Mitteilung zu den erhobenen Vorwürfen gegen ein Mitglied des Landesvorstands der LINKEN NRW
Von Die Linke. Mönchengladbach
Wie wir über die Presse[1] erfahren haben, werden durch mehrere Genossinnen Vorwürfe gegen ein männliches Mitglied unseres Landesvorstandes erhoben. Die veröffentlichten Beschreibungen machen erneut deutlich, dass wir auch in NRW offensichtlich ein massives Problem mit männlicher Dominanz in unserer Partei haben. In den geschilderten Vorgängen wird für uns eine klassisch patriarchale Machtstruktur sichtbar. Betroffene gehen an die Öffentlichkeit und hoffen auf Solidarität und Unterstützung in den Parteiorganen. Stattdessen wird ihnen jegliche Glaubwürdigkeit abgesprochen, es findet eine allgemeine Solidarisierung mit dem Beschuldigten statt und am Ende verlassen die Betroffenen die Struktur, während alle anderen so weitermachen, als sei nichts geschehen.
Für uns ist dieses Verhalten auf mehreren Ebenen mindestens problematisch bis anstößig. Weder ist diese Strategie einer sozialistischen / feministischen Partei würdig, noch erfüllt dieser Umgang miteinander den Anspruch an einen grundsätzlichen Respekt voreinander. „… Die Würde des Menschen ist unantastbar …“ Dies gilt sowohl für die Frauen, welchen diese Situationen aufgezwungen wurde, als auch für den Beschuldigten, der jetzt damit in der Öffentlichkeit steht. In solchen Situationen wird deutlich, wie groß die Verantwortung ist, die wir füreinander haben und wie selten uns dies in unserem Handeln als Partei bewusst ist.
Aus diesem Grunde verlangen wir von unserer Landespartei eine umfassende sowie zeitnahe Aufklärung der erhobenen Vorwürfe. Wir erwarten, dass der Beschuldigte in dieser Zeit zumindest sein Amt für die Partei ruhen lässt. Ein Mitglied des Vorstandes hat Schaden von der Partei abzuwenden und diesen nicht weiter zu verstärken. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, muss ein Rücktritt folgen und der restliche Landesvorstand hat sich zumindest öffentlich bei den Betroffenen zu entschuldigen. Wir gehen dann allerdings von einem allgemeinen Rücktritt des Vorstandes aus, da in diesem Fall aktiv ein Täter geschützt worden wäre. Ebenfalls erwarten wir als Teil dieses Landesverbandes umfassend über alle Vorgänge informiert zu werden. Mitglieder müssen aufgrund von Informationen und nicht von Gerüchten entscheiden können.
Unsere Solidarität als Kreisverband, Linksjugend und Fraktion gehört den Betroffenen. Uns ist bewusst, dass wir in einer patriarchalen Gesellschaft leben und es in dieser scheinbar immer viele, vermeintlich gute Gründe gibt, warum man die Aussagen von Frauen anzweifelt. Wir zweifeln nicht, sondern nehmen die beschriebenen Vorwürfe sehr ernst.
Wir erwarten, dass der Landesvorstand dies ebenfalls tut und dann als Vertreter*in einer sozialistischen / feministischen Partei handelt.
DIE LINKE KV Mönchengladbach
Linksjugend Solid Mönchengladbach
Fraktion DIE LINKE Mönchengladbach