Neuerscheinungen Kultur
Buchtipps von Michael Lausberg
Buch 1
Schwarz, Werner Michael/ Winkler, Susanne (Hrsg.): Der Wiener Prater. Labor der Moderne: Politik – Vergnügen – Technik, Birkhäuser, Basel 2024, ISBN: 978-3-035-62855-5, 55 EURO (D)
Wie kein anderer Ort repräsentiert der Prater die Geschichte Wiens und den Weg zur modernen Großstadt. Die Öffnung 1766 unter Kaiser Joseph II. markierte den Beginn einer neuen Zeit: Von nun an stand das kaiserliche Jagdgebiet allen Wiener:innen zur Erholung und zum Vergnügen offen, für Spaziergänge, Musikdarbietungen sowie Essen, Trinken und Tanz.
Von optischen Apparaturen über Fußball, Ballonflug und Mondrakete bis zu Maiaufmarsch und Blumenkorso wurden hier alle Novitäten erstmals einem großen Publikum vorgestellt; im Wurstelprater, in Theatern, Kinos, Varietés, Zoos, Zirkussen, auf der Weltausstellung 1873, im Vivarium, im Planetarium oder im Stadion. Im Prater verdichten sich die großen Themen des modernen Lebens – das Verhältnis von Natur und Stadt, Mensch und Tier, moderner Technik und menschlichem Körper.
Diese Publikation erscheint zur Eröffnung des neuen Pratermuseums in Wien. Es enthält Beiträge von mehr als 40 namhaften Autor*innen, die mit zahlreichen Abbildungen und Bildstrecken versehen sind.
Diese Beiträge sind in unterschiedlichen Schwerpunkten gegliedert. Im ersten Abschnitt geht es um die Frage „Was ist der Prater?“. Dort werden zum Beispiel seine freie Zugänglichkeit und der Prater in der Fotografie skizziert. Im Bereich „Stadt, Politik, Macht“ werden unter anderem die Stadt- und Verkehrsplanung für den Prater oder der Prater in der NS-Zeit behandelt. Der Abschnitt Natur und Technik beschäftigt sich mit dem Wiener Planetarium im Prater oder dortige Fahrgeschäfte und Technik.
Der Bereich Tiere beinhaltet unter anderem das Affentheater im Prater oder den Flohzirkus im K.K. Prater. „Körper und Lust“ stellt Sex im Prater oder die Ringkämpfe im Zirkus dar.
Danach steht Kultur und Theater im Vordergrund. Dort werden die drei Kaffeehäuser in der Prater Hauptstraße oder der Einzug des Kinos in den Prater behandelt. Zum Schluss bieten drei Beiträge einen Einblick in das neue Pratermuseum.
Im Anhang werden noch die Autor*innen biografisch vorgestellt. Literaturhinweise finden sich am Ende der Beiträge.
Dieses Buch dokumentiert die vielfältige und abwechslungsreiche Geschichte des Praters in Wort und Bild. So entsteht ein Panorama, das das Bild eines prägenden Elementes der in vielerlei Hinsicht transportiert und bislang eher unbekannte Facetten freilegt. Als Hintergrundband zum Besuch des Pratermuseums ist es zu empfehlen.
Buch 2
Fabian Freytag: Gently Radical. Interior Design, Callwey, München 2024, ISBN: 978-3-7667-2701-5, 59,95 EURO (D)
Der renommierte und mehrfach ausgezeichnete Interior Designer Fabian Freytag teilt seine Expertise und gibt wertvolle Tipps zur Auswahl von Möbeln, zur Gestaltung von Wänden und Böden sowie zur Auswahl von Dekorationselementen. Es werden nicht nur grundlegende Design-Prinzipien vermittelt, sondern auch praktische Anleitungen zur Umsetzung geboten.
Zu Beginn gibt er einen Rückblick auf seine bisherige berufliche Karriere als Desginer, der sich mit Räumen und Gestaltung beschäftigte und den Aufbau seines Studios. Danach berichtet er, woher er seine Inspirationen bekommt und wie man daraus interessante Konzepte gestaltet, gepaart mit großformatigen Bildern. Dies sind Venedig, Santa Margherita, GS195, eine Villa, Bad Gastein, Sénéquier und Sube, Reid’s Palace, Raffles-Sofa, Martini Table, Willy-Rizzo-Couchtisch, Sintra, Halston, Milan Design Week, Marrakesch.
