Nach Undercover-Recherche: El Pozo Zulieferer auf der Anklagebank
Von Animal Equality
Prozessauftakt gegen Schweinemäster nach Tierschutzskandal
Am ersten Prozesstag gegen die Gebrüder Carrasco wegen des Vorwurfs der 14-fachen Tierquälerei durch Unterlassung wurden mehrere Zeugen gehört, darunter ein Veterinärinspektor, der Kameramann der Sendung Salvados und Javier Moreno, Mitbegründer von Animal Equality. Über die Recherche, die international für großes Aufsehen sorgte, wurde 2018 auch in Deutschland landesweit berichtet.
Im Februar 2018 rückte das spanische Unternehmen El Pozo, das seine Produkte unter anderem nach Deutschland exportiert, in den Mittelpunkt der Kritik, nachdem Animal Equality in Zusammenarbeit mit der bekannten spanischen Fernsehsendung Salvados die Haltungsbedingungen von Schweinen in dessen Zulieferbetrieb aufgedeckt hatte. Auch deutsche Medien berichteten landesweit über diese Enthüllungen, woraufhin deutsche Discounter als Reaktion die Produkte von El Pozo aus ihren Regalen entfernten. Die Gebrüder Carrasco, Betreiber des Schweinebetriebes, sitzen seit gestern auf der Anklagebank. Ihnen wird Tierquälerei in 14 Fällen vorgeworfen.
Der auf Antrag der Staatsanwaltschaft erschienene Gerichtssachverständige kam am ersten Prozesstag zu dem Schluss, dass es sich um Tierquälerei durch Unterlassen handele, da die Leistenbrüche und Verletzungen der Schweine darauf hindeuteten, dass sie wochenlang medizinisch unbehandelt geblieben waren.
„Diese Art von Leistenbruch kann nicht innerhalb von Stunden auftreten. Es dauert Wochen. Viele der Tiere können sich wegen der Größe ihrer Leistenbrüche nicht einmal ausruhen oder hinlegen, und dieser Zustand hat ihr Leiden ungerechtfertigt verlängert“, sagte der Veterinärinspektor, der den Betrieb nach der Ausstrahlung der Sendung besucht hatte. Er räumte ein, dass die Zahl der verendeten Tiere auf dem Gelände der Gebrüder Carrasco mehr als doppelt so hoch war wie für einen Betrieb dieser Art üblich.
Der Kameramann von Salvados gab vor Gericht an, dass er, obwohl er schon in vielen anderen Betrieben gefilmt hat, so etwas noch nie gesehen hat: „Überall lagen tote Schweine, andere waren in einem schrecklichen Zustand und wiesen Missbildungen auf. Was mir besonders auffiel, waren die Container voller toter, verwesender Tiere. So etwas habe ich noch nie in meinem Leben gerochen.“
Javier Moreno, Mitbegründer von Animal Equality, der zusammen mit Salvados an den Ermittlungen teilnahm und ebenfalls als Zeuge geladen war, betonte, dass die Tierkrankheiten in allen Ställen des Betriebes verbreitet waren: „Es war der schlimmste Betrieb, den ich je in meinem Leben gesehen habe, überall gab es kranke Schweine – das war ein Problem für die öffentliche Gesundheit.“
Um die hohe Sterblichkeitsrate zu rechtfertigen, argumentierten die Betreiber, dass ihr Betrieb an diesen Tagen einer ansteckenden Virusinfektion ausgesetzt gewesen sei und die Verschmutzung durch die Vernebler verursacht worden sein soll, die sie zur Kühlung einsetzen, wobei sich Kot mit Wasser vermischte.
Nach der Ausstrahlung der Salvados-Sendung reichte Animal Equality im Februar 2018 eine Klage ein, doch trotz aller vorgelegten Beweise stellte das Gericht in erster Instanz den Fall ein [1]. Das Provinzgericht Murcia gab jedoch der Berufung von Animal Equality und der Staatsanwaltschaft statt und entschied schließlich, dass die Verantwortlichen für den Betrieb wegen Tiermisshandlung vor Gericht gestellt werden.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Verantwortlichen des Betriebes fortwährende Tierquälerei vor und fordert eine 18-monatige Haftstrafe und ein vierjähriges Verbot der Tierhaltung. Animal Equality tritt als Nebenklägerin auf, wirft den Betreibenden 14 Straftaten der Tierquälerei vor und fordert eine Haftstrafe von 3 Jahren, der gesetzlich vorgesehenen Höchststrafe, sowie ein 9-jähriges Verbot der Haltung von Tieren.
Die ausgestrahlten Bilder von kranken und missgebildeten Tieren hatten 2018 internationale Auswirkungen: Mehrere deutsche und belgische Supermärkte nahmen Produkte von El Pozo zeitweise aus ihren Regalen. Aus Angst vor einer ähnlichen Reaktion in anderen Ländern gab El Pozo daraufhin eine Erklärung ab, dass das Unternehmen seine Beziehungen zu dem untersuchten Betrieb abgebrochen habe. Damit räumte das Unternehmen die Verbindung ein, die es seit Beginn der Krise geleugnet hatte [2].
Aufgrund der großen Zahl an geladenen Zeugen und Sachverständigen wird der Prozess am Freitag, den 2. Februar um 10 Uhr fortgesetzt.
Quellen:
[1] eldiario.es
[2] elplural.com
Über El Pozo
El Pozo ist ein spanisches Unternehmen, das sich auf die Produktion und den Vertrieb von Fleisch- und Wurstwaren spezialisiert hat. Es gehört zu den bekanntesten Lebensmittelmarken in Spanien und ist insbesondere für seine Schinken- und Wurstprodukte bekannt. Das Unternehmen wurde 1954 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Alhama de Murcia, Spanien. El Pozo ist Teil der Grupo Fuertes, einer der größten Lebensmittelgruppen in Spanien, und hat eine bedeutende Präsenz sowohl auf dem nationalen als auch auf dem internationalen Markt. Auch in deutschen Supermärkten werden Produkte von El Pozo verkauft.
Über Animal Equality
Animal Equality wurde 2006 von Sharon Nuñez, Javier Moreno und Jose Valle in Spanien gegründet und ist heute eine der weltweit effektivsten Tierschutzorganisationen. Gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen arbeiten wir in acht Ländern auf vier Kontinenten für eine Welt, in der alle Tiere respektiert und vor Ausbeutung geschützt werden. Animal Equality setzt sich durch Aufklärungsarbeit, Unternehmenskampagnen und der Veröffentlichung von Undercover-Recherchen dafür ein, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich genutzten Tieren zu beenden. Ebenso strebt Animal Equality Fortschritte für Tiere auf rechtlicher Ebene an.