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Neuerscheinungen Pädagogik, Psychologie und Gesundheit

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

György Hidas/Jenö Raffai/Judit Vollner: Nabelschnur der Seele. Psychoanalytisch orientierte Förderung der vorgeburtlichen Bindung zwischen Mutter und Baby, Psychosozial Verlag, Gießen 2021, ISBN: 978-3-8379-3093-1, 26,90 EURO (D)

Die von den ungarischen Psychiatern György Hidas und Jenö Raffai entwickelte Methode der Mutter-Kind-Bindungsanalyse macht es möglich, im geschützten Raum die Verbindung zwischen der Mutter und dem in ihr entwickelnden Kind herzustellen und zu intensivieren. Im ersten theoretischen Teil werden die Methode, Ziele und Hintergründe erläutert.

Die Mutter-Kind-Bindungsanalyse will die Bedürfnisse des Ungeborenen in der Schwangerschaft unterstützen. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz, der von der Schulmedizin nicht ausreichend in Betracht gezogen wurde. Er geht davon aus, dass es zu einem frühen Zeitpunkt der Existenz des Babys im Mutterleib schon zu ersten Kontakten kommt. Dies erfolgt in beide Richtungen funktioniert und, diese Bindung wird „Nabelschnur der beiden Seelen“ genannt.

Die Bindungsanalyse beginnt etwa nach 5 Monaten der Schwangerschaft. Sie wird in einer Phase der Tiefenentspannung durchgeführt, so dass die Schwangere unter der Aufsicht von psychologischen Fachkräften langsam lernt, die eigene Wahrnehmung zu schulen und ihre körperlichen und seelischen Signale deuten zu können. Dabei tauchen mit der Zeit immer tiefer auftretende auftauchenden Empfindungen, Gefühle, Gedanken und Phantasien auf. Diese inneren Bilder sind ein Weg einer ersten emotionalen Kommunikation zwischen Mutter und Ungeborenem. So lernt die Schwangere, ihrem Baby innere Botschaften zu schicken und auch gleichsam, „Rückantworten“ zu deuten. Dieses wird dann in regelmäßigen Sitzungen intensiviert. Fragen und die Interpretation von Symbolen werden vom begleitenden Fachpersonal analysiert. So lernt die Mutter die Bedürfnisse des Babys kennen und kann Anzeichen von Störungen und Problemen in einem frühen Stadium fühlen und deuten.

Ein Thema steht in fortgeschrittenen Sitzungen vor allem auf der Agenda: die psychische Ablösung aus der Welt der Gebärmutter und Vorbereitung auf die Geburt und der physischen Welt. Das Ereignis der Geburt wird mehrfach durchgespielt und die Vorbereitungen für die notwendigen Anforderungen getroffen. Subjektive Erfahrungen aus der Schwangerschaft werden ebenfalls aufbereitet. Auf diese Weise sollen frühe Traumata auf beiden Seiten verringert oder verhindert werden.

Im zweiten Teil gibt es 15 Erlebnisberichte von verschiedenen Frauen, die von Judit Vollner aus erster Hand aufgezeichnet wurden. Durchgängig ist bei den persönlich gehaltenen und individuellen Erfahrungen zu beobachten: „Ihre Berichte vermitteln dem Leser einen guten Eindruck davon, wie sich eine für sie unbekannte Dimension auftat, ein neuer Kanal, über den sie die Freude, einander zu finden, sowie die Gefühle der Babys, ihre Absichten und sogar ihr Wesen erfahren konnten.“ (S. 14)

Die pränatale Bindungsanalyse ist tiefenpsychologisch und ganzheitlich aufgebaut. wer daran nicht glaubt und sich nur auf die Ansichten der Schulmedizin stützt, der wird mit dem pränatalen Bindungskonzept nichts anfangen können. Für alle anderen, die dafür offen sind, bietet das Buch eine gute Einführung in das Konzept, das von positiven Erfahrungsberichten unterfüttert wird.

