweisen auf Abbildungen. Und ein Bildnachweis.
Dieses Buch ist längst überfällig und holt von der männlich geprägten Kunstgeschichte vergessenen oder verschmähten Künstlerinnen zurück in den Fokus. Besser spät als nie.
Der Vorteil des Konzeptes liegt darin, die Individualität der Künstlerin zu betonen und ihr eigenes Kunstverständnis herauszustellen. Es zeigt, wie sie selbst als Subjekte, als künstlerische Persönlichkeiten, die Gedanken- und Bildwelt über Jahrhunderte mitgeprägt haben. Die Nachteile sind diejenigen, dass die Sprünge von verschiedenen Jahrhunderten keinen Lesefluss zulassen, Stile, Strömungen und Zeitgeschichte nicht zusammenhängend erfasst werden und auch die oft festgestellte Verbindung von Leben und Werk außer Acht gelassen wird.
Als Überblicksdarstellung kann der mühevoll zusammengestellte Band dienen, auch als erstes Nachschlagewerk zu bestimmten Künstlerinnen. Leider fehlt im Anhang ein Literaturverzeichnis mit ausgewählten Titeln oder Links für jede Künstlerin zum Weiterlesen.
Buch 2
Jonathan Falconer: Junkers JU 87 Stuka, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-613-04352-7, 29,90 EURO (D)
Die Stuka gehörte mit zu den bekanntesten Militärflugzeugen des Zweiten Weltkrieges. Dieser Band stellt die Stuka aus verschiedenen Perspektiven vor und enthält viele zeitgenössische Bilder.
Die Entstehungsgeschichte, die eng mit den Modellen der Ju 87 verbunden ist, wird zunächst geschildert. Danach werden Ziele, Leitwerk, Fahrwerk, Kanzel, Kanzeldach, Funkausrüstung, Anlagen und Bewaffnung näher vorgestellt. Eine technische Beschreibung des Motors Jumo 211 folgt danach. Die Einsatzgebiete und Operationen der Stuka angefangen vom Spanischen Bürgerkrieg für das faschistische Spanien bis 1944 sowie das Ende der Stuka kommen dann zu Sprache. Am 15. August 1939 ereignete sich das Stuka-Unglück von Neuhammer, die schwerste Katastrophe der deutschen Luftwaffe vor dem Zweiten Weltkrieg. Auf dem Truppenübungsplatz Neuhammer (Schlesien) flogen 13 Maschinen des Sturzkampfgeschwaders 76 bei einer Sturzflugvorführung aus zu geringer Höhe in den Boden, wobei alle 26 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Auch dies wird beschrieben.
Aus Sicht der Piloten werden dann Vorläufer und Einsätze der Stuka selbst beschrieben. Das Erbe der Stuka war ihre Vorbildfunktion für das US-amerikanische Erdkampfflugzeug Thunderbolt II. Auch davon handelt ein Abschnitt. Die Wartung der Stuka in unterschiedlichen Klimazonen wird danach skizziert. Der Umgang mit der Erinnerung in Museen in Großbritannien, Serbien, Griechenland, den USA und der BRD schließt den Hauptteil ab.
Im Anhang gibt es noch Hintergrundinformationen zur Gliederung der deutschen Luftwaffe, ein Rangvergleich Luftwaffe-RAF und USAAF, die benutzten Quellen und Literatur sowie ein Stichwortverzeichnis.
Die technischen Besonderheiten der Stuka mit der Sturzflug- und Abfangautomatik, die dem Flugzeugführer das Anvisieren, das Anfliegen des Zieles und das anschließende Abfangen enorm erleichterte und auch die verschiedenen Einsatzgebiete werden ausführlich für die Leser*innen dargelegt. An einigen Stellen wird das Flugzeug zu sehr glorifiziert und ihre „Wirkung“ und „Erfolge“, also Zerstörung und Tod, unkritisch dargelegt. Es war neben den Panzerverbänden eine hochgerüstete Waffe in Hitlers Vernichtungskrieg.
