An das Jahr 2011
von Dagmar Henn
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Du, neues Jahr mit müder Währung
betrittst Europa schon in Gärung,
mit Bankenrettung, Spargesängen
und heller Panik in den Gängen
vom Reichtag bis zum Bellevue.
Der Vizekanzler-Parvenü
dreht eine allerletzte Runde
vor der Dreikönigs-Abdankstunde.
Frau Merkel bringt das Heil der Welt
der Deutschen Bank, dem großen Geld,
sie leert dafür Europas Taschen
mit Griechen-Iren-Rettungsmaschen.
Europa kommt jetzt ins Korsett,
Demokratie, das ist zu nett,
jetzt wird geschnürt und angekettet,
demnächst wird Spanien dann „gerettet“.
Matt glänzt der Spruch „Dem deutschen Volke“;
aus einer düster-braunen Wolke
blitzt Sloterdijk, gießt Sarrazin
alteklen Dreck darüber hin.
Und Guttenberg besucht die Truppen,
mit Gattin und den Pressepuppen,
grüßt herrschaftlich für die Journaille,
ein Blaublut ist keine Kanaille...
Ein Freikorpsprinz im Blätterwald-
ach, neues Jahr, du scheinst so alt
und riechst nach Tschingderassabumm,
nach Kriegsbrand und nach „Heldentum“.
Lass, neues Jahr, dich nicht so ducken,
lass uns in ihre Suppe spucken;
ein besseres Europa träumen
und ihre Macht beiseite räumen.
Dann musst du nicht so elend gehen,
wie du jetzt kommst. Dann wirst du sehen,
wie man noch gerne von dir spricht.
Wie's jetzt steht, klappt das leider nicht.