Skip to main content Skip to page footer

Neuerscheinungen Architektur und Kreativität

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Matthias Horn/Cornelie Hellstern: Ausgezeichneter Wohnungsbau. Wohnbauten des Jahres 2021, Callwey, München 2021, ISBN: 978-3-7667-2531-8, 98 EURO (D)

Der „Award Deutscher Wohnungsbau“ ist die erste Architektur-Auszeichnung für Auftraggeber im Bereich Geschosswohnungsbau. Sie versammelt die besten 50 realisierten Wohnungsbau-Projekte verschiedener Kategorien, ausgewählt von einer Fachjury. Erstmals wird dabei der gesamte deutschsprachige Raum berücksichtigt.

Nach einem Vorwort analysiert Matthias Horx die Verwandlung der Städte und des flachen Landes im Post-Corona-Zeitalter. Danach werden die Mitglieder der diesjährigen Jury vorgestellt.

Zwei erste Preise wurden dieses Jahr verliehen. Einerseits an das Projekt von Cape mit schleicher .ragaller Architekten für ein Wohn- und Werkhaus in Schwaikheim bei Stuttgart, das Wohnen und Arbeiten vereint. Es wurde zum großen Teil aus nachwachsenden Rohstoffen gebaut. Alle Wohnungen sind großzügig nach Süden geöffnet, was zusammen mit der hoch gedämmten Gebäudehülle und einer Wärmepumpenheizung einen minimierten Energiebedarf bewirkt.

Andererseits an das Projekt des Architekturbüros einszueins architektur ZT GMBH aus Wien. Sein Anspruch „Wir bringen Dorf in die Stadt“ stellt das gemeinsame Leben in den Mittelpunkt, bei der Alltägliches wie Kulturelles geteilt wird. Dem im Erdgeschoss befindlichen Veranstaltungssaal kommt dabei die zentrale Rolle zu, ein gemeinsames Kulturprogramm zu pflegen.

Danach folgen drei Anerkennungen, bevor die ausgezeichneten Projekte in folgenden Bereichen vorgestellt werden: Experimenteller Ansatz, Generationenwohnen, innovative Fassade, ländlicher Raum, Mischnutzung, modularer Wohnungsbau, nachhaltiges Energiekonzept, Nachverdichtung, Premiumwohnen, Quartiersentwicklung, Revitalisierung, sozialer Wohnungsbau und Wohnhochhaus.

Die ausgewählten Projekte werden mit der Nennung der Auftraggeber, der Architekten oder des Architekturbüros, einer ausführlichen Beschreibung, zahlreichen hochwertigen Bildern, Zeichnungen, Plänen und Grundrissen dargestellt. Zusätzlich enthält jedes Projekt ein einem persönlichen Interview des mit dem Auftraggeber und ein Kurzporträt des Architekturbüros.. Interviews und Kurzporträts der Architekten und Bauherren geben Einblicke in die Arbeits- und Herangehensweise der Projektbeteiligten.

Im Anhang findet man noch die Lösungen des Jahres 2021, die Sponsoren und Adressen und Webseiten der Architekten oder des Büros.

Das Buch richtet sich neben anspruchsvollen Kunden an Planer, Entscheidungsträger und Akteure der Wohnungsbaubranche, die sich über Stile und Trends informieren möchten und nach passenden Inspirationen suchen. Es wurde gegenüber dem des letzten Jahres noch durch verschiedene Bereiche weiterentwickelt, der wichtigste ist der der Abdeckung des gesamten deutschsprachigen Raumes. Es wird vor allem gezeigt, wie durch den Einsatz von innovativen Technologien, nachhaltige Baustoffe, ein bestimmtes gesellschaftliches Ethos und Innovation auch qualitatives Bauen möglich ist, das nicht nur vom Budget bestimmt ist.


Buch 2

Charmante Chalets. Rückzugsorte in den Alpen, Callwey, München 2021, ISBN: 978-3-7667- 7667-2553-0, 59,95 EURO (D)

Die Alpen sind ein beliebter Rückzugs- und Wohnort für Naturliebhaber und für gestresste Berufstätige, die Abgeschiedenheit finden wollen. In diesem Buch werden in Bilderstrecken die schönsten Refugien der alpinen Bergwelt mit unterschiedlichem architektonischem Ausdruck: rustikal, traditionell, pur und elegant. Die gemeinsame Klammer der vorgestellten Objekte ist das herausragende Design und die Sehnsucht nach Natürlichkeit und Geborgenheit in den Bergen.