Dennoch ist dieses Werk wohl das umfangreichste zu einem wichtigen militärhistorischen Kapitel und auch über Waffentechnik im Zweiten Weltkrieg.
Buch 3
Gunther Nickel (Hrsg): Peter Hacks: Woher kommt die viele Dummheit auf die Welt? Briefe an Hansgeorg Michaelis 1944-1998, Eulenspiegel Verlag, ISBN: 978-3-359-02417-0, 40 EURO (D)
Von 1943 bis 1945 saßen Peter Hacks und Hansgeorg Michaelis im Breslauer Gymnasium „Zum Heiligen Geist“ gemeinsam auf einer Schulbank. Die Schulklasse spaltete sich in zwei Lager: Nazis und Antifaschisten. Peter Hacks war der Wortführer der Antifaschisten. Seine Haltung äußerte er nicht nur in politischen Statements, sondern auch in Frisur, Kleidung, literarischen Neigungen und musikalischen Vorlieben. Die Kriegsereignisse sorgten dafür, dass sich die beiden Freunde räumlich voneinander entfernten und getrennte Wege gingen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelang es Hacks, wieder Kontakt zu Michaelis aufzunehmen. Ihre räumliche Entfernung überbrückten sie durch eine ausgiebige Korrespondenz per Brief, von denen von wenigen Ausnahmen abgesehen nur noch Hacks Briefe überliefert sind. Zwischendurch gab es auch aufgrund von Dissonanzen auch einige Zeit keinen Briefaustausch.
Die Briefe an Michaelis wurden von Gunther Nickel ediert und werden erstmals der Öffentlichkeit systematisch zugänglich gemacht. Dies sind insgesamt 331 Briefe, von denen auch einige nicht datiert sind.
Zunächst werden die Briefe in chronologischer Reihenfolge abgedruckt. Bei den Briefen wird das Entstehungsdatum des Schriftstückes, dessen Verfasser und Adressaten genannt. Der Inhalt wird im Original abgedruckt, nur offenkundige Schreibfehler wurden korrigiert. Manchmal gibt es auch Abbildungen der Briefe in schwarz-weiß.
Anschließend gibt es Erläuterungen zur Edition und ein Siglenverzeichnis. In der editorischen Notiz gibt es eine Aufreihung von Personen, die häufiger und dann immer mit Spitznamen genannt werden. Dann gibt es einen ausführlichen Kommentar mit Seitenzahl zu jedem einzelnen Brief in chronologischer Reihenfolge.
Im Nachwort werden die Beziehung zwischen Peter Hacks und Hansgeorg Michaelis über die Jahrzehnte, historische Hintergründe und auch die Biografie der beiden kurz nachgezeichnet. Es gibt am Ende des Bandes ein Register zu biografischen Annotationen.
In der hinteren Umschlagseite gibt es eine Kurzbiografie von Hacks, Michaelis und dem Herausgeber.
Durch die Berücksichtigung der neuen Quellen kann das Verhältnis von Hacks und Michaelis genauer erfasst werden. Außerdem gibt es Aufschlüsse aus erster Hand vor allem über das Leben und Wirken Peter Hacks in der DDR. Das Buch bietet also einige neue Erkenntnisse.
Die Edition so authentisch wie möglich zu behalten, wird erreicht. Zusammenhang wird vor allem durch den Kommentar hergestellt. Es ist aber leserfreundlicher, das Inhaltsverzeichnis nicht an den Schluss, sondern an den Anfang zu setzen. Auch die editorischen Anmerkungen wären am Anfang besser aufgehoben.
Buch 4
Bernt Spiegel: Motorradtraining alle Tage. Die obere Hälfte des Motorrads. Übungsbuch, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-613-04427-2, 16, 95 EURO (D)
Zusätzlich zu seinem Klassiker „Die obere Hälfte des Motorrades“ erschien nun das dazugehörige Übungsbuch. Es ist eine Zusammenstellung von praktischen Empfehlungen und Übungsvorschlägen, die sich im Alltag, bei jeder Fahrt, sofort umsetzen lassen. So kann jeder bestimmte Abläufe verbessern, und an seinem Fahrstil feilen.
