'de-risking' oder die Lüge in die eigene Tasche
Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München
Risikominimierung ist ein Grundprinzip der klassischen Betriebswirtschaftslehre und
überhaupt ein Grundsatz umsichtigen Handelns. Unsere Aussenministerin scheint
davon unbeleckt und greift lieber auf den anglo-amerikanischen Ausdruck 'de-risking', um ihre abgrundtiefe Unkenntnis und die daraus resultierneden Tolpatschigkeiten im Umgang mit anderen Ländern zu vertuschen. Damit lügt sie sich aber nur in die eigene Tasche und muss sich öffentlich auf einer Pressekonferenz in Berlin am 9.Mai von China beleghren lassen, um was es wirklich geht.
Seit der Öffnung Chinas vor gut 40 Jahren stürmten westliche Unternehmen geil auf Profit nach China, um dort ihre Produkte billig herstellen zu lassen und dann teuer verkaufen zu können. Besonders US-Unternehmen wischten alle Bedenken beiseite, wenn man sie auf die Risiken des damit verbundenen Technologietransfers hinwies. Wenn die nicht so arbeiten wie wir wollwn, polterten sie barsch, dann übernehmen wir sie einfach. In kürzester Zeit haben chinesische Unternehmen den Transfert von Produkt- und Verfahrenswissen nicht nur auftragegemäß umgesetzt, sondern dieses Wissen genutzt, selbst neue und bessere Produkte zu entwickeln und zu vermarkten. Gleichzeitig hat der chinesische Staat die steuerlichen Mehrerlöse aus den Auftragsgeschäften für Inverstitionen in die Infrastruktur des Landes genutztt mit dem Ergebnis, dass heute China über ein hochmodernes Verkehrswesen verfügt. Ganz zu schweigen von der Behebung der Armut im gnazen Land. Bis 2020 liefen die Geschäfte zwischen China und Europa hocherfreulich für alle. Erst mit der Corona-Pandemie traten plötzlich und unvorbereitet weltweit Probleme auf, für die der Westen alleine China verantwortlich machen will. Diese völlig falsche Sicht der Dinge ist heute in der Politik in ein China-Bashing ausgeartet, das jeder Vernunft, Sachkenntnis und höflichem Umgang miteinander entbehrt und geeignet ist, uns in den wirtschaftlichen Zusammenbruch zu führen. Risikominimierung heute besteht darin, die bis dahin gewollten Verflechtungen mit China durch Kooperation und nicht durch Aggression zu organisieren, und zwar im Sinne einer gemeinsamen Zukunft und einer win-win-Denke, respektvoll und ehrlich. Dass der Westen den Aufschwung Chinas verschlafen hat, ist nicht die Schuld von China, sondern eigene Dummheit und Arroganz. China ist zwar auch noch Werkbank, aber jetzt auch absolut ebenbürtiger Partner in Sachen Wissenschaft und Technik. Wettbewerb hat schon immer die Wirtschaft belebt. Man denke nur an das 'Made in Germany', das als Schmähbegriff der Engländer für deutsche Erzeugnisse zum Qualitätsbegriff mutierte. Eine Zussamanarbeit mit China ist heute eine Chance, die es durch angemessenen und ausgewogenen Dialog zu pflegen gilt. Das größte
Risiko besteht darin, dass unsere Politiker das aus Dummheit und Stolz völlig falsch einschätzen und so unser Volkswohl gefährden. Insofern drängt sich eine
Risikominimierung durch Rücktritt oder Abwahl derjenigen Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft auf, die von globalen Zusammenhängen zwischen allen Ländern keine Ahnung haben oder diese offenkundig falsch einschätzen. Wer sich obstinat in die eigene Tasche lügt und die Welt nicht sehen will wie sie ist, sollte sich einem 'de-risking'-Verfahren stellen und den Hut nehmen.