Globale Raubzüge
Rohstoffkriege, Extraktivismus und Landgrabbing bedrohen Mensch und Umwelt
Von Edith Bartelmus-Scholich
Die Bildungsgemeinschaft SALZ hat auf einem Wochenendseminar in Kassel über die Ursachen und Zusammenhänge der Zunahme von der Umweltzerstörung und Krieg als Zeichen einer globalen Krise des Kapitalismus beraten. Geladen waren dazu sachkundige ReferentInnen aus Umwelt- und Anti-Kriegsbewegung wie Dr. Klaus Engert (Mitverfasser des Ökosozialistischen Manifests), Dr. Peter Strutinsky (Friedensforscher und Sprecher des Friedensratschlags), Claudia Haydt (IMI), MdB Inge Höger (Abrüstungspolitische Sprecherin der Linksfraktion) sowie Rudolf Schäfer (Frackingspezialist des BUND Hessen).
Schwindende Rohstoffe, wachsende Begehrlichkeiten
Zu Beginn der Tagung stellte Inge Höger die Malaise des zeitgenössischen Kapitalismus umfassend dar: Eine ganze Reihe von Rohstoffen ohne die das etablierte Akkumulationsmodell nicht funktioniert gehen zur Neige. Andere Rohstoffe sind zwar noch vorhanden, müssen aber viel aufwändiger und kostenintensiver gefördert werden als noch vor einigen Jahrzehnten. Gleichzeitig nimmt die globale Warenproduktion zu. Die Grenzen kapitalistischer Produktion werden sichtbar ohne dass Wirtschaft und Politik eine Alternative dazu entwickelt haben.
Als Folge davon kämpfen Großkonzerne und mit ihnen kooperierende Staaten um den Zugriff auf die begrenzten Ressourcen – und zwar mit allen Mitteln. Die Anzahl der Kriege und Bürgerkriege bei denen es um Bodenschätze geht, hat zugenommen. Und auch zukünftig drohen Kriege nicht nur um die fossilen Energieträger Öl und Erdgas oder um Rohstoffe wie Kobalt und Kupfer, sondern auch um das lebensnotwendige Wasser.
Rücksichtsloser Raubbau
Der Profitlogik folgend ist die Gewinnung von Rohstoffen fast immer und überall mit weit mehr als den unvermeidlichen Eingriffen in Naturkreisläufe und mit irreparablen Umweltschäden verbunden. Bemerkenswert ist dabei, dass rohstoffreiche Länder nicht selten die Ausbeutung ihrer Bodenschätze als erfolgversprechenden Entwicklungsweg begreifen, aber in der Regel außer Umweltschäden und Gesundheitsschäden sowie der Zerstörung traditioneller Wirtschaftsformen nichts davon haben. Lukrativ ist diese „Extraktivismus“ genannte Wirtschaftsform allerdings für Großkonzerne und für Industrienationen, welche die Rohstoffen weiter verarbeiten und die Produkte auf dem Weltmarkt verkaufen.
Beispiele für rücksichtslosen Raubbau referierten die Experten jedoch nicht nur aus Afrika, Asien oder Lateinamerika, sondern auch aus Europa und aus Deutschland. So wird die Goldgewinnung in Griechenland derzeit mit hochgiftigem Zyanid betrieben, obgleich die Gefahren z.B. für das Trinkwasser bekannt sind. Für Braunkohletagebaue in Deutschland werden nach wie vor ganze Landstriche abgebaggert, obwohl das Verheizen der Kohle angesichts der Erwärmung der Erdatmosphäre unverantwortlich ist.
Neue Qualitäten der Naturausbeutung
Auf die Verknappung der natürlichen Ressourcen antwortet die kapitalistische Wirtschaft mit einer Verschärfung der Ausbeutung von Mensch und Natur. Das absehbare Ende der fossilen Energieträger hat bereits zur Entwicklung von Agro-Treibstoffen geführt, für deren Anbau Flächen, die zuvor für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt wurden, umgewidmet werden. Seit einigen Jahren erwerben Großkonzerne vor allem in Afrika riesige Areale landwirtschaftlich genutzter Fläche. Es ist absehbar, dass dieses Landgrabbing die globale Hungerkatastrophe weiter verschlimmern wird.
Und anstatt eine Produktion unter weitgehendem Verzicht auf fossile Energieträger zu entwickeln, geht die Entwicklung dahin, die schwer zu erschließenden restlichen Vorräte von Öl und Erdgas mit immer riskanteren Förderungstechniken auszubeuten. Derzeit läuft überall in Deutschland die Exploration für das sogenannte „Fracking“. Unter hohem Druck soll ein hochgiftiger Chemikaliencocktail in das Erdreich gepresst werden um anschließend zu sprengen und im Gestein eingeschlossenes Gas freisetzen zu können. Die giftigen Chemikalien gefährden hierbei das Grundwasser und können ganze Landschaften vergiften.
Einziger Ausweg: Ökosozialismus
Der weitgehende Verzicht auf fossile Energieträger und der Einstieg in einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen müssen umgehend eingeleitet werden, sonst droht Mensch und Umwelt eine globale Katastrophe. Dass es dafür nicht reicht, nur die kapitalistische Eigentumsordnung und Wirtschaftsweise zu revidieren, zeigte der letzte Vortrag des Wochenendes. Dr. Klaus Engert beschrieb ausführlich die Umwelt- und Gesundheitsschäden des Uranbergbaus in der DDR als ein Beispiel für Umweltzerstörung in einer nicht kapitalistischen Gesellschaft.
Edith Bartelmus-Scholich, 14.4.13