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„Krise war gestern, Krise ist heute, Krise ist morgen“

von Karl Wild

Der deutliche Aufschwung der Weltwirtschaft 2010 nach dem tiefen Fall 2008/09 beschert dem ehemaligen Exportweltmeister Deutschland dank einer überragenden Stellung auf den Märkten ein Wirtschaftswachstum wie seit langem nicht mehr.

Deutschland ist endlich wieder der Konjunkturmotor in Europa, jubeln die Auguren des Kapitals. Selbst Vertreter des Kapitals und des neoliberalen Mainstreams möchten die „lieben Mitarbeiter“ an diesem unverhofften Segen partizipieren lassen und fordern mal kräftige Lohnsteigerungen oder „freiwillige“ Sonderzahlungen zu Weihnachten.

Dass der Aufschwung nicht aus eigener Kraft des kapitalistischen Produktions- und Verwertungsprozesses erfolgte, sondern nur dem massiven Eingreifen der Staaten durch Verstaatlichungen und enormer Ausweitung der Staatsverschuldung geschuldet ist, verschiebt die Krise auf die Ebene der Politik:
Das Dilemma der überschuldeten Staatswesen von Griechenland bis Portugal, von GB bis Italien trifft die EU hart und lässt die Zinsen auf Staatspapiere steigen und den Euro schwächeln, was durchaus den Export der Eurostaaten und vorneweg Deutschlands begünstigt.
Dem Einen seine Krise ist, dass liegt in der Logik des Kapitals, dem Anderen seine Verwertungschance. Insofern ist das Krisengerede bei uns durchaus unangebracht.

Den Herrschenden scheint es offensichtlich zu gelingen, trotz der Proteste in den europäischen Staaten, die Krisenlasten über die sogenannten Sparmaßnahmen auf die Schultern der „kleinen Leute“ abzuwälzen. Je höher die Staatsschuld in den jeweiligen Ländern, desto drastischer die Einschnitte.

Und betrachtet man das Ausbleiben eines „heißen Herbstes“ des Widerstandes von Unten bei uns, so treffen die Kürzungen u.a. bei Hartz IV, Elterngeld und Wohngeld offenbar auf Zustimmung selbst der Mehrheit der Lohnabhängigen, glaubt man den Umfragen. Und auch in den Staaten, wo die Einschränkung der Staatstätigkeit wesentlich schmerzhafter wirkt, winken die Parlamente die Sparpakete durch.

Man muss anerkennen, dass es dem Kapital und seinen Vertretern gelingt, immer wieder selbst größere Verwerfungen in der Reproduktion der Gesellschaft und des Kapitals zu bewältigen. Und da die Krise zum Kapital gehört wie der Teufel zur Hölle, wird auch in der nahen und fernen Zukunft viel von Krisen schwadroniert werden, aber wie es so schön heißt, „die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter.“