Internationaler Mädchentag: Startschuss für Unterschriftenaktion im Kampf gegen Frühehen
TERRE DES FEMMES fordert Bildung statt Heirat
Schauspielerin Sibel Kekilli erste Unterzeichnerin
Von TDF
Jeden Tag werden weltweit 39.000 Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Und das, obwohl die UN-Kinderrechtskonvention als gesetzliches Mindestheiratsalter 18 Jahre empfiehlt. TERRE DES FEMMES startet deshalb zum Internationalen Mädchentag am Sonntag, 11. Oktober, eine Unterschriftenaktion, mit der sie die Bundesregierung auffordert, sich für ein Ende von Frühehen einzusetzen. Schauspielerin Sibel Kekilli hat bereits unterzeichnet: „Ich finde es erschütternd, dass auch in der Gegenwart noch minderjährige Mädchen zwangsverheiratet werden. Deshalb unterstütze ich die Unterschriftenaktion von TERRE DES FEMMES.“
Mädchen erleben nach einer frühen Heirat oftmals häusliche oder sexualisierte Gewalt und müssen entweder die Schule oder die Ausbildung abbrechen. Sie werden damit um die Möglichkeit gebracht, selbst bestimmt zu leben sowie einen Beruf auszuüben, der sie (finanziell) unabhängig macht. „Frauen bleiben dadurch gesellschaftlich benachteiligt und der Gesellschaft geht das Potential der Frauen verloren“, erklärt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. Auch wenn Frühehen mehrheitlich in Asien, Afrika und Lateinamerika vorkommen, können in Deutschland ebenfalls Minderjährige ab 16 Jahren mit Zustimmung des Familiengerichts heiraten. Die Frauenrechtsorganisation fordert deshalb die Bundesregierung dazu auf, auch in Deutschland das gesetzliche Mindestheiratsalter auf 18 Jahre festzulegen und die Ausnahmeregelung abzuschaffen. Schweden und die Schweiz haben dies bereits getan.
Gleichzeitig fordert TERRE DES FEMMES, dass Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen gegen Frühehen finanziell gefördert werden. „Wir stellen einen großen Bedarf an Fortbildungen für Lehr- und Fachkräfte fest“, sagt Stolle. Aber auch die Jugendlichen selbst wissen oftmals nicht, welche Rechte sie haben und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. „Mit unserem Theaterstück ‚Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?’ gegen Zwangsheirat konnten wir bereits über 1.200 SchülerInnen sensibilisieren. Doch das reicht noch nicht. Um Frühehen wirksam zu bekämpfen, ist noch viel mehr Arbeit nötig.“
Dies sehen auch die Vereinten Nationen so und haben daher am 25. September mit der Verabschiedung der Nachhaltigen Entwicklungsziele die Abschaffung von Frühehen bis 2030 beschlossen. TERRE DES FEMMES fordert die Bundesregierung auf, sich national wie international für dieses Ziel einzusetzen. „Deutschland hat sich verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um die Nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit und in allen weiteren bilateralen Gesprächen muss der Stopp von Frühehen eingefordert werden“, erklärt Stolle. Gerade in Ländern mit einer hohen Rate an Frühehen wie in Sierra Leone und Nicaragua ist dies wichtig. Doch nicht nur die Politik ist gefragt. Jeder einzelne kann dazu etwas beitragen. Sibel Kekilli: „Ich hoffe sehr, dass viele meinem Beispiel folgen und die Unterschriftenaktion von TERRE DES FEMMES unterstützen.“
Die Frauenrechtsorganisation wird die Unterschriften im Mai 2016 an das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung übergeben.