Anschließend werden seine Themen, die sich wiederholen, und Beobachtungen des innenräumlichen Alltags dargestellt. Zum Beispiel die Gemeinsamkeiten von Drinks und Design in der Mischung, das Spielen mit Lichtquellen oder Willy Rizzos Design als Lebenseinstellung.
Seine 10 Gebote des Einrichtens, Ratschläge und auch häufig begangene Fehler kommen dann zur Sprache.
Fabian Freytag präsentiert dann ein exklusiv für dieses Buch umgestaltete Penthouse. Die Leser*innen erfahren hier, wie sie die richtigen Möbel finden, vor allem einzigartige Vintage-Stücke, und wie sie diese geschickt kombinieren. Es gibt großformatige Bilder von verschiedenen Räumen zu der vorherigen und jetzigen Gestaltung und Tipps.
Anschließend werden umgesetzte Projekte der letzten Jahre mit Bildern vorgestellt. Unter anderem sind dies die Fabian Freytag Suite in Berlin, panoramischer Kokon in Frankfurt/Main oder das Studio 16 in Berlin. Danach wagt er ein Experiment mit dem Medium KI, das die Art zu entwerfen verändern wird. Dazu gibt es Tipps und ein Resümee.
Menschen, die ihn inspirierten und auf ihre Art Pioniere sind, kommen in einem Gespräch mit vorgefertigten Fragen zu Wort. Orte, die ihn inspirierten, schließen sich an. Dies sind Messen, Geschäfte und Galerien, Internetplattformen.
Möbel aus den 1970er Jahren und ihre Designer werden zum Schluss noch vorgestellt.
Die Räume des Penthouses spiegeln eine Vielzahl von Designstilen wider, doch es gibt einen Zusammenhalt, der dazu führt, dass jeder von ihnen auf sehr einheitliche Weise zusammenkommt. Es gibt eine schöne Mischung aus farbenfrohen und neutralen Räumen, und jeder Raum fließt anmutig in den nächsten. Dazu gibt es eine gute Fotografie, die schöne visuelle Eindrücke ermöglichen. Dies ist der Höhepunkt dieses farbenfrohen Werkes, das bestens als Inspirationsquelle dienen kann.
Buch 3
Made in Japan. Farbholzschnitte von Hiroshige, Kunisada und Hokusai, Deutscher Kunstverlag, Berlin 2024, ISBN: 978-3-422-80183-7, 42 EURO (D)
Motive aus japanischen Farbholzschnitten sind längst Teil der Pop- und Konsumkultur: Ansichten des Fuji, Impressionen des Kirschblütenfests und Porträts von sagenumwobenen Kriegern sind Teil unserer Bildwelt. Sie prägen unsere Vorstellungen von Japan. Von dieser Kunstrichtung geht eine Faszination aus, die seit 200 Jahren fortwährt und von der auch Dr. Carl Mettler (1877–1942) in den Bann gezogen wurde. Fast gänzlich im Verborgenen trug der Basler Chemiker eine umfangreiche Sammlung dieser Holzschnitte zusammen. Zum grössten Teil ist es ihm zu verdanken, dass das Kupferstichkabinett heutzutage rund 350 Originale dieser einzigartigen Kunst beherbergt. Einige der ehemals in hohen Auflagen gefertigten Drucke sind weltweit nur noch in wenigen Exemplaren – und wie bisher unbekannt – in Basel zu finden.
