Kritik der "Verstaatlichung"sparole
Kurzer Diskussionsbeitrag zur "Krisendebatte"
von Richardt Albrecht
I.
Marx & Engels sahen damals die empirische Entwicklung vom unternehmerisch bestimmten produktiven Industriekapitalismus zum (vom mir meist *Banksterkapitalismus* genannten) so parasitären wie systematischen Schwindelkapitalismus. Im von Engels ediertem „Kapital“ Band III: „Kritik der politischen Ökonomie. Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion“ ist von Kapital, Zinsen und „zinstragendem“ Kapital die Rede und von der „Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst“ als „einem sich selbst aufhebenden Widerspruch“, etwa in Form monopolistischer Staatsintervention bei Kapitalakkumulationsprozessen mit einer „neuen Finanzaristokratie, einer neuen Sorte Parasiten in Gestalt von Projektemachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren“ an der Spitze, genauer: „einem ganzen System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.“[1]
II.
Ganz anders sehn das heute Linksparteiideologen und -politiker wie Lafontaine & Flassbeck, der (wieder mal) *„Das Ende des Kapitalismus“* behauptet: „Die Marktwirtschaft oder der Kapitalismus ist am Ende. Es gibt kein Wachstum mehr“ infolge eingefrorener Löhne: „Die momentane Krise ist im Kern eine globale Lohnkrise, also eine Krise des Nichtsteigens der Löhne“, was diese Lage schüfe: „fast 70 Prozent der Weltwirtschaft [haben] stagnierende Löhne.“[2] Ja, wenns so einfach ginge: über massive Lohnsteigerungen Wachstum schaffen und den „Marktwirtschaft“ genannten Kapitalismus wieder flott machen. Das freilich wird welchem Sozi-„Arzt am Krankenbett des Kapitalismus“ auch immer deshalb nicht gelingen (können), weil *geldbezogene Scheinwertschöpfung* nach wie vor als das das Gesamtsystem bestimmende Gravitationszentrum der Gesamtwirtschaft (nerves of economy) wirkt. Oder anders gesagt: solange dieses Finanzbankensystems nicht entmachtet bzw. das Finanzbankensystem mit seinen *Banksterschwindelmethoden* als solches nicht abgeschafft wird, solange wird die nächste Krise mit allen (Folge-) Problemen nächst folgen ... Und was die *Verstaatlichung* betrifft: die Hypo-Real-Estate Banksterholding (HRE) ist soweit ich weiß seit zwei Jahren als sogenannte *bad bank* (schlimmer Banksterfinger) nach dem Motto: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren komplett verstaatlicht ...
[1] Marx-Engels-Werke (MEW), Dietz, Berlin ²1968, Band 25: 454
[2] Heiner Flassbeck, Das Ende des Kapitalismus; in: clara. Hg. Linksfraktion im Deutschen Bundestag, Heft 21/2011: 8-9
Richard Albrecht/14. Okt. 2011
wissenschaftsakademie.net