Bäume statt Asphalt und Beton: Mit einer „0,5-Prozent-Initiative“ zu mehr Hochwasserrückhalt in den Kommunen
Von BBU
Im Hinblick auf das aktuelle Hochwasserdesaster in Niedersachsen nimmt der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) Stellung. Der bundesweit organisierte Verband fordert, dass durch die Revitalisierung der Auen entlang der Flüsse aus Hochwasser wieder Breitwasser gemacht werden müsse.
Angesichts der Hochwasserkatastrophe von 1997 an der Oder mit 39 Todesopfern hatte der damalige *Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl (CDU) erklärt: „Wir müssen den Flüssen
ihren Raum lassen. Sie holen ihn sich sonst — mit schlimmen Folgen für die betroffenen Menschen — zurück.“
Umweltverbände hatten schon lange zuvor gefordert, dass man durch die Revitalisierung der Auen entlang der Flüsse aus Hochwasser wieder Breitwasser machen müsse. Bei
jedem neuen Megahochwasser – wie 2002 an der Elbe, 2013 an der Donau und 2021 an Ahr, Erft und Wupper – war sich die Politik einig, dass dem Hochwasserrückhalt in der
Fläche ein Vorrang eingeräumt werden müsse. Bis auf wenige Deichrückverlegungen und beispielhafte Projekte zur Revitalisierung von Flussauen ist aber in den letzten
Jahrzehnten viel zu wenig passiert. Inzwischen wird in Fachkreisen die Notwendigkeit nicht nur von „Schwammstädten“, sondern von ganzen „Schwammlandschaften“ diskutiert –
ebenfalls eine Forderung, die von Umweltverbänden seit mindestens zehn Jahren erhoben wird. Aber auch die Realisierung von "Schwammstädten" mit möglichst hoher
Rückhaltekapazität für Regenwasser kommt aus der Nische nicht heraus.
Um endlich in die Breite zu kommen, schlägt der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) deshalb vor, nach Schweizer Vorbild in den deutschen Kommunen „0,5-Prozent-Initiativen“ ins Leben zu rufen. Es geht dabei darum, jährlich 0,5 Prozent des Straßenraums und der Parkplätze zu entsiegeln und mit Bäumen zu bepflanzen. Damit
würde der Weg zur „Schwammstadt“ verbindlich, quantifizierbar und messbar.
BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz erklärt: „In vielen deutschen Städten steht in den nächsten Jahren der Ausbau der Fern- und Nahwärmenetze an. Wenn deshalb die
Straßenbeläge sowieso aufgerissen werden, können gleich im Anschluss zeit- und kostensparend in passenden Straßenabschnitten Bäume gepflanzt werden. Das wäre nicht nur ein Beitrag zur Realisierung des Schwammstadt-Konzeptes, sondern auch der längst fällige Beitrag zu mehr Klimaschutz, Stadtgrün, Verkehrswende, sauberer Luft, Abschattung und Kühlung sowie urbaner Artenvielfalt.“