Das Buch ist wissenschaftlich geschrieben und enthält Fachausdrücke, die nicht jedem/r Leser(in) geläufig sein werden. Von daher wäre ein Glossar im Anhang wünschenswert gewesen.


Buch 2

Gebhardt/Jungjohann/Schurig: Lernverlaufsdiagnostik im förderorientierten Unterricht. Textkonstruktionen, Instrumente, Praxis, Ernst Reinhardt, München 2021, ISBN: 978-3-497-03053-8, 23,90 EURO (D)

Dieses Praxis- und Lehrbuch beschäftigt sich mit der validen Messung des Lernprozesses von Schüler*innen. Dabei wird das Konzept der Lernverlaufsdiagnostik (LVD) erörtert. Im Gegensatz zur Feststelldiagnostik ist die LVD ein förderdiagnostisches Instrument und kann mittels wiederholter Messungen die Wirksamkeit pädagogischer Interventionen abbilden. Dieses Buch beschreibt, warum diese Form der Diagnostik benötigt wird und stellt verschiedene Anwendungsformen gezielt vor.

Das Buch verfolgt zwei Ziele. Einerseits bietet es eine Hilfestellung, einen passenden Text für die eigene Lerngruppe auszuwählen. Dafür werden Hintergründe zum Lernen und zur Messung von Kompetenzen in der Schule und zum LVD erklärt. Andererseits will das Buch dabei unterstützen, mithilfe der LVD den eigenen Unterricht zu evaluieren und die individuelle Förderung zu verbessern. Es werden Tests für die Lernbereiche Lesen, Rechtschreiben und Mathematik vorgestellt und ihre Unterschiede erläutert. Dabei stehen digitale Verfahren wie Onlineplattformen im Vordergrund, das sie ohne zusätzlichen Zeitaufwand und mit automatisierten Auswertungen anzuwenden sind.

Das Buch beginnt mit einem Abkürzungsverzeichnis und einer Einleitung zum Aufbau und zur Zielsetzung des Buches.

Im ersten Kapitel geht es um grundlegende Begriffe der LVD. Außerdem wird anhand eines Fallbeispiels die Durchführung der LVD im Unterricht sowie die Interpretation kurz erläutert. Danach werden die Herausforderungen der inklusiven Schule der inklusiven Schule und Unterrichtswege vorgestellt. Anschließend geht es um verschiedene Konzepte der formativen Diagnostik und speziell um die LVG und deren Ursprünge. Eine Einführung in die Arbeit und Konstruktionsweise der LVG folgt danach.

Die Textkonstruktionen und die Texttheorie in Bezug auf die LVG werden danach erläutert. Daran anknüpfend werden einzeln bekannte Verfahren zu den Bereichen Lesen, Rechtschreiben und Mathematik präsentiert. Die Anwendung der LVG im Unterricht kommt dann zur Sprache. Dies bedeutet die Vorstellung von Ansätzen und Verfahren für die Bereiche Lesen, Rechtschreibung und Mathematik. Im letzten Kapitel werden noch die Vorteile der LVG für Lehr*innen und Sonderpädagog*innen herausgestellt.

Im Anhang finden sich noch ein Literaturverzeichnis und ein Sachregister.

Die Grundlagen der LVG, die noch nicht allen Lehr*innen und Sonderpädagog*innen bekannt sein dürften, werden ausführlich beschrieben. Darauf aufbauend werden psychometrische und testtheoretische Grundlagen dargelegt sowie konkrete Tests für die Lernbereiche Lesen, Rechtschreiben und Mathematik sowie deren Anwendung beschrieben. Um das spannende Konzept der LVG in den eigenen Unterricht einzuarbeiten, erfordert es jedoch etwas Aufwand, um später von den zahlreichen Vorteilen zu profitieren.


