Eine kleine Ergänzung zu der Atommüllproblematik der URENCO
von Matthias Nomayo
Von URENCO und Lobbyisten wird jeweils vorgetragen, dass es sich bei dem abgereicherten Uran aus der Anreicherungsanlage nicht um Atommüll handele, weil aus diesem Uran zusammen mit Plutonium aus Wiederaufbereitungsanlagen oder auch aus abgerüsteten Nuklearsprengköpfen so genannte Mischoxidbrennelemente (MOX) für Kernkraftwerke hergestellt werden könnten.
Die Betonung muss auf den Konjunktiv gelegt werden: könnten!
Tatsächlich macht dieses weder ökonomisch noch in Bezug auf das Abfallmanagement irgendeinen Sinn. Plutonium aus Atomsprengköpfen oder auch aus zivilen Wiederaufarbeitungsanlagen stammt aus bestrahlten Uranbrennelementen, aus denen dieses herausgelöst wurde.
Soweit es sich dabei um Waffenplutonium handelt, stammt es aus Brennelementen militärischer Reaktoren, die nur wenige Tage der Neutronenbestrahlung ausgesetzt waren, um ein möglichst reines Material zu erhalten (bei längeren Bestrahlungsdauern entstehen vermehrt nicht spaltbare Transurane, auch Plutoniumisotope, die die Eignung als Waffenplutonium vermindern).
Die danach enthaltene Plutoniummenge ist weit geringer, als die, die in einem frischen MOX-Brennelement für den Betrieb eines Kernkraftwerks benötigt wird. Es steht also aus der Gewinnung von Waffenplutonium bereits weit mehr mit Transuranen (darunter Reste des herausgelösten Plutoniums) kontaminiertes Uran zur Verfügung, als benötigt würde, um die gleiche Plutoniummenge für MOX-Brennelemente zu verwerten.
Entsprechendes gilt auch für Plutonium aus zivilen Wiederaufbereitungsanlagen. Die in den abgebrannten Brennelementen enthaltene Plutoniummenge ist geringer als die, die in einem MOX-Brennelement benötigt wird. Auch hier entsteht mehr Abfalluran als mit der daraus gewonnenen Plutoniummenge verwertet werden könnte.
Legt man eine Abfallvermeidungsstrategie zugrunde, so hat die Verwendung von bereits bestrahltem Uran zur Fertigung von MOX-Brennelementen Vorrang vor der Verwendung von frischem oder abgereicherten Uran, da das Toxizitätspotenzial des bestrahlten Urans aufgrund der Kontamination mit Transuranen (darunter Plutonium) um ein Vielfaches höher liegt, während das Toxizitätspotenzial von MOX-Brennelementen praktisch ausschließlich von der aktiv beigemischten Plutoniummenge stammt, so dass vorher vorhandene Kontaminationen demgegenüber irrelevant sind.
Legt man eine Strategie des kurzfristig optimierten ökonomischen Nutzens zugrunde, so hat die Verwendung von frischem Uran gegenüber dem abgereicherten Uran Vorrang, weil so das darin enthaltene spaltbare Uran ohne Anreicherungsprozess mit genutzt werden kann, mit der gleichen Plutoniummenge also mehr MOX-Brennelemente hergestellt werden können. (Diese sind darüber hinaus etwas sicherer in der Handhabung, weil bei der Spaltung von U235 ein um den Faktor 3,3 höherer Anteil an Verzögerungsneutronen entsteht als bei Plutonium.
Der Anteil an Verzögerungsneutronen an der gesamten Neutronenausbeute ist wichtig für die Regelbarkeit der Kettenreaktion. Je geringer der Anteil, desto höher das Risiko, dass der Reaktor in bestimmten Situationen „durchgehen“ könnte. Generell sind deshalb MOX-Brennelemente gefährlicher als reine Uran-Brennelemente.)
Einen sonstigen zivilen Bedarf für 27000 t abgereichertes Uran gibt es weltweit in keinem Wirtschaftszweig.
Denkbar wäre lediglich eine militärische Verwendung zur Herstellung neuer Plutoniumsprengköpfe, weil das nur wenige Tage bestrahlte Uran, aus dem das Plutonium herausgelöst wird, dann deutlich weniger Spaltprodukte enthält (erleichtert das Handling in einer militärischen Wiederaufarbeitungsanlage), bzw. zur Herstellung von Uranmunition als Panzer-brechende Waffe (wie sie von der NATO, bzw. den USA, im Jugoslawien-Krieg, im Irak, in Afghanisten, …, bei Übungen in Deutschland, … verschossen wurde).
Bei der Lieferung von 27000 t abgereichertem Uran nach Russland handelte es sich also eindeutig um einen jahrelangen illegalen Atommüllexport (oder wahlweise um den Export von Rohmaterial zur Produktion von Nuklearwaffen – aber für letzteren Bedarf haben die selber genug Material aus ihren eigenen Anreicherungsanlagen herumliegen). Den „Experten“, die dieses Material als Wertstoff deklarierten, dürften diese Zusammenhänge in vollem Umfang bekannt sein.
Nix für ungut!
Matthias Nomayo