Windkraft dominiert über Artenschutz
von Anna Hecker
Liebe Vogelfreunde und Naturschützer!
Ich bin / war ein enthusiastischer Verfechter der Windenergie, habe meinen eigenen Strom von Anfang an von Schönau bezogen, freue mich sehr, dass Frau Sladek den Umweltpreis erhalten hat. Das hat sie wirklich mehr als verdient!
Aber wenn ich sehe, wie (zumindest in Rheinland-Pfalz ) der Artenschutz immer mehr an Bedeutung verliert zugunsten neuer Windparks, bereitet mir das schlaflose Nächte.
Ich weiß, der BUND ist bereits aktiv. Aber vielleicht müssen Sie noch lauter gegen Fehlentwicklungen protestieren.
1.) Im nächsten Jahr sollen verstärkt WEA im Biosphärenreservat Pfälzer- Wald WEA errichtet werden. Welchen Sinn hat ein Bioshärenreservat, wenn dort massive Stör- ungen / Eingriffe in die Natur ermöglicht werden? Eine WEA fällt ja (leider) nicht vom Himmel. Es müssen Zufahrtswege errichtet werden, Kranstellplatz und und und ....
Ein Naturschutzgebiet hat RLP ja nicht. Deshalb denke ich, daß wenigstens das Bioshärenreservat geschützt werden muss.
Starten Sie eine Kampagne: Rettet das Bioshärenreservat! (es gibt ja eine Kampagne in Hessen: Rettet den Taunuskamm!) Tun Sie sich mit anderen Organisationen wie z.B. change.org zusammen
Starten Sie eine Unterschriftenkampagne, oder / und einen Aufruf: Lasst beim Umwelt- minister die Telefone heiß werden!
2.) Sie wissen ja auch, dass von Jahr zu Jahr die Schutzkriterien für gefährdete Arten aufgeweicht werden. So sind inzwischen gefährdete Singvogel- Arten gar nicht mehr WEA relevant. (RLP ist eines der wenigen Bundesländer, in dem es z.B. noch Feldlerchen gibt.)
Und die Abstände, die eine WEA zu einem Rotmilanhorst haben muss , werden von Jahr zu Jahr geringer: von 3 km , über 2 km und mittlerweile (ich glaube ) nur noch 500 m. Auch die Kriterien für Schwarzstorchhorste werden zugunsten der Windenergie immer lascher. Und nach wie vor werden Schwarzstörche gezielt vertrieben (Siehe mein Schreiben an den BUND vom 27. Juni )
Und zu meinem Entsetzen sind die staatlichen "Vogelschutzwarten" aktiv daran betei- ligt, die Kriterien aufzuweichen. (allen voran die V. Frankfurt, die für RLP und Hessen zuständig ist.) Für wessen Interessen arbeiten die denn? Haben die überhaupt noch den Namen Vogelschutzwarte verdient?
In der Vergangenheit musste ein Gebiet drei Brutsaisons beobachtet werden. Auf einmal ist es nur noch ein Jahr. Und dann haben wir ein extrem mausarmes Frühjahr und Früh- sommer wie dieses Jahr. Und in fast keinem der untersuchten Gebiete konnte eine Brut erfolgreich großgezogen werden. Das bedeutet dann, die WEA kann gebaut werden.
3.) Es waltet hier nur die Willkür. Systematische Untersuchungen zum Einfluss von WEA auf die Vogelwelt gibt es (meines Wissens ) nur aus Brandenburg. Und die sind erschre- ckend.
4.) Übrigens sind die "Ausgleichsmaßnahmen", die z. T. durchgeführt werden sollen, ein einziger Witz. Da stehen dann jahrelang Boxen für Wildkatzen im Büro rum und wenn mal jemand überhaupt gar nichts zu tun hat, stellt er ein paar in den Wald. Was nützen Katzenboxen, oder Haselmausboxen dem Schwarzstorch, oder Milan oder auch allen anderen Vogelarten? Es wird doch nie und von keinem je eine Evaluierung des Nutzens dieser Maßnahmen durchgeführt.
5.) Ein Kollege hatte eine sehr gute Idee: Es sollte eigentlich nicht sein, dass nur ein Landwirt die ganzen Pachteinnahmen erhält und alle anderen leer ausgehen. Die Ein- nahmen sollten lieber aufgeteit werden: ein Teil an den Landwirt, der seinen Acker verpachtet , ein Teil in einen Sozialfond, ein Teil in einen Naturschutzfond. Und von den Gewerbesteuereinnahmen sollten auch die Gemeinden profitieren, in deren Gemarkung keine WEA errichtet wird.
Nur so kann sicher gestellt werden, dass es auch WEA freie Naturschutzgebiete gibt. Das würde zu einer Rot-Grünen-Landesregierung doch gut passen. RLP steht sowieso an 2. Stelle was die Anzahl von WEA betrifft. Vielleicht muss die Landesregierung irgend- wann einmal einsehen, dass es keine freien Gebiete mehr gibt.
6.) Einen Flächennutzungsplan für WEA in RLP gibt es noch immer nicht. Wir alleine erreichen hier nichts. Jemand muss eine Kampagne lostreten. Ich bin überzeugt, dass sich sehr viele verärgerte Landwirte und Jagdpächter und Vogelschützer beteiligen würden.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir antworten würden.
Mit herzlichen Grüßen
Anna Hecker