Buch 3

Christiane Hagemann/Michael Werner/Annette Bopp: Vitaleurythmie. Stress bewältigen, Fähigkeiten entwickeln, Gesundheit stärken, 2. Aktualisierte Auflage, aethera, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-8251-8019-5, 22 EURO (D)

Christiane Hagemann und Michael Werner haben mit der Vitaleurythmie eine Methode entwickelt, mit der wir unter den heutigen Lebens- und Arbeitsbedingungen gesund bleiben können. Im beru?ichen Setting fördert sie Teamwork und neue Fähigkeiten, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern und die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen. Buch und Video-Clips entstanden in enger Zusammenarbeit mit der Hamburger Medizinjournalistin Annette Bopp.

In der zweiten Auflage wurde das Konzept der Vitaleurythmie überdacht und an den aktuellen Notwendigkeiten angepasst. Ein vernetztes, systemisches Denken und der Zyklus von Input, Fragen, Bewegen und Erkenntnistransfer sind dabei wichtige Entwicklungsschritte.

Zuerst gibt es Anmerkungen zur zweiten Auflage des Buches und eine Gebrauchsanweisung. Danach werden die Grundlagen, Ziele und Konzept der Vitaleurythmie veranschaulicht.

Vitaleurythmie hilft mit, bei all dem Druck und den Leistungsanforderungen im Alltag Inseln der Ruhe zu finden, um Vitalität zurückzugewinnen, Kraft zu schöpfen, Gelassenheit zu tanken und sich neu zu zentrieren. Vitaleurythmie erfrischt äußerlich wie innerlich. Es sind aufeinander abgestimmte, achtsamkeitsbasierte Bewegungen für jeden Tag, die auch bei chronischem Stress und Erschöpfung wirksam sind. Die Vitaleurythmie besteht auch auf Gesprächen, Erfahrungsaustausch und Input zu Themen wie Stressbewältigung, Körperwahrnehmung und Abgrenzung. Sie aktiviert Fühlen, Denken und Handeln.

Die drei Säulen der Vitaleurythmie (Stress als Problem unserer Zeit, eine Orientierung finden, Handlungsoptionen) werden danach vorgestellt.

Danach folgt die Praxis mit den Übungen. Diese sind für Einzelpersonen und Gruppen konzipiert. Bei den Übungen für Einzelpersonen geht es darum, individuelle Erfahrungen zu machen. Die Team-Übungen sind darauf abgestimmt, in Gruppenprozessen Verhaltensmuster zu verdeutlichen und daraus Konsequenzen abzuleiten. Neben der Selbstwahrnehmung kommt es auch darauf an, die Perspektive des Anderen einnehmen zu können, sich auf Erfordernisse und Regeln einzulassen, flexibel zu sein. Vorab wird die Flow-Übung präsentiert.

Danach folgen die Einzelübungen, die Bausteine sind, aus denen man sein eigenes Übungsprogramm zusammenstellen kann. Sie werden in fünf Schritten beschrieben: Zweck der Übung, Durchführung, Beachtendes, ergänzende Hinweise, Abschluss (nachspüren, wahrnehmen).

Danach kommen die Übsequenzen an die Reihe, die situationsbedingt oder typbezogen eingesetzt werden können. Es sind Übungen für bestimmte Tageszeiten oder für einen bestimmten Zweck. Sie können einzeln oder kombiniert ausgeführt werden.

Das Buch enthält QR-Codes zu Video-Clips mit Übungsanleitungen. Sie sind ab Seite 96 neben den jeweiligen Übungen abrufbar. Auf Seite 24 gibt es einen QR-Code, der zu einem Video führt, das alle Clips in einem Film zusammenfasst.

Im Anhang gibt es noch die Anmerkungen, Literatur, Internet-Adresse, Bezugsquellen und ein Stichwortverzeichnis.

Dies ist ein spannendes neues Buch das auf den bisherigen Erkenntnissen aufbaut und weiterentwickelt wurde. Es legt den Fokus auf gesundheitsfördernde Aspekte und verbindet dies mit Achtsamkeit für sich selbst, seinen Körper und die Seele. Es werden viele der individuellen Übungen verständlich erläutert, die zum körperlichen und mentalen Entspannen und Entschleunigen und zum Aufbau von Lebensenergie beitragen können.