Anhand von Schlüsselthemen, die auch die einzelnen Kapitel darstellen, wird das Training dargestellt. Dies sind im Einzelnen: Alpenpraxis, Blickführung, Bremsen, Kolonnenfahrten, Gruppenfahrten, Kurventechnik, Lenkimpuls, Lockerheit, das Fahren im Regen, der Umgang mit Schreckmomenten, Vorsatzbildung und Momo Labeling und Warmfahren.
Die Schlüsselhemen sind alphabetisch geordnet, können jedoch in beliebiger Reihenfolge gelesen oder nachgeschlagen werden. Sie enthalten immer markierte Tipps des Autors.
Das Buch enthält einzelne Übungen, die ausführlich erläutert und in Kurzform auf gelben Übungskarten festgehalten, die auf dem Motorrad mitgeführt werden können und so an die geplante Übung erinnern. Die Übungskarte macht gleichzeitig auf Probleme und Gefahren aufmerksam. Dabei geht es um das Erlernen einer bestimmten Handlung und Verhaltensweise, die bei der bevorstehenden Ausfahrt ein Faktor wird bzw., auf das besonderes Augenmerk gelenkt werden soll. Kästchen zum Selbstausfüllen unterstützen dabei.
Es wird darauf hingewiesen, die Übungen auf verkehrsarmen Strecken durchzuführen, nicht bei starkem Verkehr oder unbekannten Abschnitten oder Gegenden.
Nach den Schlüsselthemen findet man die Übungskarten und die dazugehörigen Heftetiketten.
Die Übungen sind verständlich erläutert, der Zweck wird unzweideutig erkennbar. Auf den Karten ist das Notwendigste beschrieben, also auch leicht merkbar. Die Übungen sollten regelmäßig und häufig trainiert werden, um eine gewisse Form der Routine und Sicherheit zu bekommen. Die Übungen können mehr Selbstsicherheit und auch Fahrspaß bringen. Lockerheit ist allerdings nur schwer trainierbar, erst die praktische Erfahrung wird dies mit sich bringen.
Buch 5
Edition C.G.Jung: C.G. Jung Mandala. Bilder aus dem Unterbewussten, Patmos, Ostfildern 2021, ISBN: 978-3-8436-1350-7, 26 EURO (D)
Ein Mandala ist eine meist kreisförmige Gestaltung, die auf ein Zentrum hin ausgerichtet ist. Mandalas gibt es in der gesamten Welt, sie haben häufig eine spirituelle Bedeutung. Als Symbole der Mitte und Ganzheit tauchen sie oft aus dem Unterbewussten auf.
Dieser Band enthält Aufsätze aus Band 9/1 der Gesammelten Werke von C.G. Jung zu Mandalas.
Im ersten Beitrag bespricht Jung die Mandalas einer Patientin als lebendige Zeugnisse eines Individualisierungsprozesses. Er erschließt die inneren Vorgänge des Mandalas und stellt fest: „Die Bilder stellen eine Art Ideogramme unbewusster Inhalte dar. (…) Während des Malens entwickelt sich das Bild sozusagen aus sich selber und oft sogar im Gegensatz zur bewußten Absicht. Interessant ist es, zu beobachten, wie oft die Ausführung des Bildes bewußte Entscheidungen in überraschender Weise durchkreuzt.“ (S. 73)
Danach gibt Jung einen Einblick in die Vielfalt von Mandalas unterschiedlicher Zeiten und Kulturen. Diese Symbole gehen von derselben Grundgesetzlichkeit aus, so dass Jung davon ausgeht, dass „jenseits des Bewusstseins eine dem Individuum unbewußte Disposition von sozusagen universaler Verbreitung vorhanden sein muss, eine Disposition nämlich, die zu allen Zeiten und an allen Orten im Prinzip die gleichen oder wenigstens sehr ähnliche Symbole zu produzieren vermag.“ (S. 111)
Im abschließenden Essay geht er auf die kulturelle und psychologische Bedeutung von Mandalas ein. Dort kann anhand von vielen Fällen erkennen, wie „die strenge Ordnung eines derartigen Kreisbildes die Unordnung und Verwirrung des psychischen Zustandes kompensiert, und zwar dadurch, dass ein Mittelpunkt, auf den alles hin gerichtet ist, oder eine konzentrische Anordnung des ungeordnet Vielfaches, des Entgegengesetzten und Unvereinbaren konstruiert wird.“ (S. 115)
Dazu werden Mandala-Abbildungen gezeigt. Einige von ihnen wurden von Patient*innen Jungs nach einer Traumserie gemalt, andere sind bewusst aus verschiedenen Kulturen der Erde ausgewählt, um einen visuellen Einblick zu geben und Gemeinsamkeiten zu entdecken.
