Zur neuen Sammlungsbewegung (initiiert von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine)
Von Charlotte Ullmann
Eine breite Bewegung von links tut not, jetzt und immerdar, sogar von oben angeheizt (wie hier durch Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine).
Dabei Anleihe zu nehmen beim kommunistischen Manifest erscheint mir etwas hochtrabend, aber immerhin feiern wir gerade Marxens Geburtsjahr.
Und wie die AfD ihre Schäfchen einsammelt? Dem Rattenfänger von Hameln gleich, der mit betörendem Flötenklang die Kinder ins Verderben lockt! Das ist erschreckend!
Wer hier nicht aufsteht und sich widersetzt, dem ist nicht mehr zu helfen, so aussichtslos das Sich-Widersetzen auch erscheinen mag.
"Wir sind das Volk" tönte es durch nie "blühende Landschaften", als solche von Helmut Kohl versprochen. Was kam, waren soziale Wüsten.
Kein Wunder, dass die AFD so zugelegt hat, besonders im Osten der Republik.
Und wie die ehemalige DDR abgewickelt wurde, in ihrer Sterbestunde, so radikal, wie anschließend die Agenda 2010 über die Köpfe der Menschen hinwegfegte!
Denn auf die Revolution von unten ("wir sind das Volk") erfolgte die von oben.
Maßgeschneidert, vom Kapital, von Rot-Grün unter Schröder exekutiert.
Das schreit wiederum nach Revolution von unten!
Ja, liebe Sahra, reicht da eine Sammlungsbewegung, von oben initiiert, aus?
Die Linke Partei hat's versucht, damals, zu Beginn des neuen Jahrtausends, der Agenda 2010 die Stirn zu bieten. Verheddert hat sie sich in kleinteiligen Abwehrkämpfen (zusammen mit den DGB-Gewerkschaften) oder gar in Mitmachorgien (siehe Rot-Rot-Grün im Berliner Senat oder ROT-ROT in Brandenburg), obwohl ihr zunehmende Verankerung in den linken sozialen Bewegungen gelang.
"Hartz IV muss weg!" Ja, bitte schön, was soll stattdessen kommen?
Ein "solidarisches Grundeinkommen"? Etiquettenschwindel hoch Hundert! Neuerdings von Michael Müller (SPD), Oberbürgermeister von Berlin, aus dem Hut gezaubert. Nichts anderes als eine Wiederauflage der alten ABM-Maßnahmen oder der öffentlich geförderten Jobs (ÖBS) in Berlin.
Welche Antwort gibt die Linke als Bewegung und Partei auf die Frage, was kommt nach Hartz IV?
Bedingungsloses Grundeinkommen?
"Erst muss der Kapitalismus weg!", sagen die orthodoxen Marxisten.
Aber wie, bitte schön? Nochmal 200 Jahre warten? Karl Marx würde sich im Grab umdrehen!
Aus dem Schoße des Alten soll Neues entstehen (Marx)! Richtig, der Keim des Neuen bricht aus den versteinerten Verhältnissen der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen langsam aber sicher hervor, bringt sie zum Tanzen (Karl Marx), m. E. mit einem dafür geeigneten Grundeinkommen, dem emanzipatorischen, linken, ökonomisch minutiös durchgerechnet von der BAG--Grundeinkommen in und bei der Partei DIE LINKE.
Mit ihm könnte die sehnlichste Hoffnung der Linken, den Kapitalismus zu überwinden, in Erfüllung gehen.
Weil mehr Verhandlungsmacht des Lohnabhängigen gegenüber dem Arbeitgeber mit einem für ein würdevolles Leben ausreichenden Grundeinkommen.
Das Kräfteverhältnis zwischen Arbeit und Kapital würde sich zu Gunsten der Arbeit verschieben.
All das, wofür sich die Linke seit Marx einsetzt.
Eine gigantische Umverteilung von oben nach unten käme in Gang, immerhin auch Magenschmaus der Gewerkschaften.
Fazit: Wenn die neue Sammlungsbewegung den Kapitalismus nicht überwinden will, oder nicht wenigstens offen ist für neue soziale Antworten, wird das nichts!
Ein guter Anfang ist gesetzt, wieder mal, weil die Linkspartei trotz zunehmender Verankerung in linken Bewegungen nicht mehr ausreicht.
Und da gebe ich Dir, lieber Uli Gellermann, recht, die Sammlungsbewegung ist immerhin eine Chance! (1)
Charlotte Ullmann aus Frankfurt am Main am 9. 8. 2 018
Links:
(1) www.rationalgalerie.de/kritik/aufstehen-und-widersetzen.html