Buch 4

Günter Gödde: Entwicklungslinien psychodynamischer Psychotherapie. Historische Orientierung, aktuelle Situation und zukünftige Perspektiven, Psychosozial Verlag, Gießen 2021, ISBN: 978-3-8379-3103-7, 36,90 EURO (D)

Seit ihren Anfängen im psychoanalytischen Standardverfahren durchläuft die psychodynamische Psychotherapie eine spannungsreiche Entwicklung. In den vielfältigen Auseinandersetzungen zwischen der Tiefenpsychologisch fundierten und der Analytischen Psychotherapie sowie im Verhältnis zur Verhaltenstherapie fordert sie mit ihrem weiten Behandlungsspektrum und ihrer Bedeutung für die psychotherapeutische Versorgung zu einer historischen Einordnung, einer aktuellen Bestandsaufnahme sowie einem perspektivischen Ausblick heraus. Günter Gödde legt dies in diesem Buch vor. Er konzentriert sich selektiv auf vier Entwicklungslinien.

Der erste Teil behandelt die Anfänge psychoanalytischer Psychotherapie und ihre Nachwirkungen. Zunächst wird die von Freud in Auseinandersetzung mit seinem wissenschaftlichen Mentor Josef Breuer vollzogene Wende von der neurologischen zu einem psychodynamischen Paradigma der Hysterie und ihr zugrunde liegender unbewusster psychischer Prozesse vorgestellt. Der Weg von der karthartischen Therapiemethode zum psychoanalytischen Verfahren folgt danach. Die Neuausrichtung von Freuds Therapie-Metaphern und ihrer Botschaften, die mit einer Bedeutungserweiterung und Ausdifferenzierung einhergehen, und die Folgerungen für den Umgang mit der Pluralität therapeutischer Konzepte wird dann skizziert.

Der zweite Teil stellt den Wechsel zur „Zwei-Personen-Psychologie“ und zum intersubjektiven Paradigma dar. Dabei wird die Pluralität von Theoriesystemen und Therapiekonzeptionen von Objektbeziehungstheoretiker über die intersubjektive Wende hin zur Bindungs-, Mentalisierungs- und Säuglings- und Kleinkindforschung nachgezeichnet. Der Takt im intersubjektiven Geschehen der psychodynamischen Psychotherapie besitzt eine programmatische Bedeutung für die emotionale Regulierung der therapeutischen Beziehung. Dies wird danach erläutert. Anschließend werden anhand von Fällen aus der Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie zwei gegensätzliche Formen von Depression und Unsicherheit miteinander verglichen und mithilfe des Konzeptes der Bipolarität zwischen selbst- und objektbezogener Tendenzen beleuchtet.

Im dritten Teil geht es um das therapeutische Konzept der Lebenskunst. Zunächst wird die Bedeutung des impliziten Konzepts näher betrachtet und anhand eines Fallbeispiels verdeutlicht sowie die Nähe zur existentiellen Psychotherapie veranschaulicht. Danach wird der Umgang mit Erinnern (Freud) und Vergessen (Nietzsche) in einem Zwei-Stufen-Modell nutzbar gemacht. In einem ausführlichen Fallbespiel werden dann fünf Stufen eines lebenskunstorientierten Therapieprozesses der Selbstsorge beschrieben.

Der letzte Teil konzentriert sich auf Gegenwart und Zukunft der psychodynamischen Psychotherapie. Modelle und Maßstäbe für Wissenschaftlichkeit und die Frage, ob die Psychotherapie eines Brückenschlags zur Philosophie bedarf und welche Bedeutung impliziten philosophischen Konzepten in der Therapeutik beigemessen werden kann, werden zuerst erörtert. Weiterhin werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Verfahren der Tiefenpsychologisch fundierten und der Analytischen Psychotherapie in ihren historischen und aktuellen Dimensionen dargestellt. Die Polarität zwischen einer Grundhaltung gleichschwebender Aufmerksamkeit und einer unumgänglichen Fokussierung des therapeutischen Prozesses wird danach diskutiert.

