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Die Schöpfung erhalten - Kirchenakteure solidarisieren sich mit Letzter Generation

Von Letzte Generation

Christen und Gläubige zeigten heute auf einer Kundgebung auf dem Berliner Wittenbergplatz ihre Solidarität mit der Letzten Generation. Nach dem Ende der Versammlung zogen die Teilnehmer:innen zur Andacht Richtung der nahe gelegenen Gedächtniskirche. Doch es kam anders. Einige der Gläubigen zeigten ihre Solidarität sehr plastisch und zogen orange Warnwesten an, um sich im Anschluss mit Sekundenkleber auf der Tauentzienstraße festzukleben. Viele der ehemaligen Versammlungsteilnehmer:innen umringten gemeinsam stehend die Klebenden.

Es ist eine angenehme Atmosphäre auf der Kundgebung im Berliner Stadtteil Schönberg:  Musik wird gespielt, Redebeiträge werden gehalten. In Gesprächsrunden ist man sich einig, dass auch die Glaubwürdigkeit der Kirchen auf dem Spiel steht, wenn diese sich angesichts der drohenden Klimakatastrophe ausweichend oder untätig verhalten. Eine Gruppe entscheidet sich nach der Kundgebung für zivilen Ungehorsam – in Solidarität mit der Letzten Generation und ihrem Anliegen. Unter ihnen sind Pfarrerin Andrea Rückert, Jesuitenpater Jörg Alt, Kirchenmusikerin Sonja Manderbach und Ordenschrist Emanuel Huemer, die sich mit weiteren Gläubigen auf den Asphalt kleben.

Auch Bernhard Gruna klebt sich heute auf der Fahrbahn fest: “Ziviler Widerstand fällt mir nicht leicht, ich war Offizier der Bundeswehr. Aber der Kurs unserer Regierung zwingt mich auf die Straße. Erfordert mein klares Nein zur aktuellen Klimapolitik. Ich kann nicht warten bis zur nächsten Wahl. Die Zukunft der Jüngeren darf nicht Macht- und Lobbyinteressen geopfert werden. Deshalb sind wir als Kirchenleute hier und auch ich als Führungskraft in den Einrichtungen einer Ordensgemeinschaft. Wir sind hier, um unseren Bischöfinnen und Bischöfen zu sagen: Setzen Sie sich für das Leben ein. Bleiben Sie nicht bei frommen Worten zur Bewahrung der Schöpfung. Nutzen Sie Ihren Einfluss. Stellen Sie sich öffentlich hinter Menschen, die zu Gefängnisstrafen verurteilt werden, weil sie sich für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen einsetzen.”

Neben ihm sitzt Andrea Rückert, ebenfalls mit einer Hand auf dem Asphalt geklebt. Sie ist Pfarrerin an einem Gymnasium in der Nähe von München: “Ich bin heute hier auf der Straße, weil für mich die Glaubwürdigkeit der Kirche auf dem Spiel steht, wenn wir lediglich reden von weltweiter Solidarität und der Würde jedes Menschen, statt uns auch entschieden für beides einzusetzen. Deshalb ist es für mich eine Frage des Gewissens, öffentlich und unüberhörbar darauf hinzuweisen, dass bereits jetzt Millionen Menschen unter den Folgen der Klimakrise leiden, darauf hinzuweisen, dass wir uns in einer dramatischen Lage kurz vor irreversiblen Klima-Kipppunkten befinden.”

Die Kirchen und Gläubigen unterstützen die Letzte Generation in vielfacher Hinsicht darin, ein klares NEIN zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen einzufordern. Bereits im vergangenen Oktober hatte sich Jesuitenpater Jörg Alt aus Solidarität mit der Letzten Generation auf dem Münchner Karlsplatz angeklebt [1]. In Leipzig wurden Unterstützer:innen der Letzten Generation zum Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche, dem Symbol der friedlichen Revolution von 1989, eingeladen. Jüngst fand die Pressekonferenz, in der Sprecher:innen der Bewegung einen Stadtstillstand für Berlin verkündeten, in der Kreuzberger St. Thomas Kirche statt [3].

In diesen Wochen begegnen sich jeden Abend Menschen der Letzten Generation und Berliner:innen in Kirchenräumen zu Gesprächen über zivilen Widerstand für Klimagerechtigkeit. Jede:r ist dazu eingeladen. Die Gespräche finden bis zum 30.04.2023 jeden Abend von 17-19 Uhr in der Gethsemane-Kirche in Prenzlauer Berg statt, ab dem 1.5. in der Reformations-Kirche in Moabit, ebenfalls von 17-19 Uhr. 

[1] Nürnberger Jesuitenpater klebt auf dem Karlsplatz fest – „Die Staatsregierung nötigt uns dazu“
[2] "Es ist unser Auftrag, die Schöpfung zu bewahren": Warum evangelische Kirchen die Letzte Generation unterstützen