Die Ausstellung bildet einen Querschnitt durch das 18. und 19. Jahrhundert ab, der Hochblüte des japanischen Farbholzschnittes. Katsushika Hokusai (1760–1849) dürfte der bekannteste Vertreter sein. Das Œuvre von Utagawa Hiroshige (1797–1858) verhalf dem Medium in Europa ebenso zu grosser Bekanntheit. Zu Lebzeiten war Utagawa Kunisada (1786–1865) der produktivste und der erfolgreichste unter ihnen. In unseren Breiten weitaus weniger bekannt sind Künstler wie Tōshūsai Sharaku oder Utagawa Kuniyoshi (1798–1861), die wie Kunisada ausdruckstarke Bilder von Schauspielern und anderen idealisierten Figuren anfertigten. Ferner sind Protagonisten aus actiongeladenen Heldengeschichten zu bestaunen, die an Graphic Novels erinnern. In Mettlers Kosmos durften auch Hiroshiges ikonische Serien 53 Stationen des Tōkaidō und Ansichten von Edo nicht fehlen: Sie zeigen Impressionen im Wechsel der Jahreszeiten in Edo (heute Tokio) und entlang der Überlandstrasse Tōkaidō, die den Regierungssitz Edo mit der kaiserlichen Hauptstadt Kyōto verbindet.
Das Kunstmuseum Basel bietet Ihnen mit Made in Japan die Möglichkeit, eine vermeintlich bekannte Kunstform neu zu entdecken, denn auf der Reise ins Land der aufgehenden Sonne lernen Sie eine hochkarätige Sammlung japanischer Farbholzschnitte kennen.
Dies ist der offizielle Katalog zur Ausstellung, die im Zeitraum von 16.03.–21.07.2024 zu sehen ist.
Nach einem Vorwort und einem Grußwort stellt Judith Rauser die japanischen Holzschnitte im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel und die Sammlung Mettler in einem Essay vor.
Danach werden die japanischen Holzschnitte nach verschiedenen Themen geordnet dargestellt. Dies sind die Bereiche „Auf dem Weg“, „In der Stadt“, „Aus dem Leben“, „Schön sein“, „Im Detail“, „Auf der Bühne“, „Starkult“ und „Held sein“. Jeder der Bereiche wird durch einen kurzen Text eingeleitet, danach folgen die Exponate.
Dazwischen gibt es noch ein Essay über das Kabuki-Theater und die Schauspielerdrucke.
Im Anhang finden sich ein Verzeichnis der ausgestellten Werke, ein Glossar, eine Bibliografie und der Bildnachweis.
Dieses Buch präsentiert wichtige Vertreter des japanischen Farbholzdruck mit Entstehungsgeschichte und wichtigen Perioden. Es zeigt dies an einer großen Zahl sehr guter Abbildungen. Zu jeder Abbildung gibt es eine genaue Inhaltsbeschreibung und Angabe, wie das Werk in der japanischen Kunst einzuordnen ist.
Für Interessierte, die sich zunächst einmal einen Einblick in diese faszinierende Spielart der japanischen Kunst verschaffen wollen, ist das Buch geeignet.
Buch 4
André Franquin: Spirou und Fantasio Gesamtausgabe Neuedition 4, Carlsen Verlag, Hamburg 2024, ISBN: 978-3-551-80100-5, 34 EURO (D)
Zu André Franquins Geburtstag, der sich im Januar 2024 zum 100. Mal gejährt hätte, werden die ersten Bände der Spirou-Gesamtausgabe in ein neues Gewand gehüllt. Dadurch erhalten die Bände 1–8, die die ganze Franquin-Ära der Serie abbilden, ein neues Erscheinungsbild und werden gestalterisch überarbeitet.
Franquin prägte ab 1946 das Erscheinungsbild der Serie Spirou und wurde zu einem der bekanntesten europäischen Comic-Künstler. Neben den frühen Abenteuern des berühmten Hotelpagen Spirou und des Fotoreporters Fantasio werden in der Gesamtausgabe auch ausführliche Texte zur Serie und seltenes Bildmaterial abgedruckt.
Der vierte Band der Gesamtausgabe deckt die Franquin-Jahre 1952-1954 ab und damit die Abenteuer "Das Versteck der Muräne", "Tiefschlaf für die ganze Stadt" und "Goldminen und Gorillas".
In „Das Versteck der Muräne“ nehmen Spirou und Fantasio gemeinsam mit dem Grafen von Rummelsdorf an einem Wettbewerb zum Bau eines Unterwasserfahrzeugs teil. Sehr bald müssen sie jedoch feststellen, dass es dabei nicht gerade mit rechten Dingen zugeht. Auf dem Meeresgrund stößt Spirou in einem Wrack auf das Versteck des Gangsters John Helena - genannt »die Muräne«.
