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Zur Situation in der Bildungsstätte Konradshöhe

von Konradshöhe e.V.

17 auf einen Streich: Gewerkschaftsnahes Bildungshaus kündigt gesamtem Hausteam das Arbeitsverhältnis auf

Eine Woche vor der Sommerpause in der ge- werkschaftsnahen Jugendbildungsstätte Kon- radshöhe e.V wurde der 35 -jährigen Tina F. (Name geändert), Dipl.-Sozialwissenschaftlerin und Teamerin der politischen Bildungsarbeit nach einem 7-jährigen Arbeitsverhältnis tele- fonisch die Kündigung eben dieses Arbeits- verhältnisses ausgesprochen.

Ohne Abmahnung, ohne Gespräch, ohne Ankündigung. Sie hatte durchschnittlich in den letzten Jahren an über 80 Seminartagen mit Schulklassen, Azubis, SchülerInnenvertreter und Flüchtlingen im Auftrag der Bildungsstätte u.a. zu Themen wie Solidarität, gewerk- schaftliche Mitbestimmung und kritische Berufsbildung gearbeitet. Für einen Tagessatz von 90 bis 100 Euro, der für Selbständige ein Leben am Existenzminimum bedeutet.

Ein Kündigungsschreiben der Rahmenvereinbarung erreichte auch auch die restlichen 16 freiberuflichen BildungsarbeiterInnen und Mitglieder des Hausteams Konradshöhe e.V. Die Rahmenvereinbarung stellte den ersten Versuch des Hausteams dar, Arbeitsbedingungen festzuschreiben und gewerkschaftliche Mitbestimmung der MitarbeiterInnen zu gewähr- leisten.

Der Versuch, gesamte Teams zu kündigen, dessen Mitglieder sich in langjährigem profes- sionellem und persönlichem Engagement für den Arbeitgeber einzubringen, ist aus ande- ren Bildungsstätten bekannt. Von der Geschäftsführung wurden eine Zeit lang "klärende Gespräche" angeboten, in der Zwischenzeit jedoch bereits neue Einstellungsgespräche geführt.

Adam C.(Name geändert), Vater zweier Kinder, (Politikwissenschafts-Studium im europäischen Ausland, Studium der Kommunikationswissenschaft in Deutschland und Wien), qualifizierter Jugendgruppenleiter für internationale Begegnungen und Sprach- mittler, ist ebenfalls von der Kündigung der Rahmenvereinbarungen betroffen. Obwohl ihm von der Hausleitung eine Weiterarbeit unter geänderten Rahmenbedingungen ange- boten wurde, kann sich Adam vorerst auch keine weitere Fortbeschäftigung im Haus vorstellen. Denn er wie alle anderen sind solidarisch mit den übrigen Teamenden, denen noch nicht mal dieses Angebot gemacht wurde. Die Forderung „Alle oder keine_r“ steht dabei im Zentrum ihres Anliegens.

Wie in anderen Bildungsstätten deutet in Konradshöhe alles darauf hin, dass die Kündigung eines gesamten Hausteams mit dem Wunsch der Teamenden nach einer Rahmenvereinbarung und nach Mitbestimmung im Betrieb im Zusammenhang steht. Die Unsicherheit prekärer Bildungsarbeiter_innen wird von der Geschäftsführung strukturell dafür genutzt, Individualisierung zu fördern und dem Team eines der fundamentalen Rechte einer Belegschaft zu verweigern: Sich als MitarbeiterInnen zu organisieren und über ihre Arbeitsbedingungen auszutauschen. So ist der Fall Konradshöhe auch ein Paradebeispiel für die Bedingungen prekärer BildungsarbeiterInnen im Allgemeinen.

Nachdem die Hausleitung/Geschäftsführung für keine weiteren Gespräche mit dem gesamten Team zur Verfügung steht, bleibt Tina F. und Adam C.und dem restlichen Team „kein anderer Weg, als über die Öffentlichkeit erneut für die Fortführung der Arbeitsverhältnisse und der Etablierung von Strukturen der Mitbestimmung an die Hausleitung zu appellieren", resümieren Tina F. und Adam C. Zu hoffen bleibt, dass in Zukunft das Schicksal freiberuflicher BildungsarbeiterInnen eine ernstzunehmende Größe in der Kalkulation gewerkschaftsnaher und politischer Bildungsstätten werden wird.

Mit der Bitte um Veröffentlichung und Solidaritätsbekundung gegenüber der Bildungs- stätte für das gekündigte Team.

Solidaritätspetition:
www.openpetition.de/petition/online/17-auf-einen-streich-gewerkschaftsnahes-bildungshaus-kuendigt-gesamtem-team-das-arbeitsverhaeltnis

In der taz ist heute schon ein Artikel erschienen:
http://taz.de/Freie-Mitarbeiter-mucken-auf/!144049

www.verdi-bildungsstaette.de