Flüchtlingsdebatte und soziale Emanzipation
Von Reinhold Schramm
Wo gibt es in den feudal-religiösen Männerbünden und (auch christlichen) Aberglaubensgemeinschaften: Aufklärung und Emanzipation?
»Wenn Rechtspopulistinnen zu Feministinnen werden – und umgekehrt. {...} „Sie traute sich nicht mehr auf die Toilette. Die Männer, der Lärm, das war alles zu viel für sie“ – so heißt es in einer aktuellen Reportage der Frauenzeitschrift Emma. Ihr zufolge sind in Flüchtlingsunterkünften „sexuelle Übergriffe an der Tagesordnung“. „Deutsche Frauen machen sich Sorgen“, schlagzeilt unverhohlen nationalistisch die Hauspostille {...}«
Vgl. Freitag, Das Meinungsmedium [Siehe hierzu auch die weiteren Leser-Kommentare.] *
Kommentar [R. S.]
Gleichheit von Frau und Mann, — unabhängig von der Herkunft, vom Geschlecht und Hautfarbe —, gibt es nur im gemeinsamen Kampf für die Überwindung und Beseitigung des Kapitalismus und damit der Aufhebung der Entfremdung des Menschen – von Mensch und Natur. Nur im gemeinsamen sozialrevolutionären Kampf von Frauen und Männern für die Aufhebung des Privateigentums an den gesellschaftlichen Produktions- und Reproduktionsmitteln ist Gleichberechtigung und Emanzipation – auf allen Ebenen der (neuen) sozialistischen Gesellschaftsformation – möglich!
Erwiderung von @ MAGDA: „Amen, das liest sich ja wie Parteilehrjahr. Vor allem macht es wieder den Versuch, die Frauen auf solche Zeiten, da dieses hehre Ziel erreicht ist, zu vertrösten. Bis dahin dürfen sie den Revolutionären wahrscheinlich die Stullen schmieren und dürfen sich deren sexistische Sprüche anhören, denn Sexismus gibts unter Linken genau wie sonst überall auch. –
Mir wären schon ein paar Marscherleichterungen auf dem Weg in eine lichte Zukunft ganz lieb, aber da sei das Patriarchat vor. Das gabs allerdings schon vor dem Kapitalismus.“ Vgl.*
Antwort, zu @ MAGDAs: „Amen“ und „wieder den Versuch, die Frauen ... zu vertrösten. {...}“
In allem muss ich Ihnen widersprechen.
Das Problem der Entfremdung ist kein geschlechtsspezifisches Problem und existiert auch unabhängig von der jeweiligen sexuellen Orientierung. Es ist ein gesellschaftspolitisches Problem [in allen bisherigen historischen Gesellschaftsformationen].
Frauen und Männer können ihre Gleichstellung nur gemeinsam erreichen und durchsetzen. Dabei müssen vorhandene Gegensätze gemeinsam ausgetragen und überwunden werden. Eine nach dem Geschlecht isolierte Gleichstellung und Emanzipation ist nicht möglich. Emanzipation enthält auch die Überwindung und Aufhebung der traditionell (historisch) überkommenen Geschlechterrollen.
Die geschlechtsspezifische Ausbeutung und überkommene Rolle der Frau in allen bestehenden Ausbeutergesellschaften, — die dominiert werden von den Männern – auf allen Ebenen, so aber auch in der heutigen spätbürgerlichen Gesellschaftsformation der (deutschen) Bundesrepublik, Dänemarks, Norwegens, Schwedens bzw. Schweiz etc. —, muss gemeinsam überwunden und beseitigt werden.
Dies beinhaltet aber auch einen Zusammenschluss von Frauen in gemeinsamen Kampf- und/bzw. Lebensbündnissen, so z. B. in feudal-archaischen und feudal-religiösen Gesellschafts- und Übergangsformationen, wie heute z. B. auch in Indien und Saudi-Arabien etc. Beispielhaft hierfür sind meiner Auffassung nach aber auch eigenständige militärische Kampfverbände von kurdischen Frauen – der nationalen Befreiungsbewegung Kurdistans. Hier sind Frauen führend am nationalen Befreiungs- und zugleich Emanzipationskampf beteiligt. So. z. B. auch gegen den feudal-religiösen und patriarchalischen Islamischen Staat.
In der Bundesrepublik Deutschland, ebenso wie in anderen europäischen Staaten und Regionen, wäre ein Ansatzpunkt die Gleichstellung der Frau am Arbeitsplatz [die wortreichen Papiere der bürgerlichen BDI-Parteien und Gewerkschaften sind damit nicht gemeint]. Der Kampf für gleichen Lohn. Dieser Kampf muss aber auch von Frauen selbst geführt werden. Nur eine Erwartungshaltung an die trägen Männer — ob nun in der Kindererziehung, bei der Haus- bzw. Familienarbeit oder bei der Gleichstellung am Arbeitsplatz — reicht auch hier nicht aus.
Gemeinsam sind wir stark! [“Amen“]
[– unvollständig.]
Kommentar/Erwiderung von @ “Moinmoin“: [Zitat:] “’Selbst bei emanzipatorisch geprägten Menschen ist die überkommene kulturelle Prägung traditionell tiefer verwurzelt als alle intellektuellen (akademischen) Grundlagen der bürgerlichen Aufklärung.’ –
Das kann so pauschal formuliert nicht richtig sein. Wie sonst wären in einer vom Christentum geprägten Kultur Aufklärung, Emanzipation usw. möglich gewesen?“ Vgl.*
Frage und Antwort: Wo gibt es in den feudal-religiösen Männerbünden bzw. christlichen Aberglaubensgemeinschaften: “Aufklärung“ bzw. “Emanzipation“?
* Vgl. Freitag, Meinungsmedium, 06.-10.11.2015. Aufschrei im Abendland. Flüchtlingsdebatte.
www.freitag.de/autoren/der-freitag/aufschrei-im-abendland
12.11.2015, Reinhold Schramm