In „Tiefschlaf für die ganze Stadt“ geht es nach Incognito-City - die Stadt der Filmstars und Milliardäre. Hier verbergen sich die Prominenten vor der lästigen Neugier und Aufdringlichkeit der Journalisten. Für den Reporter Fantasio ist es also eine besondere Herausforderung, über diesen streng bewachten Zufluchtsort eine Reportage zu machen. Doch wie Fantasio, Spirou und das Marsupilami schnell bemerken, interessieren sich auch andere für die Bewohner von Incognito-City.
In „Goldminen und Gorillas“ gehen Spirou, Fantasio und das Marsupilami auf Fotosafari nach Afrika. Am Fuße des Kilimakali wollen sie Gorillas in freier Wildbahn beobachten. Als sie jedoch zur Goldmine von Molomonga kommen, hören sie von geheimnisvollen Gerüchten. Handelt es sich bei den Gorillas um Menschenfresser?
Dieser neue Band der Gesamtausgabe rund um Spirou und Fantasio liefert diesmal zahlreiches interessantes Zusatzmaterial. Es ist systematisiert in neuer verbesserter Aufmachung als Comic-Sammlung.
Das Format ist O.K, es könnte vielleicht etwas größer sein. Aber auch so können die Geschichten von Jung und Alt bewundert oder wiederentdeckt werden.
Buch 5
Malte Letz/Juliane Lippok: Globales Lernen im Museum. Ein Praxisleitfaden, transcript, Bielefeld 2024, ISBN:978-3-8376-7080-6, 29 EURO (D)
Globales Lernen in Museen hat das Ziel, die historisch bedingten Verbindungen zwischen Globalem Norden und Globalem Süden sichtbar zu machen und daraus Perspektiven für eine gemeinsame Zukunft zu entwickeln.
Malte Letz und Juliane Lippok stellen basierend auf der langjährigen Arbeit des Jugend im Museum e.V. erstmals einen Werkzeugkasten vor, der es Praktiker*innen der entwicklungspolitischen Bildung sowie der Bildung und Vermittlung in Museen ermöglicht, gemeinsam Projekte zu realisieren.
In der Einführung werden Gründe für das Globale Lernen in Museen genannt. Die beiden anschließenden Kapitel dienen dem Einstieg in die Bildungsbereiche. Das erste stellt wesentliche Merkmale der entwicklungspolitischen Bildung dar. Das zweite geht über Bildungs- und Vermittlungsarbeit in Museen in Bezug auf das Globale Lernen. Dies besteht aus Handreichungen für die politische Arbeit, theoretische Hintergründe werden dann einbezogen, wenn es zum Verständnis notwendig ist. Infokästen haben vertiefende Informationen.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wie Globales Lernen im Museum definiert ist und welche Formen existieren. Daran anknüpfend widmen sich die beiden folgenden Kapitel der Frage, wie Globales Lernen im Museum durch die Zusammenarbeit von Fachkräften der entwicklungspolitischen Bildung und der Abteilungen für Bildung und Vermittlung methodisch und organisatorisch umgesetzt werden kann.
Bei der Realisierung jeder Projektarbeit spielen Evaluation und Finanzierung eine wichtige Rolle, dies steht im Mittelpunkt des nächsten Kapitels. Ein Ausblick auf die Perspektiven rundet den Leitfaden ab.
Der Leitfaden verwendet verschiedene Icons, die auf den ersten Seiten erklärt werden. Den Code für Zusatzmaterialien ist auf Seite 10 zu finden.
Im Anhang finden sich noch ein Literaturverzeichnis, ein kleines Glossar, das den Zugriff auf Schlüsselbegriffe erleichtert, eine Vita der Herausgeber*innen und ein Abbildungsverzeichnis.
Der Praxisleitfaden entwickelt das Globale Lernen aus drei Perspektiven: aus der Sicht der Vermittlung in Museen, der entwicklungspolitischen Bildung und einer hybriden Perspektive der beiden erstgenannten. Dies wird anhand von ausgewählten Praxisbeispielen gut illustriert. Es stellt die Perspektivenvielfalt globaler Herausforderungen dar und ist motivierend, sich für die Transformation wirtschaftlicher und politischer Strukturen einzusetzen.