In der abschließenden Diskussion betont Gödde die Gemeinsamkeiten der beiden Verfahren der Tiefenpsychologisch fundierten und der Analytischen Psychotherapie, die in der psychoanalytischen Entwicklungs-, Persönlichkeits- und Krankheitstheorie eine gemeinsame theoretische Basis haben. Ebenso stellt er ihre Vorzüge und Nachteile heraus und fragt nach einer Basis der zukünftigen Umgangs der Vertreter beider Richtungen in der Zukunft.

Bei den einzelnen Kapiteln des Buches handelt es sich um überarbeitete Aufsätze und Vorträge aus dem Zeitraum von 1994 bis 2021, die schon als Buch- und Zeitschriftenbeiträge veröffentlicht wurden. Dies ist also eine zusammenhängende Gesamtschau über die psychodynamische Psychotherapie in Historie, Gegenwart und Zukunft. Je nach Vorwissen und Stand der Lektüre der Beiträge von Gödde können also verschiedene Beiträge schon bekannt sein und stellen dann nichts mehr Neues dar.

Für Neulinge ist es eine faktenreiche und anregende Lektüre, bisweilen etwas schwierig ohne Vorkenntnisse.

Der Autor schafft es, eine gewisse neutrale Position zwischen der Tiefenpsychologisch fundierten und der Analytischen Psychotherapie einzunehmen und eine gemeinsame Basis herzustellen, ohne Unterschiede zu leugnen. Das Verbindende steht vor allem bei Zukunftsfragen im Vordergrund. Das Buch ist so konzipiert, dass es wenige abschließende Thesen enthält, sondern Anregungen zur Diskussion stellen will.

Es ist also eine Art Überblickswerk, das nicht abschließende Bewertungen vornehmen will, und auch keine Streitschrift.


Buch 5

Gotthard Fuchs/Irene Leicht: Mut Proben. Inspirationen für ein selbstbestimmtes Leben, Patmos, Ostfildern 2021, ISBN: 978-3-8436-1324-8, 15 EURO (D)

Mut ein ist hohes Gut, gerade in einer Zeit, die viele Menschen als bedrohlich erleben. Und Mut hat viele Gesichter. Gotthard Fuchs, katholischer Priester und Referent und Irene Leicht, evangelische Pfarrerin und Gestalttherapeutin, buchstabieren verschiedene Facetten dieses so wichtigen Gefühls und zeigen seine vielfältigen, vor allem existenziellen, spirituellen, theologischen und therapeutischen Dimensionen auf. Sie wollen in „kleineren und auch größeren Dosen zum Nachdenken anregen und zum eigenen Erforschen und Ausprobieren Impulse geben. Ein mutiges Leben weiß um das Wechselspiel von Innen und Außen, wagt den Kontakt mit dem eigenen Gemüt und handelt dem Erkannten entsprechend. Mut erweist sich als Schlüsselwort.“ (S. 13)

Die einzelnen Abschnitte sind als Dialog von Protestantismus und Katholizismus entstanden und nähern sich assoziativ den verschiedenen Formen von Mut an. Dazu gibt es immer wieder biblische Bezüge und Exkurse in die Geschichte des Christentums und deren Denkern.

Ein paar Beispiele sind Armut, Demut, Heldenmut, Langmut, Lebensmut, Schwermut, Vermutung, Wankelmut oder Zumutung. Die einzelnen Kapitel sind als Dialog anhand dieser Worte gebildet. Im Anhang finden sich noch die Anmerkungen und die Biografie der Autorin und des Autors.

In den tiefgehenden Gesprächen wird den Leser*innen in vielen Bereichen ein differenziertes und handlungsorientiertes Verständnis, das im Leben allgemein und im Alltagshandeln angewendet werden kann. Es sind Inspirationen, um für sich den eigenen Weg zu finden, keine Direktiven.

