Neuerscheinungen Diverses
Buchtipps von Michael Lausberg
Buch 1
Edward Rutherfurt: Das Reich der Mitte. Der große China-Roman Droemer, München 2022, ISBN: 978-3-426-28274-8, 32 EURO (D)
Der historische Roman von Bestseller-Autor Edward Rutherfurd entführt ins chinesische Kaiserreich des 19. Jahrhunderts und erzählt vom Zusammenprall von Ost und West, der schließlich zur Entstehung des heutigen China führte.
Der Roman vor weniger als 200 Jahren mit den Ereignissen vor den Opiumkriegen und führt in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Menge der verschiedenen Charaktere oder Handlungsstränge kann hier nicht im Einzelnen wiedergegeben werden.
Der Schwerpunkt der Handlungsstränge ist, wie Großbritannien und andere westliche Mächte versuchten, China zu kolonisieren, was zu mehreren Kriegen führte und chinesische antikoloniale Reaktionen und Aktionen hervorruft.
Die Handel mit Opium und die Vorgeschichte des Ersten Opiumkrieges wird an der Sichtweise verschiedener Personen deutlich. Der Erste Opiumkrieg war ein militärischer Konflikt zwischen Großbritannien und dem Kaiserreich China der Qing - Dynastie von1839 bis 1842. Als Ergebnis des Kriegs wurde China zur Öffnung seiner Märkte gezwungen. Durch die Niederlage im ersten Opiumkrieg verlor China die politische Unabhängigkeit in Bezug auf die Handels-, Sozial- und Außenpolitik. Es führte zu einer Erschütterung des seit Menschengedenken währende sinozentrische Weltbild der Chinesen. Die 1840er Jahre waren geprägt durch das Zusammenbrechen der inneren Ordnung aufgrund von Unzufriedenheit, Bevölkerungsexplosion und inadäquater Industrialisierung. Es entstanden außerdem Geheimgesellschaften und verschiedene Aufstände brachen vermehrt aus. Alleine der Taiping-Aufstand von 1851 bis 1864 forderde 20 Mio. Opfer überwiegend aufgrund von Hunger.
China geriet mehr und mehr auf das Niveau einer Kolonie. Das über zwei Jahrtausende andauernde Kaisertum war in einer schweren Krise: Die konfuzianische Herrschaft stützt sich vor allem auf das Ansehen des Kaisers – die letzten Kaiser der Qing-Dynastie mussten zu viele Gesichtsverluste hinnehmen und büßten erheblich an Prestige ein. Vor allem in den letzten Jahren des ausgehenden 19. Jahrhunderts kam es zu einer Demütigung Chinas nach der anderen: 1895 die Niederlage gegen Japan im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg der Boxeraufstand 1900 und das mit ihm verbundene Protokoll von 1901. Die Qing-Dynastie war Anfang des 20. Jahrhunderts am Ende und musste dem Ruf nach Reformen nachgeben.
Dieser Roman bietet einen guten Überblick über Chinas Begegnung mit dem Westen, was einen Konflikt zwischen den traditionellen Werten des Landes und der Notwendigkeit einer Modernisierung angesichts der Bedrohung forciert. Die Episoden bieten gute Einblicke in die chinesische Kultur und den britischen Kolonialismus. Der Boxeraufstand aus deutscher Perspektive ist leider etwas dünn. Dennoch ist ein gutes Panorama für alle diejenigen, die sich nicht mit China und seiner wechselvollen Geschichte im 19. Jahrhundert auskennen.
Buch 2
Christine und Michael Hlatky: Bergwandern mit Hund. 40 Touren in ganz Österreich, Anton Pustet, Salzburg 2022, ISBN: 978-3-7025-0709-1, 22 EURO (D)
Dieser Wanderführer für alle Hundebesitzer, die hoch hinaus wollen, bietet 40 Touren in ganz Österreich. Diese haben unterschiedliche Anforderungen: Touren von zwei bis drei Stunden, drei bis fünf Stunden und länger als 5 Stunden. In den vorderen und hinteren Innenseiten werden in geografischen Karten die Touren gezeigt.
Vor der Präsentation der Touren werden grundlegende Informationen gegeben: Es werden Piktogramme, die auf einem Blick die wichtigsten Anforderungen erkennbar machen, gezeigt. Anforderungen nach Länge, je ein Piktogramm zum Achten auf genügend Wasservorrat, Kontakt mit frei laufendem Weidevieh und flüchtendes Wild. Informationen zur Planung wie Karten, Anfahrtsbeschreibung, Übernachten folgen danach. Weiterhin werden Vorsichtsmaßnahmen beim Wandern mit Hund, die notwendige Ausrüstung, der alpine Notruf, rechtliche Aspekte wie ggf. Maulkorb- und Leinenpflicht, Beaufsichtigungspflichten etc. und die richtige Ernährung und Ausrüstung des Hundes.
