Beschreibung der Erfindung „Ringstadt“
von Hans W. Zimmermann - OTL a.D., Dipl.-Ing. (grad)
1. Zu lösendes Problem
Heutige Städte sind - vor allem aus Gründen, die in der Geschichte zu suchen sind (Notwen- digkeit der Verteidigung, Stadtmauer) - so angelegt, dass in ihrem Zentrum der Bahnhof, nahezu alle Geschäfte, die Versicherungen und Banken sowie die zahlreichen Behörden und Verwaltungen zu finden sind. Die Konzentration all dieser Einrichtungen auf beschränktem Raum führt dazu, dass
- Die dort bestehende Abgasbelästigung – auch durch den Stopp- und Go-Verkehr - schon jetzt zu Verkehrseinschränkungen geführt hat, die immer größer werden.
- Eine extreme Belästigung durch den Verkehrslärm (z.B. beim Anfahren der PKW/Motorräder nach dem Stand an den Verkehrsampeln entstanden ist.
- Die Grundstückspreise im Stadtzentrum in astronomische Höhen gewachsen sind und Grund und Boden regelmäßig durch (teure) Tiefgaragen und vielgeschossige Bauweise genutzt werden.
- Die extreme Nutzung des beschränkt zur Verfügung stehenden Raumes verstärkt sich offensichtlich weiter.
Sichtbares Zeichen der Konzentration dieser Infrastruktur auf engem Raum sind die Pendler, die entweder mit eigenem PKW oder mit den vorhandenen öffentlichen Verkehrsmitteln von den Außenbezirken der Stadt oder den Vororten morgens in das Stadtzentrum strömen und sich nach Arbeitsende wieder in die entgegengesetzte Richtung bewegen.
Sie verursachen jeden Werktag neu Verkehrsstauungen in erheblichem Umfang mit folgenden Nachteilen:
1. Vermeidbare Abgase durch die häufig im Leerlauf laufenden Motoren,
2. Erfordernis nach Lärmschutzmaßnahmen für die an solchen Verkehrsstraßen eingerichteten Wohnungen und Büros,
3. vermeidbare Betriebskosten der im Stau stehenden Verkehrsmittel,
4. hohe Abnutzung und hoher Kraftstoffverbrauch der benutzten Verkehrsmittel bezogen auf die zurückgelegte Entfernung, weil diese nicht in einem optimalen Betriebszustand betrieben werden können,
5. Verbrauch an wertvoller Freizeit der im Stau stehenden Pendler,
6. Behinderung der innerstädtischen Transporte, der Rettungsdienste, der Müllabfuhr … durch den stehenden Verkehr
7. usw. usf.
Eine Lösung des so gegebenen Abgas- / Stauproblems wird dringlicher.
Ein denkbarer Lösungsansatz könnte z.B. in einem zeitlich stark versetzten Arbeitsbeginn bestehen. Da dieser jedoch bei den unterschiedlichen Arbeitgebern bereits heute in einer weiten Bandbreite verschieden ist, kann ein solcher Lösungsansatz (Optimierung des Arbeitsbeginns) eine grundlegende Verbesserung kaum bringen.
Eine Stadt, die den künftigen Anforderungen gerecht werden soll (Zukunftsstadt), muss daher grundlegend anders aufgebaut sein als die bisherigen Städte, die ausnahmslos auf die Stadtmitte ausgerichtet sind.
Bisher sind keine grundlegenden Lösungen dieses des Problems bekannt. Möglichkeiten, das Problem zu entschärfen, könnten bestehen in:
- der Schaffung leistungsfähiger und von der Bevölkerung akzeptierter Nahverkehrsmittel,
- der Optimierung des Arbeitsbeginns der unterschiedlichsten Arbeitgeber zumindest eines Stadtviertels,
- der Reduzierung des Individualverkehrs entweder auf dem Verordnungsweg oder durch deutlich angehobene Kraftstoffpreise,
- dem Bau von Großmärkten an der Peripherie der Städte,
- Verkehrsbeschränkungen (geradzahlige Nummernschilder dürfen nur an geradzahligen Kalendertagen fahren, usw.
- in einer Kombination der vorgenannten Möglichkeiten.
