Skip to main content Skip to page footer

Zu Paris und der Gruppe "Marx21"

von Max Brym

Nach den Terrorakten in Paris - Marx 21 entsorgt neuerlich den Marxismus

Das Organ der Strömung Marx21 schreibt zu den grauenhaften Verbrechen in Paris:
„Das Attentat auf die Journalisten von „Charlie Hebdo“ war ein grauenhaftes Verbrechen. Doch die Antwort darauf ist keine Bewegung für das Recht auf rassistische Karikaturen, meint Hans Krause.“

Worin der umfassende Rassismus von 'Charlie Hebdo' bestanden haben soll verschweigt dieser „glänzende“ Artikel. Als Begründung taucht lediglich folgender Satz auf:
„Die Journalisten von »Charlie Hebdo« haben oft darauf hingewiesen, dass sie keines- wegs nur den Islam, sondern ebenso das Christentum und andere Religionen kritisieren und sich über sie lustig machen. Doch damit verkennen sie, dass der Islam, anders als das Christentum, in Frankreich die Religion einer unterdrückten Minderheit ist. Die Kritik an ihm wird seit Jahren missbraucht, um rassistische Vorurteile gegen Menschen aus Afrika, dem Nahen Osten und andere Migranten zu verbreiten.“

Völlig ignoriert wird dabei die Tatsache, dass der islamische Fundamentalismus ein konter- revolutionäres Produkt der Verzweiflung ist. Nach „Marx21“ darf es keine Kritik am Islam geben, weil dieser die Religion einer unterdrückten Nationalität ist. Objektiv bedient „Marx 21“ damit nur den rassistisch motivierten Antiislamismus der Rechten.

Denn wenn es von links her keine Kritik am Islam gibt, wird eine sogenannte Islamkritik auf rassis- tischer Basis von Rechts her betrieben. Der Islam und speziell die islamischen Fundamentalisten behindern, die Befreiung der unterdrückten Mas- sen in Frankreich, Deutschland und England. Viele Flüchtlinge aus dem arabischen Raum sollen in den Metropolen den islamistischen Hasspredi- gern - wenn es nach „Marx21“ geht - ausgelie- fert werden. Der positive Islambezug von „Marx 21“ hat nichts mit den mehrheitlich laizistischen Kurden, nichts mit den Revolutionären aus dem Iran und aus anderen Regionen gemein. Die völ- lige Verschleierung von Frauen ist kein 'Kulturgut' der rassistisch Unterdrückten in den Metropolen.

Die Burka ist ein extremes Produkt patriarchaler Herrschaft. Wie sehr sich „Marx 21“ vom Marxismus entfernt hat zeigt ein Blick auf das was Karl Marx selbst schrieb. Zur Frage der Religion meinte Marx:
„Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen, das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks".

Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks:
Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.

Die Kritik hat die imaginären Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die leben- dige Blume breche. Die Kritik der Religion enttäuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch, damit er sich um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewege.
Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt.
(Aus Marx/Engels-Werke, Bd. 1, 378ff.)

Diesen Geist geistloser Zustände, den Seufzer der bedrängten Kreatur, will „Marx 21“ als „Opium“ aufrechterhalten.

Marx selbst würde sich im Grab umdrehen wenn er mitbekäme was bestimmte selbster- nannte Propheten in seinem Namen so alles absondern. Die Kritik an jeder Religion ist eine der Axiome der marxistischen Theorie.

Aber „Marx 21“ hat sich so in den Islam oder besser in seine fundamentalistischen Strö- mungen verrannt, dass genau wie im Mainstream der bürgerlichen Medien, der zweite antisemitische Terrorakt in Paris völlig ausgeblendet wird. Nirgendwo ist davon die Rede, dass die Tötung von Juden in einem koscheren Laden, neben dem Angriff auf die Presse- freiheit bei „Charlie Hebdo“, ein monströser antisemitischer Akt war.

Dazu kein Wort bei „Marx 21“. Dieses Verhalten von „Marx 21“ ist kein Zufall. Wer nicht mitbekommen hat, dass der Kampf der Palästinenser, um ihre Rechte völlig denaturierte und nichts mehr mit Laizismus und Demokratie gemein hat, muss den Antisemitismus der Hamas und bei den Aktionen in Paris völlig ausblenden. Wer wie Marx 21 die Hamas be- jubelt kann nicht plötzlich den Antisemitismus entdecken. Die Herrschaften verteidigen im Namen des Marxismus den Islam.

Marxisten verteidigen keinerlei Religion, Marxisten behandeln die Religion als zu respek- tierende Privatangelegenheit. Auf der anderen Seite nehmen sich Marxisten die Freiheit jede Religion zu kritisieren. Wer dies anders sieht hat mit dem Marxismus genau-soviel zu tun wie Esel mit der Skispringerei.
Quelle:
marx21.de/sind-wir-wirklich-alle-charlie-hebdo