Neuerscheinungen Diverses
Buchtipps von Michael Lausberg
Buch 1
Miriam Wurster: Schrei mich bitte nicht so an. Gesammelte Cartoons, Verlag Antje Kunstmann, München 2024, ISBN: 978-3-95614-588-9, 24 EURO (D)
Miriam Wurster arbeitet für zahlreiche Magazine und Zeitungen, u.a. Titanic, Spiegel online, Charlie Hebdo, Stern und Süddeutsche Zeitung. 2015 wurde sie mit dem Deutschen Karikaturenpreis in Silber ausgezeichnet, 2018 mit dem Karikaturenpreis der deutschen Zeitungen und 2020 mit dem Geflügelten Bleistift in Silber.
"Schrei mich bitte nicht so an!" versammelt erstmals ihre besten Karikaturen und Cartoons. Ein Buch, so lustig wie ein Besuch im Knallfroschmuseum, so politisch wie Karriere und Konfitüre, so heiter wie Banksy im Urlaub und so verkäuflich wie Eier, Öl und Erdnüsse.
Vorne gibt es eine kurze Einleitung und am Ende eine kurze Biografie der Autorin.
Die Comics werden auf einer Seite oder zwei auf einer Seite dargestellt. Manche sind schwarz-weiß, andere überaus farbenprächtig.
Die Arbeiten von Miriam Wurster sind sehr vielfältig. Gesellschaftliche Themen wie Krieg oder selbstfahrende Autor, kulturelle Sachen, Szenarien der Regierung Merkel oder die Quasi-Diktatur Erdogans und die fehlende Pressefreiheit oder Märchenszenen genauso wie Tierisches gibt es dort zu entdecken. Manchmal gibt es auch Bilderstrecken wie Mushroom Park über die Regeln des Pilzesammels.
Die Figuren begleitet etwas Absurdes und Groteskes, vor allem in den Szenen des Alltags oder Beziehungen zwischen Mann und Frau.
Einige Sachen sind nicht nur unterhaltsam und regen zum Nachdenken an. Die Situationskomik ist herrlich und das Zeitgeschehen wird bissig und zugespitzt kommentiert.
Ein kurzweiliges lustiges Buch, das die augenblicklichen Krisen und Probleme karikiert und ihnen etwas Leichtigkeit verleiht.
Das Format des Buches hätte aber ruhig größer sein können.
Buch 2
Szczepan Twardoch: Kälte, Roman, Rowohlt, Berlin 2024, ISBN: 978-3-7371-0188-2, 26 EURO (D)
Szczepan Twardochs Roman ist eine Zeitreise durch die Sowjetunion dargestellt am Leben von Konrad Wilgelmowicz Widuch, der Hauptfigur der Geschichte und gleichzeitig ein Abenteuerwerk des Lebens im hohen Norden.
Der Roman wird aus der Perspektive mehrerer Erzähler dargestellt. Dabei dominiert die Sicht von Konrad Wilgelmowicz Widuch, aber auch Twardoch selbst kommt zu Wort.
Das Leben von Widuch Anfang des 20. Jahrhunderts wird skizziert. Er trat in die Marine von Kaiser Wilhelm II. ein, um im Ersten Weltkrieg zu kämpfen. Er entdeckt die Ideale der bolschewistischen Revolution für sich und flieht in die Sowjetunion. Hier kämpft er an der Front des polnisch-sowjetischen Krieges von 1920 für eine sozialistische Welt ohne Ausbeutung. Im Krieg trifft er die Liebe seines Lebens – Sofia eine belesene und leidenschaftliche Revolutionärin, die ihn in die Welt der politischen Literatur einführt. Die beiden heiraten, Sofia bringt zwei Töchter zur Welt.
Unter Stalins Herrschaft und der zunehmende Terror verliert er alles, den Glauben an die Sowjetunion, seine junge Familie, die Zukunft. Er und Sofia versuchen, der behördlichen Überwachung zu entkommen und verlassen Moskau. Sie flüchten nach Murmansk in die Weiten des Nordens. Widuch gelingt es, seine Frau und seine Töchter über das arktische Meer zur Flucht zu verhelfen und landet selbst in einem Arbeitslager. Für den Rest seines Lebens wird er nicht wissen, ob seine Familie überlebt hat.
1937 flieht Widuch nach einem Jahr aus dem Lager und begibt sich auf eine äußerst gefährliche und für die überwältigende Mehrheit der Ausbrecher zum Scheitern verurteilte Reise durch den eisigen Norden, die Weiten der Taiga, einer atemberaubend schönen wie tödlichen Welt. Zusammen mit der Russin Ljubow und dem mitgeflohenen Gabaidze wird er von den Ljaudis gefunden. Bei der indigenen Gesellschaft entdeckt Widuch ein fremdes Leben voll arktischer Exotik, ungeahnter Stille, eine Welt mit unbegreiflichen Göttern; der versehrte Gabaidze wird zum Schamanen. Als ein russisches Flugzeug landet, müssen Widuch und die schwangere Ljubow sich wehren und sind bald wieder auf der Flucht, allein im höchsten Norden.
