Zum religiösen Krieg gegen die Frau
Von Reinhold Schramm
»Der IS kennt nur eine klar getrennte Welt des Entweder-Oder. Darauf dürfen wir uns nicht einlassen.« Vgl. Freitag *
Kommentar.
Der Autor Freedland schreibt: Das ist den „jungen Männern des IS ein Gräuel.“ Zuvor, eher zufällig, mein Blick in das “Buch der Woche“ (Freitag-Empfehlung).
Gerhard Schweizer schreibt u. a. über “Frauenrechte in Koran Hadith und Scharia“:
“Suchen wir im Koran nach Bekleidungsvorschriften für die Frau, finden wir nur zwei Anweisungen durch einen Engel Gottes an Mohammed. So: ‘Oh Prophet! Sag deinen Frauen und Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihren Übergewändern über sich ziehen {...}, dass [...] sie nicht ihre Zierde, außer nur was notwendig sichtbar sein muss, entblößen und dass sie ihren Bussen mit dem Schleier verhüllen sollen.’ {...} Und: “Nirgens ist aber eindeutig davon die Rede, das Haar müsse durch ein Tuch bedeckt sein, erst recht nicht, die untere Gesichtshälfte oder gar das ganze Gesicht sei zu verhüllen. Über solche Details streiten sich die Korangelehrten bis heute.“ (S. 162)
Der Autor schreibt u.a. über “Reformen und das Bleigewicht der Tradition“:
[Reformen 1971:] “Zwei neue Gesetze brachten im Jahr 1971 Syrien einen Modernisierungsschub: zum einen die Einführung der allgemeinen Schulpflicht für Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis zwölf Jahren, zum anderen das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Seither ist den Syrerinnen in größerem Ausmaß der Weg offen zu prestigeträchtigen Berufen, die noch während der sechziger Jahre fast durchwegs Männern vorbehalten waren. Frauen arbeiten nicht nur als Lehrerinnen und Ärztinnen, sondern auch schon als Anwältinnen, Richterinnen, ja Ministerinnen. {...}“ (S. 170)
Merke: Der “Islamische Staat“ ist vor allem, – ebenso wie die Regime in Saudi-Arabien, Katar, VAE und (modifiziert in) Kuwait –, eine feudal-religiöse Kriegserklärung an die Frau!
* Vgl. Freitag, Meinungsmedium, Ausgabe 48/15, 27.11.2015. Es lebe die Grauzone. Zwischentöne. Von Jonathan Freeland, Tageszeitung The Guardian. »Die Grauzone verweist insbesondere auf die Sphäre, in der Muslime und Nicht-Muslime zusammenleben können. Das ist den angsterfüllten jungen Männern des IS ein Gräuel. Sie sehnen sich nach einer durch klare Linien binär aufgeteilten Welt, die nur zwei Gruppen kennt – sie und die Ungläubigen.«
www.freitag.de/autoren/the-guardian/es-lebe-die-grauzone
Freitag-Buch der Woche:
Gerhard Schweizer: Syrien verstehen. Geschichte, Gesellschaft und Religion.
Inhalt u.a.: Syrien ein Pulverfass?, Toleranz im Namen Allahs, Sunniten und Schiiten, Der Islam und die Frauen, Islam und modernes Denken, »Ketzer« und der Sieg der Orthodoxie, Das Trauma der Kreuzzüge, Imperialismus und Nationalismus, Baath und Islam, Ein kurzer »Heiliger Krieg« in Syrien, Ein Umbruch mit unabsehbaren Folgen.
30.11.2015, Reinhold Schramm