Schaufenster besprüht bei Prada, Gucci & Co - Euer Luxus = unser Klimakollaps
Von Letzte Generation
Vor den Schaufenstern von fünf/mehreren Berliner Luxusläden protestieren heute Menschen der Letzten Generation für sozial gerechte Wege aus der Klimakatastrophe. Mithilfe präparierter Feuerlöscher sprühten sie orange Farbe an die Schaufenster von Prada, Dolce & Gabbana, Gucci, Louis Vuitton und Rolex am Kurfürstendamm. Auf den Schildern, die sie halten, steht: „Euer Luxus = unser Klimakollaps“ und „Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten“.
Während sie einen mit oranger Farbe gefüllten Feuerlöscher hervorholt, erklärt die zweifache Mutter Judith Beadle (42): „Der Luxus, der hier in den Schaufenstern zur Schau gestellt wird, steht in krassem Kontrast zur Lebensrealität tausender Menschen, die sich trotz harter Arbeit kaum noch ihren Wocheneinkauf leisten können. Während wir an jeder Ecke sparen, verfeuern wenige Reiche unsere Zukunft. Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten.“
Die reichsten Deutschen emittieren tausendmal so viele Treibhausgase wie der Durchschnitt. [1] Während die einfache Bevölkerung die Konsequenzen tragen muss, können sich einige wenige von den katastrophalen Folgen der Klimakatastrophe, die sie maßgeblich mitverursacht haben, noch für lange Zeit freikaufen.
Unter den 20 000 Hitzetoten in Europa im letzten Jahr waren eben nicht diejenigen, die sich in ihre kühlen Luxusvillen zurückziehen können. Hohe Sommertemperaturen heizen Wohngebiete mit dicht beieinander stehenden Plattenbauten auf versiegelten Flächen besonders stark auf. Damit treffen die immer extremeren Hitzewellen besonders Menschen mit niedrigem bis mittlerem Einkommen in jenen Wohngebieten. [2] Genauso wie die durch häufigere und länger anhaltende Dürren ausgelösten Ernteausfälle, die Lebensmittelpreise weiter steigen lassen. [3]
Den Blick zum in oranger Farbe getränkten Prada-Schriftzug gewandt erklärt Lilli Gómez (22): „Gerade können wir in Luxusläden noch Handtaschen aus Kaviarleder bestaunen. Kaviar steht heute für Luxus und Wohlstand. Doch in der Klimakatastrophe werden Tomaten und Gurken die Rolle von Trüffel und Kaviar einnehmen und bald hinter Schaufenstern wie diesen hier verschwinden – für den Großteil der Menschen kaum erreichbar.“ [4]
Sie betont: „Wenn wir nicht wollen, dass Essen zum Luxusgut wird, müssen alle Bevölkerungsschichten zusammenkommen: in einem Gesellschaftsrat, der jetzt den Plan erarbeitet, den die Regierung nicht hat. Um die Kehrtwende in eine lebenswerte Zukunft zu schaffen, brauchen wir gerade die Stimmen jener, die viel zu wenig gehört werden und doch jetzt schon am meisten unter Klimafolgen leiden – in Plattenbauvierteln, die in der Sommerhitze flimmern, beim Dachdecken oder beim Arbeiten auf dem halb verdorrten Feld.“
Die Regierung ist in der Pflicht, den Reichen und Mächtigen Grenzen zu setzen, damit die Maßlosigkeit einiger weniger nicht die Freiheiten und Grundrechte aller einschränkt.
Da sie an dieser Aufgabe scheitert, sollte sie sich von einem Gesellschaftsrat unter die Arme greifen lassen.
[1] Ungleiche Emissionen in Deutschland: Zu viel Knete killt das Klima - taz.de
[2] Tödliche Sommerhitze: Die unterschätzte Zahl der Hitzetoten - ZDFheute
[3] Klimawandel - Ursachen und Folgen - Welthungerhilfe