Dies ist eine gelungene Zusammenstellung der Wirkung von spirituellen Effekten auf das Individuum. Dabei werden Grundgesetzlichkeiten sichtbar, die auch heutige noch für die Psychoanalyse genutzt werden können.
Dies hätte noch durch zusätzliche Sekundäraufsätze vertieft werden können. Zum Beispiel Mandala-Darstellungen im Buddhismus und in anderen fernöstlichen Kulturen oder der Bedeutung des Begriffs Mandala in der westlichen Welt.
Buch 6
Das Mythologie-Buch, DK, München 2021, ISBN: 978-3-8310-4243-2, 26,95 EURO (D)
Dieses Grundlagenbuch über Mythologie, das von verschiedenen Experten zusammengestellt wurde, enthält über 80 Mythen aus aller Welt: von frühen Schöpfungsmythen über klassische Heldensagen bis zum wiederkehrenden Thema des Lebens nach dem Tod.
In der Einleitung wird kurz auf den Ursprung des Wortes Mythos eingegangen und versucht, eine Definition zu finden. Danach werden die Mythen geografisch und historisch geordnet: altes Griechenland, altes Rom, Nordeuropa, Asien, Amerika, Altes Ägypten und Afrika, Ozeanien. Die Mythen werden dabei in einzelnen Kapiteln vorgestellt. Am Ende gibt es noch eine Übersicht von Epen- und Sagengestalten, ein Register und den Zitiernachweis.
Folgende Ergebnisse können daraus gewonnen werden.
Ein Mythos besteht nicht von einem Ursprung ausgehend fortlaufend gleich, sich nur den gegebenen Umständen anpassend. Sondern er bildet sich wie in Etappen immer neu in Bezug auf Errungenschaften und Fortschritt der Menschheit und die dadurch notwendig werdende Reflektion auf den neuen Zustand und die Daseinsbewältigung der Menschen. Ein Mythos ist für Kulturen also notwendig, um sich in ihrer weiterentwickelten Welt zu Recht zu finden. Die Vielfältigkeit und Verschiedenheit einzelner Mythen nimmt ab im Verhältnis zur Beherrschung der Natur durch den Menschen Für eine Weitergabe von Mythen war die Schrift ursprünglich nicht notwendig, einige schriftlose Stämme gaben ihre Mythen über Jahrhunderte hinweg mündlich weiter. Stets geht es darum, die Bedingtheit der menschlichen Natur zu überwinden und einen unbedingten Zustand wiederzugewinnen.
Der Vorteil des Buches ist die große Vielfalt der dargestellten Mythen von Kulturen aus vielen Kulturen der Welt.
Dabei werden zwar religiöse Kulte von Naturreligionen, aber nicht die Mythen der jüdischen, christlichen und islamischen Traditionen veranschaulicht. Ein Schwerpunkt des Buches liegt eindeutig auf Mythen der griechischen Antike.
Es enthält viele Abbildungen und gute Zusammenfassungen für den Einstieg. Die Forschungsergebnisse und Diskussionen über die Bedeutung von Mythen müssen allerdings woanders nachgeschlagen werden.