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TERRE DES FEMMES fordert ein Ende der Frühehen

Internationaler Gedenktag „NEIN zu Gewalt an Frauen" – Zehnjährige „heiratet" am Brandenburger Tor

Mit einer Hochzeitszeremonie vor dem Brandenburger Tor hat die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES am Internationalen Gedenktag „NEIN zu Gewalt an Frauen“ ihre Forderung unterstrichen, weltweit Frühehen zu stoppen. „Wir wollen, dass Deutschland wie Schweden und die Schweiz ein Vorbild im Kampf gegen Frühehen wird und das gesetzliche Mindestheiratsalter auf 18 Jahre ohne Ausnahme festgelegt sowie begleitende Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen anbietet",  erklärt TERRES DES FEMMES Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle. Deshalb hat die Frauenrechtsorganisation die Unterschriftenaktion: "Frühehen stoppen – Bildung statt Heirat!“ gestartet. Noch bis zum 30. April 2016 kann die Petition unterschrieben werden.  

„Ich bin doch noch ein Kind, ich möchte zur Schule gehen und keine Ehefrau sein!“, bat die zehnjährige Braut vor dem Brandenburger Tor.  „So etwas kennt man nur aus dem Mittelalter als alte Adelsgeschlechter und Kirchenverbände Ehen arragiert haben", sagt der 75-Jährige Herbert L., der zufällig ans Brandenburger Tor kam. Jörg Rensmann 54 Jahre meint: „Das Problem der Frühehen ist immer noch zu wenig bekannt. Es handelt sich dabei um Gewalt gegen junge Frauen." Umso wichtiger sei, dass Organisationen wie TERRE DES FEMMES darauf aufmerksam machten.

Frühehen sind Zwangsheiraten und somit eine Menschenrechtsverletzung. Jeden Tag werden weltweit 39.000 Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Und das, obwohl die UN-Kinderrechtskonvention als gesetzliches Mindestheiratsalter 18 Jahre empfiehlt. Mädchen erleben nach einer frühen Heirat oftmals häusliche oder sexualisierte Gewalt und müssen entweder die Schule oder die Ausbildung abbrechen. „Sie werden damit um die Möglichkeit gebracht, selbst bestimmt zu leben sowie einen Beruf auszuüben, der sie finanziell unabhängig macht“, erklärt Stolle.

Frühehen und Zwangsverheiratungen sind religionsunabhängig. Sie kommen vor allem in patriarchalisch strukturierten Gesellschaften vor. Dabei spielt die Tradition eine große Rolle, dass Frauen jungfräulich in die Ehe gehen sollen. Je jünger das Mädchen bei der Hochzeit ist, desto eher ist dies garantiert. Auch finanzielle Gründe spielen eine Rolle. Mädchen werden verheiratet, um die Familie nicht mehr zu belasten.

Auch wenn Frühehen mehrheitlich in Asien, Afrika und Lateinamerika vorkommen, können in Deutschland ebenfalls Minderjährige ab 16 Jahren mit Zustimmung des Familiengerichts heiraten, wenn der künftige Ehegatte volljährig ist.  

Jede/r Einzelne kann dazu beitragen Frühehen weltweit zu stoppen. Schauspielerin Sibel Kekilli, Erstunterzeichnerin der Petition, meint: „Ich hoffe sehr, dass viele meinem Beispiel folgen und die Unterschriftenaktion von TERRE DES FEMMES unterstützen.“

Die Frauenrechtsorganisation wird die Unterschriften im Mai 2016 an das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung übergeben.