Dies sind Chalets in der Schweiz, Österreich und Frankreich. Sie liegen versteckt zwischen Wäldern, am Fuß von weltbekannten Pisten oder hoch oben in alten Bergdörfern. Im Einzelnen werden Chalets in Aurach, Österreich, in Schönried in der Schweiz, in Méribel und Les Houches/Frankreich, im schweizerischen Gstaad, Saanen, Rougemont und Lauenen, zwei in Saint-Martin de Belleville/Frankreich, in Hinterthal(Österreich) und Crains-Montana/Schweiz vorgestellt.

Die Chalets werden in einzelnen Kapiteln vorgestellt. Es gibt immer einen einleitenden Teil von 2 Seiten über das Objekt, die Lage und den Besitzer. Diese stammen von Tina Schneider-Rading. Danach folgt der längere Teil mit Bilderstrecken, manchmal innerhalb einer Doppelseite, manchmal mehrere Bilder auf einer Seite.

Im Anhang gibt es für einige noch Adressen auf Instagram.

Es fehlen allerdings Häuser in Italien oder der BRD, um die Bandbreite der Alpen abzudecken. Eine Bandbreite wird aber bei den Stilen erreicht, die die individuellen Bedürfnisse der Besitzer widerspiegeln. Es werden leider zum Teil nur Innenansichten gewährt (siehe zweites und drittes Objekt), das Verhältnis Landschaft/Objekt kommt dort nicht zum Tragen. Eine Außenperspektive wäre also wünschenswert gewesen. Auch Interviews mit den Besitzern hätten ergänzt werden können.

Der Vorteil des Buches liegt in der hochwertigen Architekturfotographie und der Tatsache, dass Trends und Einblicke in Projekte der alpinen Architektur geboten werden, wo Architekten und Angehörige angrenzender Berufsgruppen sich Inspirationen und Ideen holen können.


Buch 3

Udo Wachtveitl/Katharina Matzig: Häuser des Jahres. Die 50 besten Einfamilienhäuser 2021, Callwey, München 2021, ISBN: 978-3- 7667-2530-1, 59,95 EURO (D)

Der Wettbewerb „Häuser des Jahres“ wird seit 2011 vom Deutschen Architekturmuseum und Callwey ausgelobt. Das Jahrbuch präsentiert die von einer Expertenjury ausgewählten 50 besten von Architekten geplanten Einfamilienhäuser im deutschsprachigen Raum.

Die prämierten Häuser sollen höchste architektonische Qualität haben, einzigartig und stimmig in Form, Raumgestaltung und Materialität sein und in das jeweilige städtische oder ländliche Umfeld passen.

In diesem Jahr wurde ein erster Preis und sieben Anerkennungen vergeben. Erstmals wurde der Fotografiepreis verliehen, der an den Vorarlberger Architekturfotografen Albert Imanuel Schnabel ging. Seine Bilder sind gerne in der „blauen“ Stunde aufgenommen, kurz nach Sonnenuntergang oder bei wolkigem Himmel, damit sowohl die äußere Umgebung als auch das Innenleben der Häuser erkennbar ist.

Nach einer Einleitung wird die gegenwärtige Diskussion um das Einfamilienhaus kritisch aufgearbeitet. Danach werden die Mitglieder der Jury vorgestellt.

Den ersten Preis gewann ein Einfamilienhaus in Zürich, das von Andreas Fuhrimann Gabrielle Hächler Architekten entworfen wurde. „Pur und provokant stellt es gängige ästhetische Prinzipien in Frage und beantwortet sie selbstbewusst, unkonventionell und für den Nutzer höchst komfortabel. Die farbliche Wärme und Haptik des noch belassenen Backsteins in den Innenräumen schafft zusammen mit der skulpturalen räumlichen Großzügigkeit einen vollkommenen schlossähnlichen Rückzugsort.“

Sehenswert ist auch das Projekt Almhütte 2.0, wo auf 1600 Metern Höhe für sechs Monate im Jahr und auf 35 Quadratmeter Wohnfläche ein Refugium in Alleinlage geschaffen wurde. Dabei wurden lokale Materialien verwendet.