Das Buch ist speziell auf die christliche Spiritualität und Theologie bezogen, um im Alltag und im Bewusstsein verschiedene Formen von Mut und auch Hoffnung zu verankern. Es gibt wenige Bezüge auf philosophische, spirituelle Denker anderer Religionen oder weltlicher Ethiker. Dies ist schade, denn so würde ein umfassendes Bild geboten.


Buch 6

Cordula und Barbara Ziebell: Schwesternbande. Wie lebendige Schwestern-Beziehungen entstehen können, Knaur, München 2021, ISBN: 978-3-426-21497-8, 14,99 EURO (D)

Ihre Beziehungen zwischen Schwestern können durch große emotionale Nähe, Solidarität und Freude gekennzeichnet sein, aber auch durch Neid, Rivalität und Kontaktabbrüche. Geschwisterliche Erfahrungen und Prägungen begleiten uns überall: in Paar-Beziehungen, in Freundschaften, im Berufsleben. Die Schwestern Cordula und Barbara Ziebell sind in Beratung, Coaching und Therapie erfahren. Sie zeigen uns mit diesem Ratgeber, wie lebendige Schwestern-Beziehungen gelingen können.

Es gibt die verschiedensten Konstellationen: Schwestern können Rivalinnen, Verbündete gegen den Rest der Welt, Übungspartnerinnen im sozialen Trainingscamp der Familie, Vorbilder, unter Umständen Ersatzeltern und vieles andere mehr sein.

Ein eigenes Kapitel widmet sich Schwestern in Groß- und Patchworkfamilien. Jede Form der Patchworkfamilie, hat ihre Besonderheiten. Wenn man Glück hat und es schafft, mit Ritualen und Regelmäßigkeiten für Bindungen zu sorgen, steigt die Wahrscheinlichkeit einer gelingenden neu gemischten Familie.
Enge kindliche Schwesterbeziehungen lockern sich meist in der Pubertät, wenn die Jugendlichen sich mehr am Freundeskreis als an der Familie orientieren und sich verlieben. Negative, belastende und krankmachende Beziehungen zu Schwestern wird man allerdings nicht emotional nur schwer los. Distanz allein ist nicht das Allheilmittel. Schwestern wirken auch, wenn sie nicht da sind. Ob Kontaktabbruch oder Versöhnung – man muss es irgendwie schaffen, mit alten Kränkungen und enttäuschten Erwartungen abzuschließen.

Am angenehmsten ist es natürlich, wenn es einem gelingt, die kindliche Schwesternbeziehung auf eine erwachsene Basis zu stellen: seinen Schwestern respektvoll auf Augenhöhe zu begegnen und sie als erwachsene Menschen wahrzunehmen, nicht mehr als die bestimmenden große Schwester oder als die nervige kleine Schwester, der man nichts zutraut. Dann können aus Schwestern Freunde werden. Dies wird auch in dem Abschnitt größerer Altersabstand von Schwestern berichtet.

Dies alles wird mit verschiedenen Fallbeispielen aus dem Coaching der Autorinnen untermauert.

Die Autorinnen nähern sich dem Thema des Buchs aus einem persönlichen Blickwinkel und ihren Erfahrungsschatz als Coach und untermauern ihre Erlebnisse, Empfindungen und Schlussfolgerungen mit Erkenntnissen aus der Geschwisterforschung/Schwesternforschung. Dabei könnten psychologische Erkenntnisse etwas mehr eingearbeitet werden. Das Gute am Buch ist, dass ein Schwerpunkt sich mit der Neugestaltung von Beziehungen beschäftigt. Aber das Buch ist nicht nur für Problemlösungen von Schwestern selbst hilfreich, sondern auch für Eltern von zwei oder mehreren Töchtern, die tiefer in die Thema Beziehungen zwischen Schwestern eintauchen wollen.