Danach werden die Touren in einzelnen Kapiteln vorgestellt:
In der Kurzbeschreibung werden besondere Anforderungen wie Trittsicherheit oder steiles Gelände beschrieben. Zu jeder Wanderung gibt es eine Kartenskizze. Die Zeitangaben beziehen sich auf reine Gehzeit ohne Rast. Die Anfahrtsbeschreibung ist auf private PKWs beschränkt. Es gibt eine ausführliche Wegbeschreibung als Text mit Rastmöglichkeiten, Varianten und Charakter der Tour. Ebenso gibt es mehrere Bilder.
Im Anhang gibt es eine Auflistung hundefreundlicher Übernachtungsmöglichkeiten und ein Tourenverzeichnis und Schwierigkeitsgrade geordnet nach Bundesländern. Außerdem ein Hinweis auf geführte Bergwanderungen, Alpenüberquerungen, Abenteuerwanderungen und Schneeschuhtouren für Hundebesitzer anbieten.
Es sind sehr viele Wanderungen in dem Buch vorhanden, die die gesamte Alpenrepublik abdecken mit allen möglichen Informationen bis auf Zeichnungen von Höhenprofilen. Gut ist, dass es Touren sind, wo Hunde nicht so lange der Sonne ausgesetzt sind. Die Wanderungen sind in ihrem Schwierigkeitsgrad zwar für Mensch und Hund bewertet, wobei die Einschätzung der Schwierigkeit auch individuell je nach Kondition und Bergerfahrung bewertet werden sollte.
Buch 3
Mac P. Lorne: Jack Bannister. Herr der Karibik. Historischer Roman, Knaur, München 2022, ISBN: 978-3-426-52874-7, 17,99 EURO (D)
Nach seinem erfolgreichen historischen Roman über Francis Drake ist nun ein neues Werk erschienen, was der geschichtlichen Seefahrt treu bleibt.
In seinem opulenten historischen Abenteuerroman lässt Mac P. Lorne das goldene Zeitalter der Piraterie im 17. Jahrhundert in der „neuen Welt“, speziell in der Karibik lebendig. Werden.
In höchster Not übernimmt der Erste Offizier Jack Bannister das Kommando, als sein Handelsschiff auf der Heimreise aus der Karibik von Piraten angegriffen wird. Im buchstäblich letzten Moment gelingt es ihm, die Freibeuter abzuwehren.
Zurück in London, ernennt ihn die Royal African Company zum Kapitän der Golden Fleece, einer neuen, schwer bewaffneten Galeone.
Jack ahnt nicht, dass er die Beförderung vor allem den Affären seiner jungen Frau verdankt. Als er auf einem frivolen Maskenball Zeuge ihres Verrats wird, sagt Jack nicht nur der mächtigen Company den Kampf an, sondern auch dem Königshaus der Stuarts und der als unbesiegbar geltenden Royal Navy.
Für unkundige Leser baut der Autor eine Menge Hilfsmittel ein. Eine geografische Karte, die Bezeichnung der Seen eines Schiffes im 17. Jahrhundert, ein Personenregister, ein Glossar für Fachausdrücke und eine kurze Biografie. Hilfreich ist dies und vor allem die historischen Anmerkungen des Autors.
Jack Bannister, den es wirklich gab, kommt in den Charakterdarstellungen des Autors meist besser weg als es sein Ruf bei den Kolonialmächten war. Letztere nehmen eher die Rolle der Bösewichte ein, die Leser erleben die Abenteuer aus Bannisters Sicht.
Der Autor will zwar die Schilderungen an die tatsächlichen Geschehnisse anlegen, aber gerade die Fiktion und Phantasie macht den Reiz von Piratenromanen aus. Natürlich ist auch dieser Abenteuerroman ein wenig überzeichnet, und kommt mit romantischen Verklärungen daher, wie die Erzählfigur des mutigen, freien und unerschrockener Piraten üblich.
Aber der Autor will auch keine Biografie auf Faktenbasis liefern, in erster Linie unterhalten. Was ihm auch gelingt: Der historische Roman ist spannend geschrieben und kurzweilig, enthält einige unvorhersehbare Wendungen.
Mac P. Lorne hat die Gabe der bildhaften Erzählung, so dass das geschriebene Wort sofort Atmosphäre und Kopfkino erzeugt.