Dies ist ein mehrdimensionaler Roman mit einer komplexen, diachronen Erzählung. Er hat eine vielschichtigen Struktur und Erzählung, die auf mehreren Ebenen ausgeführt wird. Die dichte Beschreibung der Landschaft lässt diese vor den Augen der Leser*innen Wirklichkeit werden, dies ist das größte Plus des Romans.
Buch 3
Jo Eckardt: Doch die Liebe bleibt. Ein Begleiter durch die Zeit des Trauerns und Abschiednehmens, Scorpio Verlag, 2024, ISBN: ISBN 978-3-95803-576-8, 18 EURO (D)
Die Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen braucht ihre Zeit. Oft ist dies eine Zeit der Sprachlosigkeit, der Verzweiflung, der Angst und auch der Wut. Als Hinterbliebene*r möchte man den Schmerz nicht mehr spüren müssen, die Zeit zurückdrehen, aber auch irgendwann den Schock überwinden, Klarheit gewinnen und sein Leben weiterleben. Die Wege dahin sind so einzigartig wie die Menschen.
Dieses Buch ist eine einfühlsame Hilfe und gibt Denkanstöße auf diesem Pfad. Mithilfe gezielter Fragen leitet Jo Eckardt dazu an, eigene Gedanken und Gefühle festzuhalten Nach und nach entsteht ein sehr persönliches Buch, das den Trauernden oder die Trauernde durch eine schwere Zeit begleitet und den Schmerz lindert, denn zugelassene Trauer ist gesund und heilend.
Und am Ende ist dieses Buch auch ein Behältnis, in dem man seine Liebe bewahrt und Zeugnis über den Menschen, der einem so wichtig war.
Das Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil geht es um die Elemente des Trauerprozess von dem Finden des Anfanges bis hin zu den Jahrestagen. Dazu gibt es immer Fragen und Platz zum eigenen Ausfüllen.
Der zweite Teilbereich beschäftigt sich mit Wissen über Trauer. Basierend auf die Erkenntnisse der Trauerforschung werden zunächst die verschiedenen Stufen der Trauer von Schock bis Versöhnung und Heilung dargestellt.
Der Unsinn des Todes, Rituale, Abschied, der Umgang mit anderen und Kinder und Trauer folgen. Ein persönlicher Abschluss schließt das Buch ab.
Das Buch erfüllt seinen Anspruch, zu helfen, die eigenen Gefühle zu bewältigen. Es hat den Vorteil, dass es den Rahmen zu persönlicher Trauerbewältigung bietet. Es ist also ein angeleitetes Mitmachbuch, das alle Phasen der Trauer umfasst.
Buch 4
Barbara Iland-Olschewski: Abenteuerspaß mit Conni 1: Conni im Ferienlager, Carlsen, Hamburg 2024, ISBN: 978-3-551-19171-7, 12 EURO (D)
Dies ist der erste Band aus der neuen Serie Conni. Begleitet wird die Geschichte von Illustrationen von Sabine Legien.
Conni ist nervös: Sie fährt ganz ohne Paul, Anna und Billi ins Nachhaltigkeits-Feriencamp auf dem Gelände des alten Kieswerks. Nicht einmal Jakob darf mitkommen. Ob sie wohl neue Freundschaften schließen kann?
Zum Glück lernt sie schon bei ihrer Ankunft auf dem Parkplatz Tamino und seinen Vater Alexandros kennen. Alexandros wird für die Kinder und die erwachsenen Aufsichtspersonen im Camp kochen - in einem Zelt! Bald schon trifft Conni die anderen Kinder und stellt erschrocken fest, dass diese schon kleine Gruppen gebildet haben. Zum Glück sind cie alle sehr nett, wie auch die Campleitung Nahla, Bufdi Svea und Sozialarbeiter Mucki. Für die ein oder andere Überraschung sorgt Nahlas Hund Boing.
Das Ferienlager wird für die Gruppe etwas Besonderes. Die Themen Nachhaltigkeit und Achtsamkeit für die Umwelt stehen neben dem Spaß im Mittelpunkt.
Conni und ihre neuen Freunde Lotte, Ben, Sven und Mucki und viele andere erleben zusammen Abenteuer und finden Spaß an verschiedenen neuen Freizeitbeschäftigungen. Vor allem das Upcycling, das nach der Geschichte noch in Ideen zum Selbermachen gipfelt.
Das Buch ist relativ umfangreich, aber in viele Kapitel unterteilt, die sich kindgerecht einzeln lesen lassen. Die Geschichte ist spannend, Conni erlebt Gemeinschaft und findet viele neue Freunde. Die Illustrationen sind gelungen, leider nur in schwarz-weiß gehalten.