Essential Ökologie
von Jürgen Suttner SoKo - Siegen
Abschließend möchte ich zum Essential Ökologie bemerken:
Der Konsensvorschlag hat nicht die Zustimmung von mir. Er ist nicht geeignet die Dimensionen der Naturzerstörung in der kapitalistischen Gesellschaftsformation aufzuzeigen, noch kann er auch nur Ansatzweise einen Grund benennen warum der Kapitalismus die natürliche Lebensgrundlage zerstören muss.
Daher ist dieser Essential nicht geeignet, einen revolutionären Bruch zu begründen, noch zeigt er die Notwendigkeit auf, den „Kapitalzweck“ abzuschaffen.
Wenn behauptet wird:
„Das Kapital muss jederzeit versuchen, die Produktionskosten gering zu halten. Deshalb kann es systematisch nicht an teurer ressourcenschonender Technologie als Produktionsmittel interessiert sein.“ Und weiter, „das Kapital muss … überall …. weiterhin Kosten optimieren.“ Und weiter, „die Akkumulation (des Kapitals steht J.S.) prinzipiell im Widerspruch zu aller ressourcenschonender Produktion…, die teurer ist als vergleichbare zerstörerische Technologien“
Das Kapital setzt Mittel zur Produktion ein, um nicht die Produktionskosten gering zu halten, sondern um die „Kosten“ für die lebendige Arbeit (Lohnarbeit) zu reduzieren. Die Natur oder hier die Naturressourcen haben an sich überhaupt keinen Wert, solange nicht durch Veredelung tote Arbeit in sie eingeflossen ist. Die Naturressource hat aber einen Gebrauchswert. Wenn wir also die Kosten der jeweils geronnene Arbeit und Anteil des fixen Kapitals gleichsetzen, so ist ein Produkt mit weniger geronnener Arbeit billiger als ein Produkt mit viel geronnener Arbeit.
Wenn also das Kapital die „Produktionskosten“ gering halten will, so braucht das Kapital nur die „Kosten“ der in der Ware enthaltenen Arbeit so gering wie möglich halten. Aber, das Kapital ist in einem „Kostenvorteil“, wenn der Anteil der Naturproduktivität an einem bestimmten Ort möglichst hoch ist und daher der Anteil der Arbeit vergleichsweise niedrig ist, z. B. der Wasser-Strom in Norwegen, welcher die Kosten der Aluminiumproduktion vergleichsweise niedrig hält. Wir sehen hier eine ressourcenschonende Technologie die einen „Kostenvorteil“ oder Extraprofit ermöglicht. Genaueres in der Rententheorie.
Aber die Sache wird noch Verrückter. Gerade durch Ressourceneffizienz in der angewendeten Technologie des einzelnen Kapitals, wird die Voraussetzung geschaffen, um gesamtgesellschaftlich mehr Ressourcen zu verbrauchen. Dieser Widerspruch wird auch Jevons – Paradox oder auch Rebound – Phänomen genannt. Als vor ca. 200 Jahren die ersten Dampfmaschinen in England eingesetzt wurden, waren diese unglaublich ineffizient und nur eingeschränkt nützlich.
Mit der Steigerung der Effizienz der Maschinen wurden sie umfangreicher Eingesetzt, erhöhten die förderbaren Kohlevorräte und erhöhten in großem Masse den Verbrauch der Kohle. Wir sehen hier: Erst die rationellere Nutzung der verbrannten Kohle durch die einzelne Dampfmaschine erzeugte den ungeheuren Mehrverbrauch in einer Gesamtwirtschaft. Dieses Paradox findet überall in dieser unseren Produktionsweise statt. Es ist das genaue Gegenteil von dem, was im Essential Ökologie behauptet wird, findet statt. Das Einzelkapital senkt seinen Ressourcenverbrauch um gleichzeitig als Gesamtkapitalist den Ressourcenverbrauch zu steigern.
Weil aber das Kapital gezwungen ist die Arbeitsproduktivität zu steigern, um sich gegen seine Konkurrenz zu behaupten und dabei weniger lebendige Arbeit in tote Arbeit umwandeln kann, ist das Kapital gezwungen sich auszudehnen, sich auf erweiterter Stufenleiter zu reproduzieren. Es kann sich nur ausdehnen indem es Waren produzieren lässt, die immer, ob direkt oder indirekt, eine stoffliche Substanz, eine Natursubstanz enthalten. Dieser Prozess findet exponentiell statt.
Nun gibt es weit mehr beim Umgang des Kapitals mit der Natursubstanz zu bedenken, das ist hier aber nicht möglich.
Auffällig ist, dass hier bei den Vorschlägen zu den Essentials, der Kapitalismus immer nur vom Einzelkapital betrachtet wird. Wie das Gesamtkapital als „automatisches Subjekt“ wirkt ist aber letztlich entscheidend. Wie dann der Reformismus bekämpft oder ein revolutionärer Bruch herbeigeführt werden kann, ja eine kommunistische Gesellschaft ermöglicht werden soll, wenn die revolutionären Subjekte noch nicht einmal die Wirkweise des Kapitalismus verstanden haben, bleibt mir schleierhaft.
www.nao-prozess.de/blog/vorschlag-fuer-ein-essential-oekosozialismus