Sonnige Aussichten
von Joachim Wille via klimaretter.info
In Marokko beginnen die Arbeiten für den größ- ten Solarpark der Welt. Die Anlage mitten in der Wüste hat das nordafrikanische Land selbst ge- plant und wird auch den Strom selbst verbrau- chen. Marokkos Stromversorgung beruht bisher größtenteils auf importierten Rohstoffen. Das Land wird also klima- und umweltfreundlicher, aber vor allem auch ein Stück weit unabhängiger
Ein James-Bond-Streifen ist hier gedreht worden, auch der Asterix-Film "Mission Kleo- patra", und natürlich "Lawcrence von Arabien". Der Ort Ouarzazate am Rande der Sa- hara in Marokko lockt mit seinem blauen Himmel und dem gleißenden Licht immer wieder Filmteams in die dortigen Studios. Nun erlebt er eine Premiere ganz anderer Art. Er ist Kulisse der Arbeiten für ein Solarstrom-Projekt, das Maßstäbe setzt: Es entsteht der bisher größte Solarpark der Welt, und das in einem Wüstengebiet.
Marokko ist dasjenige arabische Land, das sich bisher am stärksten für erneuerbare Energien engagiert. Zur Spatenstich-Zeremonie für die Anlage, die 2015 in Betrieb gehen soll, kommt eigens König Mohammed VI. angereist. Das Kraftwerk soll 160 Megawatt Strom liefern, womit rund 530.000 Menschen versorgt werden können. Gegenüber der konventionellen Energieerzeugung werden den Angaben zufolge pro Jahr 310.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.
Die Investitionskosten der Anlage "Ouarzazate 1" betragen umgerechnet 700 Millionen Euro. Die Bundesregierung beteiligt sich mit 115 Millionen, der Großteil davon wird von der Förderbank KfW bereitgestellt [1]. Weitere Geldgeber sind unter anderem die Weltbank, die EU-Kommission, die Europäische Investitionsbank und die Afrikanische Entwicklungsbank.
Der Solarstrom soll umgerechnet maximal 14,5 Cent pro Kilowattstunde kosten. Es wäre der weltweit niedrigste Preis für Strom aus einem solarthermischen Kraftwerk, bei dem die Sonne in Parabolrinnen aufgefangen und konzentriert wird, ein Trägermedium stark erhitzt und dann Turbinen antreibt.
Solarthermie kann Energie speichern
Der Anlagentyp hat gegenüber der Solarstromerzeugung mit Photovoltaik-Zellen eine wichtigen Vorteil: Die Energie kann gespeichert und an sonnenarmen Tagen und bei Nacht genutzt werden. Das dafür verwendete Salzgemisch verflüssigt sich bei über 250 Grad Celsius zu einer Salzschmelze, die die Wärme nach Sonnenuntergang wieder ab- gibt. Kleinere solarthermische Kraftwerke sind bereits in den USA und Spanien in Betrieb, die amerikanischen seit Jahrzehnten.
Marokko deckt seinen Energiebedarf bisher fast ausschließlich mit Erdöl, Erdgas und Kohle, die zu über 95 Prozent importiert werden müssen. Von dieser Abhängigkeit will das Land wegkommen. Sein "Solarplan" sieht daher bis 2020 Sonnenkraftwerke mit insgesamt 2.000 Megawatt vor. Neben dem nun entstehenden "Ouarzatate 1" soll in einer zweiten Phase ein weiteres Kraftwerk entstehen, wodurch die Gesamtleistung auf 460 Megawatt ansteigt - knapp halb soviel wie bei einem Atomkraftwerk. Auch hier will Deutschland mitfinanzieren.
Prototyp für Desertec?
Funktioniert die Anlage wie geplant, wäre auch der Beweis erbracht, dass das große Wüstenstrom-Projekt Desertec [2] doch noch Realität werden könnte. Die Planungs- gesellschaft Dii, an der gut 50 internationale Konzerne wie RWE, Eon, Italiens Energie- riese Enel und die Deutsche Bank beteiligt sind, will in Nordafrika einen Verbund von Solar- und Windparks mit Anschluss ans europäische Stromnetz schaffen.
Zuletzt hatte Dii freilich herbe Rückschläge hinnehmen müssen. Siemens und Bosch stiegen 2012 aus [3], zudem machte Spanien den Dii-Plan zunichte [4], den Solarstrom aus Marokko über das bei Gibraltar bereits vorhandene Seekabel nach Europa zu leiten. Hintergrund ist die schwere Wirtschaftskrise in dem EU-Land. Bisher exportiert Spanien netto Strom nach Marokko, künftig wäre es umgekehrt gewesen. Spanien hätte auf Einnahmen verzichten müssen. Ein erstes Kooperationsabkommen zwischen mehreren EU-Staaten und Marokko sollte im letzten November unterzeichnet werden, das Nein aus Madrid stoppte den Plan.
Zwar kam Dii bei "Ouarzazate 1" auch nicht zum Zuge - das Projekt hat die marokka- nische Energieagentur Masen in Eigenregie geplant. Der dort erzeugte Strom soll auch komplett im eigenen Land verbraucht werden. Der Desertec-Gesellschaft bleibt aber die Hoffnung, Ausschreibungen für weitere Projekte in Marokko zu gewinnen.
Im Text verwendete Links:
[1] www.klimaretter.info/energie/nachricht/12489
[2] www.klimaretter.info/tipps-klima-lexikon/7856
[3] www.klimaretter.info/wirtschaft/nachricht/12430
[4] www.klimaretter.info/energie/hintergrund/12669
Öko-Strom und Repression - Solarthermie für Besatzungsmacht Marokko
www.schattenblick.de/infopool/politik/redakt/afka2088.html
Fußnoten:
[1] tinyurl.com/cpbm8xh
[2] dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/112/1711250.pdf
[3] www.sueddeutsche.de/wirtschaft/1.1667828
[4] tinyurl.com/brkjk8m
[5] tinyurl.com/ckw6bew
[6] tinyurl.com/bs26ypm
[7] www.baufachinformation.de/dissertation/2008049011593
[8] tinyurl.com/bnubo4o
[9] allafrica.com/stories/201302170123.html
www.klimaretter.info/energie/hintergrund/13636-ouarzazate