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Zur "Kommunismus-Debatte in der Linken"

Eine exemplarische Entgegnung von A. Holberg auf einen Artikel von A.Marinos im Bonner Generalanzeiger v.6.1.2011

Zwei Dinge sind unbekannt und werden es dem Leser des GA wohl auch weiter bleiben: 1. meint PDL-Vorsitzende Gesine Lötsch, das was sie sagt, und 2. ist Herr Marinos nur unwissend oder bösartig, wobei unklar ist, was schlimmer ist?
Frau Lötsch hat sich in einem Beitrag für die "Junge Welt" also für den "Kommunismus" eingesetzt, den Weg oder die Wege dahin allerdings als noch unbekannt bezeichnet. Der "Kommunismus" ist im marxistischen Verständnis, das Frau Lötsch für sich beansprucht, die "klassenlose Gesellschaft und folglich der Höhepunkt der Entwicklung der Demokratie. Ob das realistisch ist, ist eine hier nicht zu diskutierende Frage, die sicher nicht dadurch gelöst wird, dass Herr Marinos Schaum vor den Mund bekommt. Der "Kommunismus" ist jedenfalls nicht die Gesellschaftsform, die in den ehemaligen Ländern des vermeintlichen "Realsozialismus" herrschte - und das nicht einmal nach deren Eigendarstellung. Bei diesen handelte es sich  nach ihrer Eigendarstellung um "sozialistische Staaten" oder auch nur um "Volksrepubliken" und m.E. um
"staatskapitalistische" Länder. Dass in manchen von ihnen sogenannte "kommunistische Parteien" herrschten - in der DDR wohlbemerkt nur eine "sozialistische" Einheitspartei - bedeutete nur, dass diese Parteien für ihre noch nicht kommunistischen Gesellschaften den "Kommunismus" anstrebten. Nach der Methode des Herrn Marinos, dieses Grundlagenwissen
einfach zu ignorieren, könnte man auch all denen, die von einer "christlichen" Welt schwärmen, vorwerfen, sie strebten nach Inquisition und Scheiterhaufen für Ketzer und das Verbot zu behaupten, die Erde drehe sich um die Sonne statt umgekehrt. Es geht mir wie gesagt nicht um das, was das ehemalige SED-Mitglied Lötsch möglicherweise in den Tiefen ihres Herzens verbirgt, sondern darum, dass die Art der "Argumentation" von Herrn Marinos einer Zeitung wie des Generalanzeigers nicht würdig ist. Im übrigen sei noch drauf hingewiesen, dass das Grundgesetz der BRD zum einen wie alle menschlichen Gesetze keinen Ewigkeitswert hat und zum anderen eine auf Gemeineigentum basierende Gesellschaft (also eine "sozialistische" und schließlich "kommunistische") keineswegs verbietet. Es verbietet allerdings, diese gegen den Willen der Mehrheit mit Gewalt einzuführen, und das ist etwas, was Frau Lötsch keineswegs fordert.