Oder ein Haus in Sutz-Lattringen in der Schweiz, wo mit einer Wohnlandschaft aus Sichtbeton eine Lebenslandschaft für die Bauherren auf parkähnlichem Grund am See geschaffen wurde. Sämtliche Räume finden in zwei über das Untergeschoss miteinander verbundenen Baukörpern aus Sichtbeton Platz.

Jedes Haus wird in einem eigenen Kapitel vorgestellt: Zu dem jeweiligen Haus existieren hoch entwickelte Bilder, eine ausführliche Projektbeschreibung, professionelle Fotos, Grundrisse mit Legenden, Schnitte, Lagepläne, Gebäudedaten und ein Portrait des jeweiligen Architekten. Alle Projekte sind jeweils dargestellt mit ausführlicher Beschreibung, professionellen Fotos und Plänen, Gebäudedaten und Materialangaben.

Ausgezeichnete Lösungen für verschiedene Bereiche werden danach präsentiert. Es gibt 53 Einfamilienhäuser auf der Longlist, die kurz vorgestellt werden. Mit Verweis auf die Seitenzahlen folgen die Adressen der Architekten.

Der Band besitzt eine große Vielfalt, es sind große und kleine Häuser dabei zwischen 35 und 531 Quadratmeter Wohnfläche. Es sind Häuser auf dem Land, der Vorstadt und der Stadt, wobei die BRD überrepräsentiert ist. Die unterschiedlichsten Materialien wurden verwendet, bei den meisten passend zur näheren Umgebung und ggf. den früheren Voraussetzungen bei einem Umbau. Die Häuser sind immer Ausdruck eines persönlichen Stils und Lebensgefühls, aus denen Architekten und Auftraggeber Inspirationen schöpfen können.

Das Bauen im Bestand hätte mehr Beachtung und Wertschätzung verdient, Architektonische Konzepte, die sowohl die Geschichte des Bestands wie auch in besonderem Maße berücksichtigen und sich damit um einen Umgang mit bestehender Bausubstanz bemühen, sollten gerade im Hinblick auf umweltschonendes Bauen als Leitbilder hervorgehoben werden.

 

Buch 4

Fido Nesto: George Orwell. 1984. Graphic Novel, Ullstein, Berlin 2021, ISBN: 978-3-550-20087-8, 25 EURO (D)

Das neben der „Farm der Tiere“ wohl bekannteste Werk „1984“ von George Orwell wurde im Juni 1949 herausgebracht. Dies ist ein dystopischer Roman, in dem ein totalitärer Überwachungsstaat im Jahr 1984 dargestellt wird. Hauptperson der Handlung ist Winston Smith, ein Mitglied der diktatorisch herrschenden, fiktiven Staatspartei in England Der allgegenwärtigen Überwachung zum Trotz will Smith seine Privatsphäre sichern und etwas über die real geschehene Vergangenheit erfahren, die von der Partei durch umfangreiche Geschichtsfälschung verheimlicht wird. Dadurch gerät er mit dem System in Konflikt, das ihn gefangen nimmt, foltert und einer Gehirnwäsche unterzieht.

Der Künstler Fido Nesto erzählt den Roman aus dem Blickwinkel des Graphic Novel. Graphic Novel ist eine seit den 1980er Jahren populäre und aus den USA übernommene Bezeichnung für Comics im Buchformat, die sich aufgrund ihrer erzählerischen Komplexität häufig an eine erwachsene Zielgruppe richten. Dies sind längere, im Regelfall einbändige Comics, die epische und teilweise komplexe Geschichten erzählen. Sie sind wie ein literarisches Werk eine Geschichte aufbaut und sich damit von Comics für Kinder und Jugendliche unterscheidet.

Das Buch beschreibt kraftvoll eine depressive visuelle Welt mit der Hilfe von monotonen Layouts und Farben (Grau, Orange, Schwarz). Dies kennzeichnet die emotionale Verzweiflung, was die umgebende Welt aus einer Person macht.