2. Welche Nachteile weisen die vorhandenen Lösungen auf?
Keine der Großstädte der Welt hat m.W. das Problem der mit Kraftfahrzeugen erzeugten Abgas- und Staubildung in den Morgen- und Abendstunden bisher überzeugend lösen können. Überall in der Welt wird ein erheblicher Teil des Volksvermögens durch nutzlos im Stau stehende Kraftfahrzeuge verschwendet.
Der Neubau von U- und S- Bahnen kostet die Städte erhebliche Summen, ohne dass eine dauerhafte und nachhaltige Lösung des Problems erwartet werden könnte.
Eine Optimierung des Arbeitsbeginns der unterschiedlichen Arbeitgeber ist nur in Einzelfällen auf lokaler Ebene vorgenommen worden. Es existiert weder ein überzeugendes Modell noch die Autorität, die den Tarifpartnern den Arbeitsbeginn verbindlich vorschreiben könnte. Jede Einschränkung des Individualverkehrs würde darüber hinaus von der Bevölkerung als Eingriff in die persönliche Freiheit gewertet und ist daher entsprechend unpopulär.
Der Bau von Großmärkten mit dem dafür erforderlichen Platzbedarf an die Peripherie der Städte bringt sicher eine partielle Entlastung, ohne aber das Gesamtproblem zu lösen.
3. Grundgedanke der Problemlösung
Die Anordnung der in einer Stadt üblichen und dem Bedürfnis der dort lebenden Menschen entsprechenden Einrichtungen sollte so erfolgen, dass der Transportbedarf möglichst minimiert wird und, sofern er doch entsteht, mit den modernen Verkehrsmitteln zeit- und kostensparend abgedeckt werden kann.
Im Einzelnen sollen
- die Arbeitsplätze und die Wohngebiete der Menschen entweder nahe beisammen liegen oder aber mit den Verkehrsmitteln zeit- und kostensparend erreicht werden können,
- Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Pflege- und Altersheime, Gaststätten und Kirchen in unmittelbarer Nähe zu den Wohngebieten einer Stadt geplant werden und
- Naherholungsgebiete möglichst in Fußgängerentfernung zu den Wohngebieten vorgesehen werden.
4. Bau von abgasarmen, ampelarmen Ringstädten (Zukunftsstädte)
Die Problemlösung ist mit dem Bau einer „Ringstadt“ gemäß der angehängten Zeichnung A möglich. Diese kann im Idealfall entstehen, wenn neue eine Stadt „auf der grünen Wiese“ geplant werden soll. Für bestehende Städte kann der Grundgedanke nur nach und nach verwirklicht werden, wenn die Genehmigung von (Neu-) Bauvorhaben in sinnvoller Weise darauf ausgerichtet wird. Hierzu muss der politische Wille langfristig, d.h. über mehrere Generationen vorhanden sein.
Die Problemlösung besteht in einer sinnvollen Zuordnung der für eine Stadt typischen Einrichtungen.
Das Stadtzentrum der Ringstadt selbst besteht nach dieser Vorstellung aus
- einem kreisförmigen Erholungsgebiet für die Bevölkerung mit einem ganz innen angeordneten See - im Winter: Eisfläche - (1),
- kreisförmig darum angeordnete Liegewiesen für die Erholungssuchenden (2),
- wiederum weiter außen einem Waldgürtel für Spaziergänger (3). Diesen kann man sich auch als die „Lunge der Stadt“ vorstellen und wiederum weiter außen
- Parkplätze mit Grünflächen für alle diejenigen, die im Zentrum der Stadt Erholung suchen (4).
Dieses Stadtzentrum enthält keinerlei Wege/Straßen, die mit Kraftfahrzeugen befahrbar sind. Die Zufahrt ist nur für die Fahrzeuge zulässig, die Pflege- und Reparaturarbeiten auszuführen haben.
Um dieses Stadtzentrum herum sind mehrspurige Ringstraßen angeordnet (5, 8,10 und 12), die für das tangentiale Umfahren des Stadtzentrums für den Individualverkehr und die öffentlichen Verkehrsmittel vorgesehen sind.
Die Wohngebiete für die Bevölkerung befinden sich grundsätzlich im Wohnring (6), an den sich unmittelbar nach außen der Ring für Kindergärten, Schulen, Ärzte, Krankenhäuser, Pflege- und Altersheime, Gaststätten und Kirchen anschließt (7).
Im Geschäftsring (9) sind schließlich alle Geschäfte, Banken, Versicherungen, Behörden u dgl. lokalisiert, während der Industriering (11) die zur Stadt gehörenden Industriebetriebe und Fabriken aufnimmt.
Die radial anzulegenden Straßen sollten die Ringstraßen kreuzungsfrei über- oder unterqueren.
5. Vorteile dieser Lösung?
- Die Stadt ist abgasarm. Ampeln sind weitgehend unnötig,
- Kurze Wege/gute Verkehrsverbindungen zwischen den Wohn- und Arbeitsgebieten,
- Kurze Wege/gute Verkehrsverbindungen zwischen den Wohn- und Erholungsgebieten,
- Kurze Wege/gute Verkehrsverbindungen zwischen Wohngebieten, zu den Kindergärten, Schulen, Ärzten, Krankenhäusern, Pflege- und Altersheimen, Gaststätten und Kirchen,
- Kurze Wege/gute Verkehrsverbindungen zu den Geschäften, Banken, Versicherungen, Behörden, … und
- Kurze Wege/gute Verkehrsverbindungen auch zu den zu Industriebetrieben und Fabriken,
- Die Pendler fahren morgens radial nach außen bis zu dem Ring, an dem ihr Ziel (Arbeitsplatz, Arzt…) liegt und dann über großzügige, ampelfreie Ringstraßen (tangential) zu ihrem Ziel.
- abends entsprechend umgekehrt bis zu ihrem Ring nach innen.
Diese Lösung bringt - mehr als Nebeneffekt – eine übersichtliche, auch für Stadtfremde eine einfache Bezeichnungsmöglichkeit für die Straßen: Radial verlaufende Straßen erhalten die Gradzahl der Himmelsrichtung, in der sie verlaufen (z.B. Bezeichnung der Straße, die nach Osten führt: „Straße 90“ und tangential verlaufende Straßen die Ringzahl von innen gezählten Ringstraßen (Ring 5, -8, -10 und -12)
6. Probleme bei der Einführung dieser Lösung
Der Fall, dass eine neue „Ringstadt“ zu konzipieren ist, dürfte – wenn überhaupt – nur sehr selten vorkommen. Dennoch eignet sich das Denkmodell auch für neu anzulegende Trabantenstädte, als auch für bereits existierende Städte. Im zweiten Fall ist der städtischen Planungsbehörde durch den Stadtrat vorzugeben, in welchen Bereichen z.B. Wohngebäude, Schulen, Arztpraxen usw. genehmigt werden dürfen. So kann z.B. im Verlauf von 2-3 Generationen eine Umwandlung des Stadtbildes zu einer Ringstadt sichtbar werden. Auch dieser Zeitraum stellt ein Problem insofern dar, als es Politiker nicht gewohnt sind, langfristig zu denken, sondern nur von einer Wahlperiode zur nächsten.
7. Zukunftsvision
Der Projektierung neuer Städte/Stadtteile muss eine Grundsatzentscheidung der zuständigen Planungsbehörde/Stadtverwaltung vorangehen, die die Realisierung einer Ringstadt vorschreibt. Jede Detailplanung hat dieser Grundsatzentscheidung Rechnung zu tragen. Da eine solche Stadt erst „nach und nach“ entstehen kann, erscheint es sinnvoll, ihre Besiedlung in Sektoren vorzusehen, die ihrerseits alle für eine „Ringstadt“ typischen Einrichtungen bereits enthalten.
Auch die Ringstraßen sind bereits in dem Anfangsstadium fertigzustellen, um deren Vorteile nutzen zu können. Die dazugehörigen Radialstraßen müssen in Form einer Unter-/Überführung die Ringe kreuzen, um auch den Tangentialverkehr flüssig zu halten. In den Planungsvorgang muss auch das Nahverkehrssystem einbezogen werden, das in tangentialer Richtung aus einem schienengebundenen Verkehrsmittel und in radialer Richtung aus einem Stadtbus - System bestehen kann.
Der grundsätzliche Aufbau einer solchen Ringstadt“ ergibt sich aus der Grafik
Alle Urheberrechte liegen beim Verfasser.
Hans Werner Zimmermann
Oberstleutnant a.D., Dipl.-Ing., Ing. (grad.)
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