Überraschenderweise gibt es für eine Graphic Novel relativ viel Text, wahrscheinlich um die Handlung zu veranschaulichen.

Die Version von Nesto ist sehr düster, die Illustrationen zeigen fast schon fratzenartige Gesichter. Manchmal gibt es einen grauen Hintergrund, bei einschneidenden Geschehnissen wechselt er dann die Farbe. Auffallend ist auch die Arbeit mit roten Tönen und das Darstellen von Gefühlen über eine Seite und mehr.

Am Ende werden noch die Künstler und George Orwell näher vorgestellt.

Nesto schafft es insgesamt gesehen, ein durchgängiges emotionales Katastrophenszenario durch eine traurige und düstere Atmosphäre zu schaffen, wo der Leser mitgerissen wird.

Es wird auch deutlich: George Orwells 1984 ist ohne Zweifel ein zeitloser Klassiker und ein Ausdruck für eine offene Gesellschaft mit freiheitlichem Wertesystem, Meinungsfreiheit und persönlicher Freiheit. Gerade in Zeiten, wo viele Staaten, auch westliche, die Corona-Pandemie nutzen, um Grundrechte außer Kraft zu setzen und autoritative Maßnahmen zu rechtfertigen, bleibt dieser Klassiker virulent.


Buch 5

Christina Cevales-Labonde: Jahreszeitentische, Freies Geistesleben, 2. Auflage, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-7725-2829-3, 29 EURO (D)

Der Jahreszeitentisch ist ein beliebtes und bewährtes Mittel, mit Kindern zusammen den Jahreslauf zu erleben. Im Kindergarten und in der Familie können die Kinder hier ganz in die verschiedenen Stimmungen der Monate und der Jahresfeste eintauchen; was sie draußen in der Natur wahrnehmen, wird hier noch einmal liebevoll und künstlerisch nachgestaltet. Cristina Cevales-Labonde zeigt in diesem Buch die ganze Vielfalt der kreativen Möglichkeiten auf.

Zuerst gibt es allgemeine Informationen zu Orten der Erinnerung, Brauchtum, Feste und Möglichkeiten kreativer Gestaltung des Tisches. Orte für einen Jahreszeittisch können sein: eine Jahreszeiten-Festecke im Innenbereich, im Außenbereich (Garten, Balkon oder Hauseingang), eine Klinik oder ein Pflegeheim. Hintergrundvorschläge für den Außenbereich, mögliche Dekorationen, Gefäße, Vasen und Edelsteine, Modelle für Blumenkinder und Filzplatten aus sehr feiner Marmorwolle werden ebenfalls vorgestellt.

Danach werden die Projekte entlang den Jahreszeiten geordnet und Ideen für jeden Monat einzeln dargestellt. Es gibt immer begleitende Texte zur Einstimmung auf den Monat. Die einzelnen Projekte enthalten Materialangaben und Anleitungen im Text und per Bilderstrecken.

Für den Frühling gibt es Ideen für Singvögel, einen Gockelhahn aus Holz oder eine Pfingsttaube. Für den Sommer zum Beispiel Elementarwesen wie Elfen, Glockenblumenkind oder einen Muschelkranz. Der Herbst bietet einen Holzdrachen für den Außenbereich, eine Kartoffeldame mit Kindern oder Laternen. Den Winter kann man sich mit einem Engel aus Naturmaterialien, Schneekristallen oder Girlanden aus Krepppapier zum Karneval verschönern.

Im Anhang findet man noch die Schnittmuster in Originalgröße, Anmerkungen, weitere Anregungen und Literaturhinweise sowie Bezugsquellen.

Durch das Buch wird eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit einem jahreszeitlichen Thema ermöglicht. Es ist sehr umfangreich mit vielen kreativen Ideen, zu denen etwas handwerkliches Geschick notwendig ist. Die einzelnen Anleitungen sind Schritt für Schritt aufgebaut, gut nachvollziehbar und mit Nennung der notwendigen Materialien. Das Buch gibt Eltern und Pädagogen Anregungen zu praktischen Tätigkeiten mit Kindern und zeigt, wie der Kreislauf des Jahres gemeinsam mit Kindern sinnvoll gestaltet werden können.